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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Rendsburg : Landsknecht per Handschlag verkauft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das historische Gebäude scheint gerettet. Der neue Besitzer stammt aus Rendsburg, möchte aber bis zum endgültigen Kaufabschluss anonym bleiben.

Der „Landsknecht“, das älteste Bürgerhaus der Stadt, ist verkauft – per Handschlag. Neuer Eigentümer ist ein Rendsburger Geschäftsmann, der unbekannt bleiben möchte, bis der Kauf notariell besiegelt ist. Das soll in rund zwei Wochen so weit sein, sagt der designierte neue Besitzer. Der genaue Kaufpreis steht noch nicht fest, der Unternehmer will erst den Zustand der Bausubstanz feststellen lassen. „Es gibt einfach sehr viele Unwägbarkeiten bei so einem alten Gebäude. Das Haus ist aber erhaltenswert.“ Nach dem Verkauf des Hertie-Hauses scheint dies nun die zweite gute Nachricht für die Aufwertung der Rendsburger Altstadt innerhalb eines Monats zu sein.

Als die Immobilie vor drei Jahren zum ersten Mal in den Immobilienportalen auftauchte, wollte sein damaliger Besitzer noch 95    000 Euro für das insgesamt 436 Quadratmeter große Haus in der Altstadt haben. Doch zu diesem Preis fand sich kein Käufer, zumal der lange Leerstand ihren Zustand ebenfalls nicht verbesserte. Viele Rendsburger befürchteten gar, dass das Haus ein ähnliches Ende nehmen würde, wie Thormann- und Stintzinghaus am Schloßplatz. Die gammelten so lange vor sich hin, bis sie als unrettbar galten – diesen Herbst sollen sie abgerissen werden. Erst als der Preis für den „Landsknecht“ um mehr als 20 Prozent auf 75  000 Euro gesenkt wurde, kamen die ersten Interessenten. Doch bis zum Verkauf verging nochmals über ein Jahr. Denn ein Schnäppchen ist das Haus nicht unbedingt. Die Sanierungskosten dürften zwischen 100    000 und 250    000 Euro liegen, sagten Branchenkenner der Landeszeitung vor über einem Jahr. Vom neuen Besitzer ist nur zu hören, dass größere Umbaumaßnahmen erforderlich seien. Bekannt ist, dass es einen Wasserschaden im Obergeschoss gegeben hat, der nur notdürftig behoben wurde. In einer inzwischen aus den Immobilienportalen entfernten Annonce hieß es, dass das Gebäude wieder als Gastronomie betrieben werden könnte, aber auch Ausbaukapazitäten für eine Pension böte.

Wie es mit dem historischen Bauwerk nach der Sanierung weitergehen soll, ist noch unklar. „Die zukünftige Nutzung steht noch gar nicht fest“, sagt der neue Eigentümer. „Es richtet sich alles nach der Besichtigung.“ Und dem Zustand des Gemäuers, der dann zu Tage treten wird. Eine erneute Nutzung als Gastronomie sei für ihn aber denkbar.

Das Haus mit der denkmalgeschützten Fassade aus dem Jahr 1541 gilt als das älteste Bürgerhaus der Stadt – auch wenn das Gebäude hinter der Fassade Haus keine 100 Jahre alt ist. In den 70-er Jahren war unter anderem Bundeskanzler Helmut Schmidt regelmäßig zu Gast im „Landsknecht“ und brachte internationale Politiker wie den österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky oder den französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing mit nach Rendsburg. Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme war noch zwei Monate vor seiner Ermordung im Februar 1986 mit dem Altkanzler im „Landsknecht“.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 06:00 Uhr

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