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Landeszeitung

29. September 2016 | 18:58 Uhr

Borgstedt : Lärmschutz bei Neubau der Rader Hochbrücke fraglich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Ersatz des Rader Bauwerks über den Nord-Ostsee-Kanal rückt 16,5 Meter nach Osten. Das Land lässt offen, ob es für die Schall-Abwehr zahlt. Die Anwohner sagen: „Der Lärm muss runter“.

Borgstedt | Bürgermeister und Einwohner der Gemeinden an der Rader Hochbrücke müssen auch nach Fertigstellung des Ersatzbauwerks mit Verkehrslärm rechnen. Das wurde jetzt bei einer Informationsveranstaltung in Borgstedt klar. Denn das Land, das den Lärmschutz bezahlen müsste, hält sich in dieser Frage zurück.

Die Einwohnerversammlung am Mittwochabend stieß auf großes Interesse. Rund 150 Bürger waren in die Grundschul-Aula gekommen. Sie wollten wissen, wie es mit dem Bau weitergeht, nachdem vor drei Jahren festgestellt worden war, dass die marode Autobahnbrücke abgerissen werden muss.

„Die Brücke hält noch zehn Jahre. Der Bau eines Tunnels als Ersatz ist ausgeträumt“, stellte Bürgermeister Gero Neidlinger zu Beginn der zweieinhalbstündigen Einwohnerversammlung fest. Das bestätigte auch Mario Schönherr, Projektleiter von Deges. Die Gesellschaft ist für das Projektmanagement des Ersatzbaus zuständig. Ein Tunnel anstelle der Brücke komme nicht infrage, weil dafür die Zeit nicht reiche und weil die Kosten bei mehr als 603 Millionen Euro liegen würden, sagte Schönherr.

Die neue Brücke würde etwa 173 Millionen Euro kosten, die Gesamtkosten inklusive der Baulogistik würden 270 Millionen Euro betragen. „Es gibt bisher eine Brücke, also werden Sie wieder eine Brücke bekommen.“ Die Trassenführung stehe fest. In ähnlicher Form wie bisher soll der Ersatzbau 16,5 Meter östlich der bisherigen Brücke entstehen. Eine großräumige Verlegung der Trasse kommt nach Schönherrs Angaben „nicht infrage“.

Die neue Brücke werde mit einer Durchfahrtshöhe von 42 Metern für den Schiffsverkehr und 224 Metern Stützweite zwischen den beiden Pfeilern am Kanalufer gebaut. Schönherr zeigte auf, dass wegen hoher Windgeschwindigkeiten das Tempo auf der bisherigen Brücke häufig von 100 auf 80 oder 60 Kilometer pro Stunde reduziert werden muss. Das verursache durch den Zeitverlust einen hohen wirtschaftlichen Schaden. An der neu zu bauenden Brücke sollen deshalb Windabweiser errichtet werden.

„Schneller fahrende Autos verursachen auch mehr Lärm“, wandte ein Einwohner ein. Ziel sei es, mit dem Neubau auch den Lärmschutz zu verbessern, sagte Schönherr. Allerdings sei der Bund bei einem Ersatzbau nicht verpflichtet, zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen. Das Land Schleswig-Holstein müsste für die Finanzierung sorgen, so der Projektleiter. Heike Nadolny, die für das Verkehrsministerium an der Sitzung teilnahm, äußerte sich jedoch nicht dazu. Wie sehr der Lärm die Anwohner belästigt, machte eine Anwohnerin des Treidelwegs deutlich: „Das ist wie Schlafen bei eingeschaltetem Föhn. Bei Ostwind braucht man gar nicht ins Bett zu gehen.“ Ein anderer Borgstedter fand deutliche Worte: „Der Lärm muss runter.“

