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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 05:00 Uhr

Sorge um Adebar : Küken der Störche verhungerten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hartes Jahr für die Störche: Viele Storch-Eltern verloren ihre Küken. Durch die lange Trockenheit im Mai gab es kaum Regenwürmer und Insekten. Dann folgten Starkregenfälle im Juni, die Pilzinfektionen verursachten.

Die letzten Störche sind Anfang September in ihre Winterquartiere in den Süden geflogen. Nun ist Zeit für die Storchenexperten aus Schleswig-Holstein, Bilanz zu ziehen. So gab es im Südosten des Landes wenig Brutausfälle, während die Ergebnisse im Nordwesten sehr schlecht waren, erfuhren Storchenbeauftragte während einer Fachtagung im „Michael-Otto-Institut“ in Bergenhusen. Eingeladen hatte Uwe Peterson, Referent der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz des Nabu Schleswig-Holstein.

Dies schlechte Bilanz hat viele Ursachen: Durch die lang anhaltende Trockenheit im Mai gab es kaum Regenwürmer und Insekten für die Küken. Das Mäuseangebot war auch sehr rar. Hinzu kamen die Starkregenfälle im Juni. Die Jungstörche verendeten vielfach an Pilzinfektionen der Lunge. Dieses Jahr häuften sich zudem die Meldungen über Kämpfe um die Nester. Ein Grund: Die „Ostzieher“ kamen sehr spät an und fanden ihre Nester belegt vor. Es gab heftige Kämpfe, bis zum Brutverlust.

Die Störungen der Störche während der Brut und Aufzucht durch Drohnen haben erheblich zugenommen. Dies bestätigten die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft. „Dies sind Störungen, die zu Brutausfällen führen“, so Storchenbetreuer Helmut Pauls aus Bergenhusen. Er hatte Gespräche mit Drohnenbesitzern geführt. Viele waren einsichtig. „Da wir nicht immer vor Ort sind, appellieren wir an die Drohnenbesitzer, die Brutnester und die Aufzucht der Störche mit ihren Fluggeräten nicht zu stören.“ Zum anderen wurden verstärkt „Einjährige“ gesichtet. Diese „Halbstarken“ sind noch nicht geschlechtsreif und stören die Brutvögel.

Beringung und Ausrüstung mit Sendern machen eine wissenschaftliche Arbeit erst möglich. Beringt werden jedes Jahr bis zu 200 Jungstörche. Hier ist zu erkennen, dass sich Veränderungen im Zugverhalten und in den Brutgebieten ergeben. „So ist zu sehen, dass Störche aus Belgien, Polen, Schweden und Sachsen-Anhalt in unserem Gebiet brüten und unsere Störche in Polen oder Süddeutschland beobachtet wurden. Dieser Gen-Austausch ist für die Population sehr wichtig“, hieß es auf der Tagung.

Die Zahl der „Ostzieher“ über die Türkei ist rückläufig und die Zahl der Überwinterer in Südspanien auf den Mülldeponien nimmt zu. Zur Zeit sind dies zirka 60  000 Störche. Die „Ostzieher“ sind nachweislich im Nachteil. Sie sind etwa 60 Tage unterwegs bis in den Tschad und den Sudan. Weiter nach Südafrika fliegen nur noch wenige. Die Überwinterer in Spanien sind dagegen nur ein bis zwei Wochen unterwegs und benötigen weniger Flächen zur Nahrungsaufnahme. Dies bedeutet auch eine höhere Überlebensrate. Die Populationen entwickeln sich unterschiedlich. „Die Westzieher haben weniger Verluste bei der Überwinterung als die Ostzieher, und können im Schnitt zwei Jahre länger Junge aufziehen. Das Zugverhalten wird nicht vererbt. Die Jungstörche schließen sich den anderen Störchen an, die auf der Durchreise gen Süden sind“, so Kai-Michael Thomsen, Storchenexperte des Nabu. Er ist auch zuständig für die Auswertung der Daten, die die jetzt vier mit Sendern oder Loggern ausgerüstete Störche aus Schleswig-Holstein liefern. Sie sammeln und übertragen Position, Flughöhe, Geschwindigkeit und Temperaturen.

In der Storchenstation in Bergenhusen wurden neun Jungstörche gepflegt (Verletzungen, Unterernährung) und fünf Junge wurden im Tierpark Eekholt aufgepäppelt. Freude herrscht auf Sylt: Dieses Jahr gab es den ersten Bruterfolg auf der Insel. Im Tierpark Tinnum wurden zwei Junge großgezogen, die jetzt auf dem Weg ins Winterquartier sind.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 09:07 Uhr

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