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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Grusel-Objekte : Leichenschau am Totensonntag

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine Anatomie-Ausstellung mit plastinierten Körperteilen in Fockbek sorgt für Wirbel: Ein Kirchenvertreter sieht Menschenwürde verletzt.

Leichenteile von echten Menschen – auf Muskeln, Sehnen und Knochen reduziert. Seit Donnerstag ist die Ausstellung „Körper – Die Lehre der Toten“ in Schneider’s Veranstaltungshaus in Fockbek zu sehen. Was für einige als wissenschaftlich wertvoll gilt, ist für andere wiederum abstoßend und ethisch verwerflich. Besonders Kirchenvertreter kritisieren die Leichenschau scharf. Dass die Ausstellung auch noch am Totensonntag gezeigt wird, sei ihrer Ansicht nach geschmacklos.

Rund 200 Exponate werden noch bis Sonntag in Fockbek gezeigt. Alles konservierte Leichenteile – von Kniegelenken über Raucherlungen bis hin zu kompletten menschlichen Körpern. Sogar Neugeborene liegen in den Glasvitrinen. Das britische Unternehmen „Steward Dougal Medcare Exhibition“ mit Sitz in London zieht mit der Wanderausstellung durchs Land. Nach Angaben der Veranstalter sind die Körperteile und Organe eine Leihgabe der US-amerikanischen Firma „Corcoran Laboratories“ in Michigan – ein Hersteller medizinischer Präparate für Universitäten und Krankenhäuser. Die Menschen haben zu Lebzeiten darüber verfügt, dass ihre Körper nach dem Tod der Ausbildung von Medizinern sowie der Aufklärung von Bürgern zur Verfügung stehen sollen, geben sie an. Genau da sieht das Unternehmen auch den Mehrwert. Auf der Internetseite wird die Körper-Schau als Bildungsangebot beschrieben. Anatomisches Wissen soll insbesondere an Schulklassen und medizinische Berufe vermittelt werden, heißt es dort. Aus diesem Grund sind auch Bianca Richter (40) aus Jevenstedt und ihre Freundinnen aus der Altenpflege-Klasse nach Fockbek gekommen: „Mich interessiert es, wie der Körper von innen aussieht. Es ist mehr der medizinische Blick, den ich dabei habe“, sagt sie. Ihrer Ansicht nach müsse so etwas unbedingt gezeigt werden.

Entschieden anderer Meinung ist Lars Klehn, Pastor für Personal- und Gemeindeentwicklung im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde: „Diese Ausstellung nimmt für sich in Anspruch, die Körper amerikanischer Spender zu zeigen, die dem zugestimmt hätten. Was für die Ausbildung von Medizinern berechtigt sein mag, dient hier nicht der Aufklärung, sondern befriedigt nur Sensationslust“, so Klehn. „Tote Menschen sind keine Ausstellungsstücke.“ Damit spricht er im Namen des gesamten Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde. Besonders der November sei mit dem Volkstrauertag, dem Buß- und Bettag und dem Totensonntag eine stille Zeit, in der viele Menschen trauern, so Klehn. Dass ausgerechnet an diesem Wochenende, an dem der Verstorbenen gedacht werden soll, tote Menschen zur Schau gestellt werden, verletze „das Pietätsgefühl und den guten Geschmack“.

Der Veranstalter äußerte sich trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu der Kritik.

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erstellt am 19.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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