Im kommenden Frühjahr sollen Probebohrungen am Treidelweg und in der Borgstedter Enge durchgeführt werden, um die Gründungen für die Brückenpfeiler zu erkunden. Um Pfeiler auf der Rader Insel errichten zu können, müsste ein Schiffsanleger auf der Insel gebaut werden. Baumaterial könnte nur auf Pontons auf die Rader Insel gebracht werden, sagte Schönherr. Mit dem Bau der ersten Richtungsfahrbahn der neuen Brücke soll 2023 begonnen werden. Nach deren Fertigstellung 2026 soll der Verkehr auf jeweils zwei Fahrbahnen über die Brücke geführt werden. Die alte Rader Brücke wird dann abgerissen und an deren Stelle die zweite Richtungsfahrbahn errichtet. Mit der Fertigstellung wird 2029 gerechnet.

Gero Neidlinger zeigte sich mit der bisherigen Verlauf der Planung zufrieden. „Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wurden frühzeitig und intensiv eingebunden. Der Umgang mit dem ‚Schutzgut Mensch‘ wird entscheidend für die Akzeptanz der betroffenen Bürger sein. Der Lärmschutz während der Bauphase, der Baustellenverkehr und eine Minimierung der Lärmemissionen sind die wichtigsten Punkte.“

Auch Neidlingers Amtskollege Hans Stephan Lütje, Bürgermeister in Rade bei Rendsburg, will die Einwohner über die Brückenplanung informieren lassen. Der Termin dafür soll im November sein. Der Lärmschutz ist für Lütje das zentrale Thema. Zudem ist das östlich der Brücke gelegene Rade von den neuen Erdaufschüttungen bei der Verlegung der Brückenzufahrt betroffen. „Der Damm wird sich verändern“, stellte Lütje fest.

Der Bau

Bevorzugt werde ein Ersatzneubau östlich der vorhandenen Brücke. Eine Schrägseilbrücke mit Pylonen sei Teil einer vorgelagerten Variantenstudie gewesen, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums Harald Haase im Augsut. Im Fall der Rader Hochbrücke sei aber eine Balkenbrücke wie im Bestand die Vorzugslösung. Diese Variante sei als Grundlage weiterer Planungen empfohlen worden.

grafik laz neue raderbrücke 8-2016
 

Eine Reduzierung der Pfeileranzahl – derzeit sind es 28 – wäre denkbar, führe aber zu größeren Stützweiten und damit zu einem erhöhten baulichen und finanziellen Aufwand. „Eine Reduzierung ist daher derzeit nicht geplant.“

Der Zeitplan

Vom Bund mit dem Großprojekt beauftragt wurde die halbstaatliche Planungs- und Baugesellschaft Deges. So soll vorgegangen werden:

Von 2023 bis 2026 werden zunächst die nach Norden führenden Richtungsfahrbahnen über den Kanal gezogen – neben der jetzigen Querung.

Ab 2026 wird die alte Brücke abgerissen. Bis die zweite neue Fahrbahn gebaut ist, muss der gesamte Verkehr bis Ende 2029 über die dann fertige erste Brückenhälfte rollen. Experten gehen davon aus, dass die alte Brücke noch höchstens zehn Jahre genutzt werden kann.

Um das Bauvorhaben „Hochbrücke 2.0“ voranzubringen, wird die Voruntersuchung in Abstimmung mit Land und Bund derzeit abgeschlossen. Die Entwurfsplanung folgt im Anschluss. Erst danach kann das zwei- bis dreijährige Planfeststellungsverfahren beginnen. Ausführungsplanung und Auftragsvergabe sind für 2021 und 2022 vorgesehen. Ab 2030 soll der Verkehr ungehindert auf voller Breite über den Kanal fließen.

Eine Umweltverträglichkeitsstudie ist in Arbeit. Die Richtungsfahrbahnen auf der neuen Brücke sollen jeweils 12,50 Meter breit werden – einen Meter mehr als bisher. Dadurch können die vier Spuren um Standstreifen erweitert werden.




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erstellt am 23.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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