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Kinder hatten Angst vor der weißen Frau

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Hella Kohlmeyer berichtet über ihr Leben in Burkina Faso

AUKRUG | Ein halbes Jahr Burkina Faso in knapp zweieinhalb Stunden: Hella Kohlmeyer berichtete im Gästehaus der Gemeinde Aukrug von ihren Erlebnissen in Aukrugs Partnergemeinde Sien. Die ehemalige Schulleiterin von Bargstedt (1995-2012) und Langwedel (2011-12) hat ein Sabbatjahr eingelegt, um insgesamt zehn Monate in Burkina Faso zu leben und dort nebenbei für ein außergewöhnliches Schulangebot zu sorgen: Deutschunterricht für die 7. bis 11. Klassen von Sien.

"Meine Reise fing damit an, dass es erstmal nicht losging", begann Hella Kohlmeyer ihren mit eigenen Fotos illustrierten Bericht, zu dem der Verein "Partnerschaft Aukrug-Sien" in den großen Sitzungsraum des Gästehauses eingeladen hatte. Die Bargstedterin war bereits in Antwerpen, wo sie sich an Bord eines Frachtschiffes einquartieren wollte, als sie die Mitteilung bekam, dass sie für ihre Reise unbedingt ein nigerianisches Visum benötige. "Obwohl ich ja gar nicht nach oder durch Nigeria reisen wollte." Hella Kohlmeyer musste extra nach Berlin fahren, um sich im nigerianischen Konsulat ein Transitvisum (für den Fall, dass die Reiseroute geändert werden und sie doch in Nigeria Station machen müsse) abzuholen. Zurück in Antwerpen begann am 2. September 2012 eine zehntägige Reise auf einem 1500 Pkws ("alles Schrottautos") transportierenden Frachtschiff.

In Benin ging Hella Kohlmeyer an Land und gelangte per Bus nach Ouagadougou (Hauptstadt von Burkina Faso), wo sie sich ein Moped kaufte. Weiter nach Sien ging es aber wiederum mit dem Bus und jeder Menge Mitreisender: "Afrikanische Busse sind nie voll - da passen immer noch mehr Menschen rein." In Sien wurde Hella Kohlmeyer, die dem Vorstand des Aukruger Partnerschaftsvereins angehört und bereits mehrfach in Sien zu Gast war, von der Bevölkerung willkommen geheißen und vom Dorfeingang bis zu ihrer Wohnung geleitet: "Das war so eine Art Queen-Mum-Aktion."

Hella Kohlmeyer bezog Räumlichkeiten auf einem Hof, auf dem auch der Eigentümer der Privatschule von Sien und eine Großfamilie zu Hause sind: "Wie viele Menschen wirklich auf diesem Hof wohnen, habe ich noch nicht herausgefunden." Zum relativen Luxus von Hella Kohlmeyers Wohnung gehört auch ein Fernseher mit Parabolantenne: "Da hatte ich dann während des Afrika-Cups auf einmal ganz viele männliche Besucher." Das Dorfleben spiele sich "in der Regel draußen ab", erläuterte die Bargstedterin ihren über 100 Zuhörern, "und es gibt in fast allen Häusern Schlafkinder, weil die Schule von Sien so einen guten Ruf hat."

Die Dorfschule kann eine vorbildliche Ausstattung präsentieren, weil mit Unterstützung des Vereins "Partnerschaft Aukrug-Sien" neue Klassenräume und Lehrerwohnungen gebaut wurden. Bei der Schule, in der Hella Kohlmeyer seit September und noch bis Ende Mai unentgeltlich Deutsch unterrichtet, handelt es sich um eine weiterführende Schule in Privatbesitz. Hella Kohlmeyer lud ihr Publikum zu einem "Spaziergang durch Sien" ein, bei dem sie unter anderem Wissenswertes übers Duschen in Burkina Faso mitteilte ("man gießt mit einem Eimer Wasser über die Körperteile, die geduscht werden sollen"), übers Fahrradfahren ("afrikanische Räder haben in der Regel keine Bremsen"), über unfreiwillig verlängerten Schulbesuch ("wenn die Ernte nicht gut war und die Eltern das Schulgeld nicht bezahlen können, setzt man ein Jahr aus"), das örtliche Kino ("ein Fernseher mit DVD-Player, wo Fußball oder Actionfilme gezeigt werden"), das Dorfvieh ("die Kuhherde bewegt sich durch den Ort, ohne dass sich jemand dran stört"), architektonische Besonderheiten ("Treppen kennt man in Sien nicht") und die anfängliche "Angst vor der weißen Frau": "Kleine Kinder sind zunächst schreiend vor mir weggelaufen, aber inzwischen hat man sich in Sien an meinen Anblick gewöhnt."

Am Ende ihres Vortrags berichtete Hella Kohlmeyer von einem Abstecher in die fünf Kilometer entfernte Nachbargemeinde Zouma, wo sie eine Krankenstation besichtigte. "Das ist auch unser neuestes Projekt", erklärte der Partnerschaftsvereinsvorsitzende Reimer Reimers, "wir wollen in Sien eine Kranken-, Erste-Hilfe- und Entbindungsstation mit Kleinkind- und Mütterbetreuung bauen." Die Gesamtkosten werden auf 110 000 Euro geschätzt. Bei "Aukrug-Sien" hofft man, dass Eigenmittel von etwa 40 000 Euro ausreichen werden, wenn die erwarteten Zuschüsse vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit fließen. Unterstützen kann man das Projekt mit Spenden auf das "Aukrug-Sien"-Konto bei der Volksbank und Raiffeisenbank im Kreis Rendsburg (Kontonummer 2043980, BLZ 21463603, Stichwort "Krankenstation").

www.aukrug-sien.com

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erstellt am 04.Apr.2013 | 03:59 Uhr

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