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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 03:22 Uhr

Hohenwestedt : Kleine Bank-Filialen auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach der Fusion der Sparkasse Hohenwestedt mit großem Partner aus Kiel kommt Kritik am Vertrag auf.

Die Filialen der ehemaligen Sparkasse Hohenwestedt sind nach der Fusion mit der Förde-Sparkasse offenbar keineswegs so sicher, wie bislang von beiden Geldinstituten immer behauptet wurde. Das wird zumindest hinter vorgehaltener Hand kritisiert. Demnach könnten die drei Außenstellen die ersten sein, die geschlossen werden, sobald das möglich ist.

Noch will niemand konkret damit heraus, doch im Zentrum der Kritik aus Reihen der Kreis-Politik steht, dass sich die Förde-Sparkasse bezüglich der Filialen nur zu einer sehr schwammigen Formulierung im Fusionsvertrag bereit erklärt habe. Oder andersherum gesagt: Die Verhandlungen sind nicht hart genug verlaufen, denn sonst hätte es eine bessere Perspektive für die drei Filialen in Todenbüttel, Aukrug und Wasbek gegeben.

Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass sich das kleine Hohenwestedter Haus mit seinen 47 Mitarbeitern mit dem Riesen (1300 Beschäftigte, Hauptsitz in Kiel) zusammenschließen will (wir berichteten). Beide Institute hatten bereits vorher kooperiert. Im Mai ist der Fusionsvertrag unterzeichnet worden. Hintergrund für den Schritt war vor allem die anhaltende Niedrigzinsphase, die die kleine Sparkasse künftig in Schwierigkeiten bringen könnte. Deshalb habe man sich frühzeitig zur Fusion entschieden, hieß es Ende 2015. Der Vorstandsvorsitzende, Ralf Patock, bekräftigte damals, dass der Zusammenschluss nicht dazu genutzt werde, „Mitarbeitern betriebsbedingt zu kündigen oder eine der Filialen in Todenbüttel, Aukrug oder Wasbek zu schließen“. Im Fusionsvertrag wurde ausgehandelt, dass das Hohenwestedter Haus eine Bestandsgarantie erhalte, die Außenstellen jedoch nach zwei Jahren „nach dem Filialkonzept der Förde-Sparkasse beurteilt“ werden sollen.

Das klingt eher danach, dass die Filialen auf der Kippe stehen, als dass sie eine Zukunft hätten. Denn alle Zweigstellen sind klein – und damit geht der Riese aus Kiel nicht zimperlich um. In den vergangenen drei Jahren hat es sieben Filialen getroffen, wie Unternehmenssprecher André Santen auf Nachfrage der Landeszeitung bestätigte. Geschlossen wurde etwa die Filiale in Borgstedt. Auch in Klein Wittensee gibt es inzwischen keine Außenstelle der Förde-Sparkasse mehr. Sie wird – wie auch zwei Orte östlich von Kiel – von der mobilen Filiale bedient. Das heißt, dass der Sparkassen-Truck mit Bargeld und Beratern regelmäßig in den Ort kommt. „Das wird von den Kunden gut angenommen“, sagte Santen. Darüber hinaus sind die Zweigstellen in Dänischenhagen sowie den Altenholzer Ortsteilen Klausdorf und Stift zusammengelegt worden.

Wie das Filialkonzept aussieht, will die Förde-Sparkasse aus Wettbewerbsgründen nicht verraten. Ziel sei es laut Unternehmenssprecher Caje Petersen, trotz fortschreitender Digitalisierung „ein flächendeckendes und leistungsstarkes Filialnetz anzubieten“. Bei Standortentscheidungen habe der Kundenwunsch nach individueller Beratung einen hohen Stellenwert. Wenn es um Schließung oder Weiterbetrieb geht, fließe eine Vielzahl von Aspekten in die Entscheidung ein, etwa die Nutzungsfrequenz des Standortes und die Entfernung zur nächsten Filiale, so Petersen.

Eine der ersten Filialen, die nicht mehr ins Konzept des neuen Mutterhauses passen, könnte Todenbüttel sein. Denn laut dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Sparkasse Hohenwestedt, Stefan Landt, gibt es bereits Pläne, künftig Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker im neuen Markttreff in der Gemeinde unterzubringen. Der soll 2017 fertig sein. Die Filiale sei ohnehin nur noch mit einem Mitarbeiter besetzt. Dem Ansinnen der Gemeinde, die Selbstbedienungseinrichtungen der Bank in den Markttreff zu stellen, habe die Förde-Sparkasse bereits zugestimmt. Das zeige den guten Willen des Geldinstituts, die Strukturen zu erhalten, wo es sinnvoll sei, findet Landt. Von einem Erhalt der Filiale ist schon gar keine Rede mehr. Stattdessen heißt es, dass Bankberater die Räume im Markttreff bei Bedarf nutzen können.

Landt, der auch Amtsdirektor Mittelholsteins ist, hat Verständnis für die Zwei-Jahres-Klausel im Fusionsvertrag. Ein dauerhafter Schutz sei nicht möglich. „Die Filialen haben die Chance, sich zu bewähren und ihren Ergebnisbeitrag innerhalb der Förde-Sparkasse zu leisten“, sagte er. Selbst wenn es keine Fusion gegeben hätte, wäre die Zukunft der Außenstellen nicht absehbar gewesen. Die Kritik ist seiner Meinung nach nicht angebracht: „Im Zweckverband wurde alles einstimmig beschlossen, und dazu gehören auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden.“



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erstellt am 28.Jun.2016 | 06:00 Uhr

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