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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Gesperrt : Kleiner Frühjahrsputz im Kanaltunnel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die weißen Wände der Oströhre des Kanaltunnels sind fleckenlos sauber, hell reflektieren sie das Kunstlicht.

Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die weißen Wände der Oströhre des Kanaltunnels sind fleckenlos sauber, hell reflektieren sie das Kunstlicht. Die LED-beleuchteten Hinweisschilder strahlen bunt. Die Oströhre, die gerade runderneuert wird, wirkt wie ein Versprechen für Autofahrer, die sich täglich durch die marode Weströhre quälen müssen.

Geht man durch die schwergängige Verbindungstüre von der Ost- in die Weströhre, sieht man die Gegenwart. „Das ist der Dreck von vier Jahren“, sagt Frithjof Garrn (48) und reibt so lange an einer Stelle, bis auch hier die weiße Grundierung der Wand zum Vorschein kommt. „Aber das hier komplett zu reinigen, das schaffen wir nicht an einem Tag“, sagt Jörg Winkelmann (40), Bauingenieur beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA). Nur acht Stunden haben er und seine Kollegen für den kleinen Frühjahrsputz unter dem Kanal Zeit. So lange dauert die Vollsperrung, die um 21 Uhr begonnen hat. Das reicht gerade mal, um die kaputten Leuchtstoffröhren zu ersetzen, den Asphalt auszubessern und den Dreck aus den Entwässerungsrinnen zu kratzen. „Es kann sein, dass wir dafür heute zwei Kehrwagen brauchen“, befürchtet Marcus Malzahn (40). Gerade hat er sich mit der Seitenschaufel bis zur Mitte des Tunnels vorgearbeitet. Trotz der Kälte im Tunnel schwitzt er. Hinter ihm liegt eine lange Spur aus verrottenden Blättern, Abfällen, die aus fahrenden Autos geworfen wurden und dem, was zurückbleibt, wenn es im Tunnel zu Unfällen kommt. Er ist froh, dass keine toten Tiere dabei sind. „Und lebende bislang auch nicht“, witzelt Winkelmann.

Am Ende der Schicht werden mehrere Zentner Dreck im Kehrwagen gelandet sein. Auch die Linsen der Kameras, die den Verkehrsfluss im Tunnel in die Leitstelle übertragen, werden von den Ablagerungen aus Abgasen und Reifenabrieb befreit. Wenig symbolisiert den Fortschritt so eindrucksvoll wie eine nachträglich verputzte Stelle in der Betonröhre. Für den Autofahrer kaum sichtbar, entdeckt der Fußgänger an der tiefsten Stelle des Tunnels etwas, das aussieht wie ein zugemauerter Kiosk. „Hier war früher ein Glaskasten drin“, sagt Winkelmann. Und in dem Kasten saß ein Tunnelwärter, der anstelle der heutigen Kameras den Verkehrsfluss in die Leitstelle weitergegeben hat. Eine Arbeitsstelle, die heute eher wie eine Strafe anmutet. „Aber man hat schnell gemerkt, dass das von den Arbeitsbedingungen nicht so optimal war“, sagt der Ingenieur. Immer wieder zogen Abgase in den Glaskasten hinein. Der giftige Arbeitsplatz wurde erst aufgegeben , dann zugemauert.

Auch heute ist die Arbeit im Tunnel nicht einfach. Obwohl am Freitagabend nur „Fußgänger“ und ein paar Arbeitsfahrzeuge unterwegs sind, ist der Lärm in der Röhre ohrenbetäubend. Schuld daran ist der Waschgang für die Lampen. Sie werden erst mit Hochdruckreinigern abgespritzt, dann greift ein anderer Arbeiter zum Laubbläser, um das Wasser vom Bürgersteig in die Entwässerungsrinne zu drücken.

Nach dem Umbau ist vor dem Umbau. Das weiß auch Jörg Winkelmann. Wenn die Oströhre irgendwann einmal für den Verkehr freigeben wird, steht die Erneuerung der Weströhre an. Wann das sein wird, weiß er nicht. Bis dahin bleibt es bei kleineren Sanierungsarbeiten. Und natürlich, wie in jedem ordentlichen Haushalt, dem Frühjahrsputz einmal im Jahr.  

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erstellt am 01.Mai.2016 | 14:06 Uhr

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