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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 10:59 Uhr

Gemeinschaftsunterkunft : Kreis schließt sein Asylheim

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Mietvertrag für das Haus an der Kaiserstraße 21 in Rendsburg soll gekündigt werden.

Die Tage der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises Rendsburg-Eckernförde sind gezählt. Die Verwaltung schlägt dem Sozialausschuss des Kreistages vor, den Mietvertrag für das Gebäude an der Rendsburger Kaiserstraße 21 zu kündigen. Schon jetzt wohnen keine Asylbewerber mehr in dem alten, baufälligen Gebäude.

Wenn die Politiker des Ausschusses zustimmen, ist in etwas mehr als neun Monaten Schluss. Der Vertrag kann zum 31. August 2017 gekündigt werden. Bis vor eineinhalb Jahren war die Gemeinschaftsunterkunft noch bitter nötig. Sie galt als unumgänglicher Puffer für Flüchtlinge, für die noch kein endgültiger Wohnraum in einer Gemeinde Rendsburg-Eckernfördes gefunden wurde, nachdem sie nach der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes dem Kreis zugewiesen wurden. Politik und Verwaltung beabsichtigten sogar lange, die Kapazität der Unterkunft zu erweitern. Dazu sollte die ehemalige Bundeswehr-Standortverwaltung in direkter Nachbarschaft an der Kaiserstraße 19 gekauft werden. Doch im Mai 2015 wurde klar, dass das Land seine Erstaufnahmekapazitäten aufstockt – inzwischen gibt es rund 9000 Plätze in Schleswig-Holstein. Das hatte der Kreis immer gefordert, um den Druck aus der Zuweisungspraxis zu nehmen. Denn bis dahin wurden den Gemeinden regelmäßig zu viele Asylbewerber auf einen Schlag zugewiesen. Auf die Schnelle Wohnraum zur Verfügung zu stellen, brachte sie in große Schwierigkeiten. Deshalb kamen viele Flüchtlinge zunächst an der Kaiserstraße 21 und in einem weiteren Haus mit der Nummer 25 unter. Das ist nun vorbei. Seit Monaten wohnt niemand mehr in dem baufälligen Haus. Laut Kreisverwaltungsdirektor Carsten Ludwig ist die Belegung bereits im ersten Halbjahr stark zurückgegangen. „Die Kommunen sind in Sachen Wohnraum inzwischen so gut aufgestellt, dass die Grundlage für den Betrieb der Gemeinschaftsunterkunft fehlt“, sagte er auf Nachfrage der Landeszeitung. „Unter Integrationsgesichtspunkten ist das Wohnen vor Ort besser.“ Aus dem jüngsten Zuwanderungsbericht der Verwaltung geht hervor, dass die Zuweisung von Asylbewerbern in den vergangenen Monaten stark abgenommen hat. Während es im Januar noch 280 waren, kamen im August nur noch 37 Asylbewerber in Rendsburg-Eckernförde an. Im vergangenen Jahr waren es zeitweise noch rund 30 Neuankömmlinge täglich. Selbst wenn die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen sollten, sei ein Puffer vor der Zuweisung in die Gemeinden des Kreises nicht mehr erforderlich, da es genug Erstaufnahmeplätze gebe, heißt es in der Vorlage für den Sozial- und Gesundheitsausschuss, der am Donnerstag, 17. November, um 16 Uhr im Sitzungssaal 2 im Kreishaus an der Kaiserstraße 8 tagt.

Die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft dürfte bei vielen Erleichterung hervorrufen. Denn die Zustände in dem seit Mitte der 1980er-Jahre vom Kreis betriebenen Haus waren in die Kritik geraten. Zum einen wurde der Zustand des Gebäudes häufig als so schlecht beschrieben, dass dort eigentlich niemand wohnen könne. Auch von einer Überbelegung des Asylheims mit 66 Plätzen war häufig die Rede. Im Sommer vergangenen Jahres hatten Bewohner über die Verletzung ihrer Privatsphäre geklagt. Es standen zwölf Vier-Bett-Zimmer und fünf Wohnungen für Familien zur Verfügung. Der Kreis wies die Vorwürfe zurück.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 15:53 Uhr

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