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Landeszeitung

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Büdelsdorf : Klassische Musik macht Schüler sprachlos

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Öffentliche Proben des Musikfestivals in der ACO Thormannhalle begeistern die Zuhörer, darunter auch 70 Viertklässler.

Zu den wichtigen Standbeinen des Schleswig-Holstein-Musikfestivals (SHMF) gehört die Fortbildung von Solisten in Meisterkursen an der Musikhochschule Lübeck und von Orchestermitgliedern in der Orchesterakademie. Deren Mitglieder wohnen zur Zeit im Rendsburger Nordkolleg, der Probenort ist die ACO Thormannhalle in Büdelsdorf. Zum zweiten Mal besuchten auf Anregung der Rotary-Clubs Rendsburg, Rendsburg-Mittelholstein, dem Inner Wheel Club sowie dem Musikverein Rendsburg, Schulklassen eine Probe des Schleswig-Holstein Festival Orchesters.

Etwa 70 Kinder aus den vierten Klassen der Astrid-Lindgren-Schule Büdelsdorf, der Schule Aukamp aus Osterrönfeld und der Schule Neuwerk erlebten, wie Dirigent Michael Sanderling mit dem Orchester arbeitete. Alles auf Englisch. Rätselhaft zwar für die Kinder, aber notwendig, weil die jungen Orchestermitglieder aus aller Welt kommen. Auf dem Programm standen die Variationen über ein Thema von Josef Haydn. Das war schon interessant für die Kinder. Noch mehr aber, wie der Dirigent Michael Sanderling dirigierte. Nicht nur mit den Händen oder einem Taktstock. Er benutzte seinen ganzen Körper, beugte sich tief – und das Orchester spielte leiser. Das hatte die 10-Jährige Carolin aus Büdelsdorf genau gesehen und gehört. Auch, wie er den Musikern vorsang, um zu zeigen, wie er sich eine bestimmte Stelle wünschte. Erkennendes Lächeln im Publikum, Proben können auch Freude machen. „Wie viele Noten man auf einem Bogen spielen kann und wie man übt“ war für Anne Gayed, die mit ihrer Percussion-Klasse der Schule Neuwerk dabei war, die größte Erkenntnis. Allergrößte Bewunderung gab es für Felix Klieser (Horn), der zum ersten Mal mit dem Orchester zusammen spielte. Sein sagenhaft sanft-lebendiger Ton berührte nicht nur die Schulkinder tief. Noch mehr bewegte sie, dass der Musiker, der ohne Arme geboren wurde, nur mit den Beinen spielt. Die Musik hat Rümeysa aus Büdelsdorf gut gefallen. „Die habe ich schon mal im Radio gehört!“

Lehrerin Jacqueline Pastor von der Schule Aukamp in Osterrönfeld würde den Orchesterbesuch am liebsten jedes Jahr stattfinden lassen. „Am Ende der vierten Klasse passt so ein Erlebnis bestens. Das vergessen die Kinder bestimmt nie.“ Das Eis nach der Probe hatten sie verdient, hatten sie doch über eine Stunde ruhig gesessen, mucksmäuschenstill gelauscht, beobachtet und ihre Erkenntnisse bis zur Pause für sich behalten und nicht sofort ausgeplappert.

Ebenso überwältigend die öffentliche Generalprobe am selben Abend: Volles Haus. Eine Fortsetzung des Vormittags, nun mit dem gesamten Konzertprogramm. Zuerst die Haydn-Variationen: Einmal durchgespielt, danach Detailarbeit. Ebenso bei der ersten Sinfonie: Der letzte Schliff öffnete mit Tipps zum Feinhören die Ohren. Was Sanderling noch gerne deutlicher betont hätte, machte im direkten Vergleich klar, wie Emotionen mit Musik aufgedeckt werden. Anderthalb Stunden 100 Minuten. Pause. Dann Haydn pur mit Felix Klieser. Das verkleinerte Orchester spielt im Stehen, erzeugt so zu später Stunde Leichtigkeit und Frische. Dazu dieser verzaubernde Hornklang! Felix Klieser kennt das Werk in- und auswendig, spielt alles aus dem Kopf, weiß auch ganz genau, bei welchen Übergängen die Abstimmung mit dem Orchester noch überzeugender gelingen würde. Seine natürliche Art, sein unvergleichlicher Umgang mit dem Horn: Felix Klieser stellt sich ganz in den Dienst seines Instrumentes, ist dessen und der Musik „Diener“. Das kam gut an; noch zwei kleine Übergangs-Häppchen zum Schluss. Dann kräftiger Beifall. Der Höhepunkt des Abends. Felix Klieser hatte mit Horn und Haydn die Herzen erobert. Die öffentlichen Proben waren Musik-Erlebnis-Vermittlung der besonderen Art, wie sie nicht eindrucksvoller sein könnte – mit feinen Zutaten aus der Festivalküche, die man nicht erst extra besorgen musste. Das Orchester hat beste Qualität, dazu ein Dirigent, der den Inhalt der Werke auch ohne Worte vermitteln konnte. Das junge Publikum am Vormittag wurde ebenso wie die Erwachsenen am Abend von so viel Qualität eingefangen, dass niemand merkte, wie lange man ruhig gesessen und sich konzentriert hatte.  


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