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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 22:23 Uhr

Aukrug : Krähen auf Golfplatz: Behörde erteilt Genehmigung zum Abschuss

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die cleveren Vögel machen den Sportlern das Leben schwer. Vieles hat der Golfclub schon versucht, jetzt macht er Ernst und will Krähen töten.

Aukrug | Der Mittelholsteinische Golf-Club Aukrug liegt inmitten von Hügeln und Tälern, Buchenwäldern und Erlenbrüchen. Nicht ohne Grund gilt der etwa 50 Hektar große Platz unter Golfern als einer der schönsten in Schleswig-Holstein. Doch die Idylle mitten in der Natur hat auch ihre Schattenseiten: Aaskrähen machen den Sportlern in diesem Jahr das Leben schwer, sie richten schwere Schäden an dem Rasen an. Um der Lage Herr zu werden, sind die Tiere nun zum Abschuss freigegeben worden.

Aaskrähen machen der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Vom Menschen werden sie deshalb verfolgt, indem sie abgeschossen, mit Ködern vergiftet oder ihre Gelege zerstört wurden. In einigen Regionen hat der Bestand deshalb stark abgenommen, vom Aussterben waren sie aber nie bedroht. Die Art gilt wegen ihres großen Verbreitungsgebiets und ihrer Population als ungefährdet.

„Krähen hatten wir hier schon immer, doch in diesem Jahr sind die Schäden so schlimm wie noch nie“, berichtet Thietmar Hambach, Präsident des Clubs, und erklärt das Problem: „Im Mai sind Milliarden Gartenlaubkäfer über den Platz geschwirrt. Sie haben Löcher in die Erde gebohrt und dort ihre Eier gelegt.“ Daraus haben sich Engerlinge entwickelt, die sich von den Wurzeln des Rasens ernähren. Und auf die wiederum haben es die Krähen abgesehen. Um an die fette Beute zu gelangen, bedienen sich die Vögel einer cleveren, für den Spielbetrieb aber besonders schädlichen Technik: Sie rollen den Rasen auf und reißen sogar ganze Grasnarben heraus.

Auf die Engerlinge des Gartenlaubkäfers haben es die Krähen abgesehen.
Auf die Engerlinge des Gartenlaubkäfers haben es die Krähen abgesehen. Foto: Schaupp

Besonders schlimm sind die Schäden auf etlichen Vorgrüns rund um die Löcher und den Spielbahnen, den sogenannten Fairways. „Wir haben unsere Regeln schon geändert: Wenn der Ball in einem Krähenloch landet, darf man ihn woanders ablegen, um ihn besser spielen zu können“, erklärt Hambach. Obwohl sich die 750 Golfer des Clubs mit der Situation so gut es geht arrangieren, zeigt sich ihr Präsident verärgert, ratlos und traurig. „Wir tun so viel für die Natur, und dann kommen solche Viecher und richten derartige Schäden an.“

Hinzu komme der wirtschaftliche Aspekt: Ein Großteil des jährlichen Gesamtetats in Höhe von 880.000 Euro fließt in die Pflege des Platzes, für die fünf Greenkeeper zuständig sind. Kleinere Stellen könnten diese reparieren, indem sie Teile aus einem akribisch gepflegten Sodengarten einsetzen. Bei größeren Flächen muss das Gras aber komplett neu gesät werden.

Zeigen, welche Schäden die Vögel auf dem Golfplatz anrichten: Thietmar Hambach und Claus Deltef Ratjen.
Zeigen, welche Schäden die Vögel auf dem Golfplatz anrichten: Thietmar Hambach (links) und Claus Deltef Ratjen. Foto: Schaupp

Schon in den vergangenen Jahren haben die Verantwortlichen verschiedene Methoden ausprobiert, um der Lage Herr zu werden. So wurden 2015 beispielsweise mikroskopisch kleine Fadenwürmer auf dem Gelände ausgebracht, um das Problem sprichwörtlich bei der Wurzel zu packen. „Diese Nematoden sollen die Engerlinge fressen. Das ist allerdings sehr teuer und hat nur bedingt geholfen“, so Hambach.

Alternativ könne man auch Gift spritzen. Das jedoch kommt für die Aukruger nicht in Frage. „Das geht uns gegen den Strich. Wir lieben die Natur und unseren Golfplatz. Lieber leiden wir unter den Krähen, als dass wir Gift ausbringen.“ Als letzten Ausweg beantragte Hambach eine Jagdgenehmigung für die Aaskrähen, die nach kurzer Zeit von der Unteren Jagdbehörde des Kreises erteilt wurde.

Künftig nimmt Claus Detlef Ratjen, Gründungsmitglied des Golf-Clubs, die Vögel ins Visier. „Unser Platz ist kein befriedeter Bezirk, deshalb darf hier gejagt werden“, erklärt der 81-Jährige, der seit knapp 65 Jahren auch Jäger ist. „Es ist nicht einfach hier zu jagen. Wegen der Golfer“, so Ratjen. Er will sich deshalb nur früh morgens auf die Lauer legen, „wenn noch kein Spielbetrieb ist“.

Der Golfplatz liegt auf seinem Grund und Boden. „Krähen hat es hier schon immer gegeben. Sie gehören eben zur Natur und wollen ja auch nur leben“, zeigt er Verständnis für die Tiere. Schlimm sei die Situation nur, weil es vergleichsweise viele Tiere seien. Mit mehr als 20 rechnet er aber nicht. „Doof sind sie nicht, vielmehr sogar sehr clever. Hat man eine Schrotflinte in der Hand, sind sie ganz schnell weg. Ist es ein Golfschläger, sind sie da“, erklärt Claus Detlef Ratjen.

Eine einzige Krähe hat er bisher erwischt. Wie erfolgreich seine künftigen Jagdausflüge sind, darüber will er lieber nicht spekulieren. Fest steht jedoch, dass Verluste in der Population oft durch nachwandernde Vögel wieder ausgeglichen werden – oder spätestens nach der Jagdsaison. Und die endet am 20. Februar. Und so bleibt es abzuwarten, wie die neue Saison auf dem Aukruger Golfplatz beginnt.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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