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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 11:57 Uhr

Mehr Flächen geplant : Kreis droht neuer Windkraft-Ärger

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Land will die für Windkraft geeigneten Flächen im Kreisgebiet offenbar auf bis zu 4500 Hektar verdoppeln. Die Gemeinden erhalten Möglichkeit zur Stellungnahme

Die für den Bau von Windkrafträdern zugelassenen Flächen im Kreis Rendsburg-Eckernförde sollen offenbar massiv ausgeweitet werden. Nach Informationen der Landeszeitung will die Kieler Staatskanzlei den Umfang der sogenannten Eignungsflächen mehr als verdoppeln. Die Rede ist von 4000 bis 4500 Hektar. In der Ursprungsplanung, die im Januar 2015 vom Oberverwaltungsgericht wegen mehrerer Abwägungsfehler für ungültig erklärt worden war, hatte das Land für das Kreisgebiet knapp 2000 Hektar vorgesehen.

Prekär: Es rücken auch Gemeinden in den Fokus, in denen sich die Bevölkerung bereits deutlich gegen einen weiteren Ausbau der Windkraft ausgesprochen hatte, zum Beispiel Nübbel. Ende Oktober 2012 hatten sich die Einwohner bei einem Bürgerentscheid mit 61 Prozent der Stimmen gegen weitere Windräder ausgesprochen. Damals war von einem Umfang der Eignungsflächen von 250 Hektar die Rede – etwa 18 Prozent der Gemeindefläche. In dem neuen Entwurf des Regionalplans soll Nübbel mit 230 Hektar bedacht werden. Bürgermeister Rudolf Ehlers zeigte sich davon gestern völlig überrascht: „Ich weiß darüber noch gar nichts.“ Erst vor wenigen Tagen habe er bei Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer nachgefragt, aber auch dieser habe keinerlei Erkenntnisse gehabt. Die Kreisverwaltung bestätigte dies. Pressesprecher Martin Schmedtje machte jedoch deutlich, dass man in Kürze mit offiziellen Neuigkeiten rechne. „Es wird ein Gespräch mit dem Chef der Staatskanzlei, Thomas Losse-Müller, stattfinden, von dem sich der Kreis auch eine Klärung erhofft.“ In den Gemeinden wartet man seit Wochen auf konkrete Informationen aus Kiel. Wie Nübbels Bürgermeister Ehlers sagte, habe das Land ursprünglich im September über die Windkraftpläne informieren wollen, dies dann aber auf Dezember verschoben. Die Vorstellungen der Staatskanzlei werden jedoch noch nicht in Stein gemeißelt sein. Jede Gemeinde hat das Recht, sich im Rahmen der öffentlichen Beteiligung zu äußern. Etwa vier Monate wird diese Phase dauern. Die Eingaben werden vom Land bewertet und fließen in einen überarbeiteten Entwurf der Windkraftpläne ein, der erneut ausgelegt werden muss. Eingeweihte rechnen damit, dass das Werk erst im Sommer 2018 rechtskräftig wird. Wenn die Rechtskraft erlangt werden sollte, hätten die Bürger nach Auskunft von Juristen so gut wie keine Chance mehr, sich gegen Windkrafträder auf Eignungsflächen in ihrer Nähe zu wehren.

Die Landesregierung bestätigte die Pläne gestern nicht.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 11:39 Uhr

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