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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

Posten-Affäre im Rathaus : Kumpanei-Verdacht wird konkreter

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine Mitarbeiterin des Rathauses sagt: Kämmerer Herwig Schröder sei über gravierenden Formfehler informiert worden – dennoch habe er die Bewerbung eines Gilgenast-nahen Kandidaten zugelassen.

In der Affäre um die geplatzte Neubesetzung eines leitenden Postens im Rathaus geraten die Hauptverantwortlichen weiter in Bedrängnis. Der ausgeschiedene Bewerber Markus Knapp (48) hat seine Vorwürfe gegen Bürgermeister Pierre Gilgenast und Herwig Schröder, den Leiter der Haupt- und Finanzverwaltung, gestern konkretisiert. Knapp fühlt sich in dem inzwischen gestoppten Auswahlverfahren zu Unrecht ausgebootet. Bei einem Persönlichkeitstest hatte er besser abgeschnitten als sein Mitbewerber. Der Polizist aus Brandenburg droht mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht.

Gegenüber der Landeszeitung gab er an, Schröder sei vom ihm unterstellten Fachdienst Personal frühzeitig darauf hingewiesen worden, dass Bernd Brommann, der andere Kandidat, ein nicht aktuelles Arbeitszeugnis vorgelegt habe. Es darf nicht älter als drei Jahre sein, sonst ist die Bewerbung rechtlich anfechtbar. Der Kämmerer habe jedoch in Abstimmung mit Bürgermeister Pierre Gilgenast die Weisung erteilt, Brommann trotz des Formfehlers zu dem Verfahren zuzulassen. „Hier wurde mit Vorsatz eine Tatsache geschaffen, die im Fall der Fälle einen jederzeitigen Ausstieg aus dem Stellenbesetzungsverfahren ermöglicht – wie jetzt durch den Abbruch geschehen“, behauptete Knapp.

Kämmerer Herwig Schröder machte zu den hausinternen Vorgängen „mit Hinweis auf das von Herrn Knapp angedrohte Verwaltungsgerichtsverfahren“ gestern keine weiteren Angaben. Eine Rathaus-Mitarbeiterin hingegen, die aus Angst vor disziplinarrechtlichen Folgen anonym bleiben möchte, bestätigte Knapps Angaben zum Teil. „Herr Schröder hat schon zu Beginn des Auswahlverfahrens beim Leiter des Fachdienstes Personal angerufen und gesagt, es brauche kein neues Zeugnis angefordert zu werden.“ Er müsse von der Drei-Jahres-Regel gewusst haben. Strategie, sich eine juristische Hintertür für den Abbruch des Verfahrens offenzuhalten, wollte sie ihren Vorgesetzten Schröder und Gilgenast nicht unterstellen. „Es war vielleicht nur ein Freundschaftsdienst für den Kandidaten Brommann.“ Brommann und Gilgenast kennen sich seit langem und haben im Fockbeker Rathaus zusammen gearbeitet. Schröder hatte am Dienstag im LZ-Gespräch versichert, er habe zum Zeitpunkt des Auswahlverfahrens schlichtweg nicht gewusst, dass eine dienstliche Beurteilung nicht älter als drei Jahre sein darf.

Ratsherr Helge Hinz, Chef des Senats, zeigte sich angesichts der Geschehnisse betrübt. Sein Gremium hätte die Neubesetzung des Postens von Bürgerdienste-Fachbereichsleiter Herbert Schauer längst beschließen sollte. Laut Gemeindeordnung schlägt der Bürgermeister dem Senat einen Kandidaten vor. „Die ganze Situation ist sehr misslich. Alle Beteiligten erscheinen jetzt in einem schlechten Licht“, sagte Hinz. Die Arbeitsweise im Rathaus nannte der Politiker der Fraktion Soziales Rendsburg „nicht professionell“. Unverständlich sei, dass veraltete Bewerbungsunterlagen zunächst unbemerkt blieben. Hier trage Fachbereichsleiter Herwig Schröder die Verantwortung. „Wenn ich in so einer Position bin, muss ich das wissen.“

Nicht nur der ausgeschiedene Bewerber Markus Knapp, auch sein Kontrahent Bernd Brommann, der als Büroleitender Beamter noch im Fockbeker Rathaus tätig ist, sei als Anwärter durch die Diskussion „verbrannt“, ist der Ratsherr überzeugt. „Wenn Brommann es werden sollte, hätte er es in seinem eigenen Bereich nicht leicht.“ Letztlich, so Hinz, leide wieder einmal das Bild Rendsburgs in der Öffentlichkeit. Der Senatsvorsitzende erwartete Nachteile für das folgende zweite Verfahren. „Bewerber werden sich genau überlegen, ob sie sich tatsächlich um die Stelle im Rendsburger Rathaus bewerben.“

Nach Angaben von Herwig Schröder kann die neue Ausschreibung umgehend gestartet werden. Dem stehe nichts im Wege, auch eine mögliche Klage aus dem gestoppten Verfahren nicht. Man strebe noch immer eine Neubesetzung der Fachbereichsleiter-Planstelle zum 1. März 2017 an.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 10:28 Uhr

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