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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 18:21 Uhr

1465 Kinder und Jugendliche betroffen : Kinderarmut greift weiter um sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

2011 wollte die Stadt gegensteuern, gebracht hat es wenig: 37,1 Prozent der unter 16-Jährigen leben in Hartz-IV-Familien.

Manchmal reicht ein 50-Euro-Schein, um die größte Not zu lindern. Damit kann man Turnschuhe und einen Tuschkasten kaufen – wenn man günstige Angebote entdeckt. Die Prämisse: Top-Marken spielen keine Rolle, wichtig ist, dass das Kind am Sport- und Kunstunterricht wieder teilnehmen kann. In Familien, die von Hartz IV leben, muss jeder Cent zweimal umgedreht werden. Leidtragende sind die Kinder. Wenn das Geld der Eltern partout nicht reicht, versucht der Kinderschutzbund zu helfen, wo er helfen kann. „Ich habe den Eindruck, dass die Anrufe der Eltern bei unserem Sorgentelefon häufiger werden“, sagt Vorsitzender Horst Reibisch.

Der frühere Kinderarzt schließt nicht aus, dass die steigende Zahl der Anrufe darauf zurückzuführen ist, „dass wir immer bekannter geworden sind“. Eine mögliche andere Erklärung liefert die Armutsstatistik der Stadt Rendsburg. Demnach ist der Anteil armer Kinder in der Altersgruppe der unter 16-Jährigen in den vergangenen fünf Jahren größer geworden. 2011 lebten 35,8 Prozent der in Rendsburg gemeldeten Mädchen und Jungen in Familien, die staatliche Unterstützung erhalten. Aktuell liegt dieser Wert bei 37,1 Prozent. Das entspricht 1465 Kindern und Jugendlichen. Diese Daten zeigen aber auch: Die Armutskonferenz, die 2011 von der Stadt initiiert wurde und der Kinderarmut den Kampf ansagte, blieb im Hinblick auf die Statistik bisher nahezu folgenlos.

Allerdings wurden aus den damals gewonnenen pädagogischen Erkenntnissen der Konferenz offenkundig Schlüsse für die Stadtentwicklung gezogen. Das zeigt sich in dem Stadtteil, der am stärksten von Kinderarmut betroffen ist: Jedes zweite in Mastbrook lebende Kind (54,7 Prozent) gilt als arm. In den vergangenen Jahren hat die Stadt mit großem finanziellen Einsatz die Sozialarbeit gefördert. Sie soll Kindern Halt geben – und ihnen im Idealfall Lern- und Berufsperspektiven eröffnen. Auch die geplante Mehrzweckhalle, deren Einweihung für den Sommer 2018 vorgesehen ist, soll diesem Zweck dienen und sich als Anlaufpunkt und Veranstaltungszentrum etablieren. 6,5 Millionen Euro lassen sich Stadt und Land das Projekt kosten. Am geringsten ist die Kinderarmut übrigens im Westen der Stadt. Hier liegt ihr Anteil bei 29,2 Prozent.

4000 Euro gibt der Kinderschutzbund pro Jahr aus, um Kindern und Jugendlichen in Not zu helfen. Meistens reichen Beträge unter 100 Euro, um die Not zu lindern. In Einzelfällen werden bis zu 400 Euro bereitgestellt, wenn nach einem Umzug Spielzeug und Möbel gekauft werden müssen. Und bald steht Weihnachten vor der Tür – für arme Eltern eine bittere Zeit. Horst Reibisch: „Dann bitten Alleinerziehende um Hilfe, die kein Geld für ein Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder haben.“

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erstellt am 22.Okt.2016 | 17:00 Uhr

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