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Landeszeitung

27. März 2017 | 02:46 Uhr

Zurück aus Westafrika : Krankenstation wird im nächsten Jahr gebaut

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine Delegation aus Aukrug besuchte Partnerverein in Burkina Faso, traf Freunde und erlebte politische Unruhen hautnah mit.

Mit drei Tagen Verspätung sind Ex-Bürgermeister Reimer Reimers und seine Mitstreiter vom Verein „Partnerschaft Aukrug-Sien“ aus Burkina Faso zurückgekehrt. Grund für die Verzögerung war der erfolgreiche Volksaufstand gegen Präsident Blaise Compaoré, der zu einer vorübergehenden Schließung des Flughafens der Hauptstadt Ouagadogou geführt hatte. Schon der Hinflug lief nicht ganz reibungslos, denn da fand in Ouagadougou ein Treffen von afrikanischen Staats-Chefs statt, weshalb das aus Brüssel kommende Flugzeug mit der fünfköpfigen „Aukrug-Sien“-Delegation erstmal 850 Kilometer weiter zu seinem Endziel Abidjan (Elfenbeinküste) und dann zurück nach Ouagadougou fliegen müsste.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hatte die Aukruger vor der Reise durchaus beschäftigt. E-Mail-Anfragen bei der Deutschen Botschaft in Ouagadougou erbrachten ein beruhigendes Ergebnis. „Burkina Faso ist Ebola-frei“, sagt Reimers, „in Burkina Faso Ebola zu kriegen ist weniger wahrscheinlich als in Aukrug von einem Auto überfahren zu werden.“ Auf den Flughäfen in Abidjan und Ouagadougou hatten die Aukruger Temperatur-Messgeräte zu passieren, die dort zur Ebola-Prävention aufgestellt sind. „In Burkina Faso werden im Moment keine Tiere aus der freien Wildbahn verzehrt, weil man von der Gefahr weiß, dass Ebola durch Wildtiere übertragen werden kann“, berichtet Hella Kohlmeyer. „Alles, was kreucht und fleucht, ist tabu“, ergänzt Reimers.

Nach zwei Tagen in der (noch ruhigen) Hauptstadt ging es am dritten Reisetag in Mietwagen nach Sien: 300 Kilometer, von denen die letzten 60 ein „wahres Schlaglochparadies“ (Branko Irek), „wie auf hoher See“ (Reimers) bzw. „absolut chaotisch, selbst für burkinische Verhältnisse“ (Kohlmeyer) waren. In der 1000-Einwohner-Gemeinde Sein sangen die Schulkinder zur Begrüßung der Aukruger.

„Wir sind dann gleich zum Staudamm gegangen“, erzählt Reimers, „das war ein tolles Bild, denn das Reckenrückhaltebecken ist jetzt fast voll bis obenhin, so dass sich eine regelrechte Seenplatte gebildet hat, wo man Fische rumplantschen und auch Wasservögel sehen konnte: Das ist ein richtiges kleines Paradies.“ Die Errichtung des Staudamms (2003-2005) war das erste mit Aukruger Hilfe finanzierte Großprojekt in Sien. Von 2008 bis 2010 folgte die Erweiterung der Dorfschule um je drei Klassenräume und Lehrerwohnungen. Als drittes Großprojekt plant „Aukrug-Sien“ nun eine Kranken- und Entbindungsstation, die von 2015 bis 2017 gebaut werden soll.

„Anlass für unsere Reise war zwar das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft, aber das war hauptsächlich ein Arbeitsbesuch, bei dem wir die nächsten Projekte besprochen haben“, erklärt Reimers. Die Aukruger waren dabei, als die Angebote verschiedener Firmen für den Bau der Krankenstation geöffnet wurden. Bei der Finanzierung des 120 000-Euro-Projekts hofft „Aukrug-Sien“ auf einen Zuschuss vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Als Gastgeschenke hatten die Aukruger unter anderem 40 Fußball-Trikots mit den Wappen von Aukrug und Sien (für Mädchen- und Jungenmannschaften), sieben Fußbälle, Saatgut sowie 15 „Aukrug-Sien“-Kalender für 2015 im Gepäck. Auch ein Deutschland-Trikot mit den neuerdings vier Sternen zählte zu den Gastgeschenken. „Der Partnerschaftsverein von Sien hatte mir seinerzeit per E-Mail persönlich zum Gewinn der Fußball-WM gratuliert“, sagte Reimers. „Ganz Burkina Faso hat Deutschland die Daumen gedrückt“, erfuhr Irek von den Gastgebern.

Nach fünf Tagen in Sien ging es weiter nach Bobo Dioulasso. Tags darauf verkündete Staatspräsident Blaise Compaoré, der vor 28 Jahren unter dubiosen Umständen an die Macht gekommen worden war, seine Pläne für eine Verfassungsänderung, die ihm weitere 15 Jahre an der Staatsspitze ermöglichten sollte. „Da sind die Wut und der Frust des Volkes so richtig explodiert“, sagt Irek. Wovon sich die Aukruger zwei Tage später in Ouagadougou überzeugen konnten. „Wir waren in der katholischen Mission untergebracht, und die Demonstration zum Parlamentsgebäude zog so dicht an uns vorbei, dass Tränengrasschwaden in unseren Hof wehten“, berichtet Reimers. 30 Tote forderte der Volksaufstand an diesem Tag, weitere drei Tote am nächsten. Der langjährige Staats-Chef war bei seinen Untertanen so verhasst wie ein todbringender Virus. „Das waren großartige Tage, denn das Volk hat es endlich geschafft, diesen machtgierigen Menschen loszuwerden“, meint Irek, „nun hat Burkina Faso die Chance, ganz neu anzufangen.“

 

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