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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 13:53 Uhr

Rendsburg : Lange Tunnel-Sanierung: Verdi stellt sich vor Kanalverwaltung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gewerkschaft kritisiert den Unternehmensverband: Der Autokorso-Protest treffe den Falschen.

Rendsburg | Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Mitarbeiter der Kanalverwaltung gegen Kritik an der langen Sanierung des Kanaltunnels in Schutz genommen. Anlass ist die für Freitagmittag (3. Juni) geplante Protestaktion des Unternehmensverbandes Mittelholstein (UVM), der zu einem Autokorso mit Hupkonzert durch Rendsburg aufgerufen hat. Die Kolonne setzt sich um 13 Uhr am Paradeplatz in Bewegung, Ziel ist der Bauhof des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau in der Blenkinsopstraße. Dort soll eine Protestnote übergeben werden.

Die Bauarbeiten dauern immer länger, die Kosten schießen in die Höhe, die Nerven liegen blank. Eine Ärgernis ist die Großbaustelle vor allem für tausende Pendler, die vor dem Tunnel jeden Tag im Stau stehen.

Der Unternehmensverband bemängelt die erneuten Verzögerungen bei den 2011 begonnenen Bauarbeiten, die voraussichtlich nicht vor 2019 abgeschlossen sein werden. Verdi reagierte auf den Vorstoß der Unternehmer mit Unverständnis, deren Vorhaben sei unverständlich und werfe Fragen nach der politischen Haltung der Verantwortlichen auf. „Der richtige Adressat wäre der Bundesminister Dobrindt in Berlin.“ Doch dort traue sich der Unternehmensverband wohl nicht hin, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Jochen Penke. „Hier sollen Beschäftigte der WSA für etwas verantwortlich gemacht werden, wofür sie definitiv nicht verantwortlich sind.“

Nicht die Beschäftigten der Kanalbehörde, sondern der Minister und die Staatssekretäre sollten an ihre Zusagen erinnert werden. Gerade das WSA habe schon vor Beginn der Sanierungsarbeiten auf den langen Zeitraum hingewiesen, den die Arbeiten in Anspruch nehmen werden. „Die Beschäftigten des WSA sind diejenigen, die rund um die Uhr daran arbeiten, die Sanierung über die Bühne zu bringen. Sie sind nicht die Verursacher der Verzögerung, deshalb ist der angebliche Protest „ein Sturm im Wasserglas an der falschen Stelle“, teilte Penke weiter mit.

UVM-Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich spielte den Ball zurück. Der Unternehmensverband reagiere mit Unverständnis, dass Verdi nicht erkenne, dass beim Kanaltunnel die Zumutbarkeitsgrenze für die norddeutsche Wirtschaft erreicht sei. Der Protest richte sich nicht nur gegen die Kanalverwaltung in Rendsburg, sondern auch gegen das Bundesverkehrsministerium als den eigentlichen Dienstherrn. Über den UV Nord, dessen Hauptgeschäftsführer Fröhlich ist, werde man Druck in Berlin ausüben. „Wir würden uns freuen, wenn Verdi einmal ihre eigenen Mitglieder befragen würde, die außerhalb des WSA arbeiten und täglich durch den Tunnel fahren oder besser in ihm stehen müssen“, so der Geschäftsführer weiter. Als Beispiele nannte Fröhlich die Beschäftigten bei Banken und Versicherungen sowie im Einzelhandel. „Dann würde die Aussage der Gewerkschaft mit Sicherheit gänzlich anders ausfallen.“

Zeitgleich zum Autokorso soll Freitag um 13 Uhr eine Menschenkette zwischen Eisenbahnhochbrücke und Fußgängertunnel gebildet werden. Beide Aktionen sorgen inzwischen auch in der Landespolitik für Wirbel. Kritik an der Kanalverwaltung wurde am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Schleswig-Holsteinisches Landtags laut: „Wenn jetzt zur Beschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen schon Menschenketten organisiert werden, muss doch auch dem Letzten klar werden, dass wir einen echten Neuanfang in der Infrastrukturpolitik brauchen, wenn wir unseren Wohlstand nicht weiter gefährden wollen“, meinte der Vorsitzende des Gremiums, Christopher Vogt (FDP), nach einer Anhörung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung über die erneute Verzögerung beim Rendsburger Kanaltunnel.

Woran es offenbar komplett mangele, sei ein geeignetes System zur regelmäßigen Bestandsaufnahme der Substanz der eigenen Bauwerke. „Die WSV wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten vom schlechten Zustand des Kanaltunnels kalt erwischt. Dies wurde unserem Bundesland schon bei der Rader Hochbrücke zum Verhängnis“, merkte Vogt kritisch an.

 

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erstellt am 02.Jun.2016 | 13:01 Uhr

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