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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Ärger über Verzögerungen bei Sanierung : Kanaltunnel-Desaster: Erste Firma prüft Klage

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Unternehmen erwägt wegen der Rendsburger Dauerbaustelle und dadurch verursachter Mehrkosten den Gang vors Gericht. Auch der Unternehmensverband will den Druck auf die Kanalbehörde erhöhen – mit einem Autokorso.

Rendsburg | Mit Fassungslosigkeit, Unverständnis und Kampfbereitschaft haben Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf die neuen Verzögerungen bei der Kanaltunnel-Sanierung reagiert. Nach Informationen der Landeszeitung prüft ein Unternehmen im Raum Rendsburg juristische Schritte gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau (WSA). Die Behörde ist für die Baustelle am Nord-Ostsee-Kanal verantwortlich. Die Firma lasse untersuchen, ob eine verwaltungsrechtliche Klage, auch auf Schadenersatz, gegenüber den Verantwortlichen Aussicht auf Erfolg haben könnte, heißt es aus Wirtschaftskreisen.

Vertreter der Kanalbehörde hatten am Donnerstag Pressevertretern mitgeteilt, dass man die Grunderneuerung des Kanaltunnels voraussichtlich nicht vor 2019 abschließen werde. Ursprünglich hätte das Bauwerk bereits Ende 2013 fertig sein sollen.

„Der Geduldsfaden nicht nur bei uns, sondern vor allem bei vielen unserer Mitgliedsunternehmen im Wirtschaftsraum Rendsburg ist gerissen“, sagte Michael Thomas Fröhlich, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Mittelholstein (UVM). Das Verhalten und Agieren der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sei nicht mehr nachvollziehbar. „Die Behörde bricht erneut alle verkündeten Termine und informiert uns lediglich über die Medien. Auch das spricht für sich.“

Der UVM rufe daher zu einer Protestaktion auf – erstmals in seiner 111-jährigen Geschichte. Am Freitag, 3. Juni, um 13 Uhr startet ein Autokorso am Paradeplatz. Ziel ist der Betriebshof des WSA in der Blenkinsopstraße. Dort soll eine offizielle Protestnote übergeben werden. Der Unternehmensverband hat seine Mitglieder gebeten, sich der Kolonne mit großen und kleinen Fahrzeugen anzuschließen. Eine Anmeldung gegenüber dem Kreis und der Stadt werde erfolgen, ebenso eine Abstimmung mit der Polizeibehörde. Fröhlich: „Wir sind sehr gespannt, ob uns bei der Übergabe der Protestnote Verantwortliche der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung empfangen werden.“ Zeitgleich läuft am Freitag, 3. Juni, eine weitere Protestaktion an. Mit einer etwa 1,5 Kilometer langen Menschenkette von der Hochbrücke bis zum Fußgängertunnel wollen Bürger aus der Region ein Zeichen setzen und den Druck auf die Kanalbehörde erhöhen. Die Initiatoren fordern eine funktionstüchtige Schwebefähre spätestens am Jahresende und bis dahin einen dauerhaften Ersatzverkehr auf dem Wasser.

Die vom Kreiskulturbeauftragten Reinhard Frank und den Bürgermeistern von Rendsburg und Osterrönfeld angeschobene Aktion startet ebenfalls um 13 Uhr, Treffpunkt ist auf Osterrönfelder Seite unter der Hochbrücke.

Die Forderung nach einem ständigen Ersatzverkehr mit Schiffen kam gestern auch aus dem Unternehmensverband Mittelholstein. Ein Pendeldienst nach Fahrplan entlaste nicht nur den Fußgängertunnel. Auch die Situation vor dem Straßentunnel könne sich dadurch etwas entspannen, gab Syndikus Jens-Arne Meier zu Bedenken. Viele Berufspendler seien mittlerweile auf das Fahrrad umgestiegen. Nach einer Umfrage des Unternehmensverbandes beläuft sich der wirtschaftliche Schaden, der durch die Kanaltunnel-Baustelle verursacht wird, auf 60.000 Euro täglich. In seinem Verband wachse die Sorge, so Meier, dass der Straßentunnel nicht vor dem Beginn der Bauarbeiten an der neuen Rader Hochbrücke fertig gestellt werde. „Das wäre der Super-Gau.“

In einem offenen Brief an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, reagierte der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Dolgner auf die schlechten Nachrichten. Er habe sich bei öffentlichen Diskussionsrunden schützend vor die Kanalverwaltung gestellt, wenn diese nicht selbst vertreten war, zuletzt bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsverbundes Eiderkanal. „Inzwischen fehlt aber selbst mir jegliches Verständnis für das Vorgehen und die Arbeitsweise Ihrer Behörde.“ Diese betreibe in der Wahrnehmung der Menschen eine „unerträgliche Salamitaktik“, schreibt Dolgner. „Niemand erwartet hier Wunder, aber wir erwarten, dass das Menschenmögliche getan wird, um die Arbeiten zu beschleunigen.“

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erstellt am 28.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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