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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

brandschutzübung : Kanaltunnel besteht die Feuertaufe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Rauchmelder und andere technische Notfall-Anlagen in der sanierten Oströhre funktionieren. Das ist das Ergebnis eines Brandversuchs gestern unter dem Nord-Ostsee-Kanal. Der Verkehr wurde für gut 20 Minuten gestoppt.

Vier Feuerschalen, gefüllt mit 400 Litern Wasser und 20 Litern Benzin– das war die arrangierte Unfallstelle. Was passiert, wenn ein Auto mitten im Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal in Flammen aufgeht? Schlagen die Hitzesensoren an der Decke sofort an? Reagieren die Ventilatoren? Schalten sich die Lichter entlang der Fluchtwege automatisch ein? Diese und weitere technische Abläufe ließ das Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau (WSA) gestern Mittag in der frisch sanierten Oströhre testen. Erste Bilanz: Die neuen Anlagen funktionieren problemlos.

Um kurz nach 13 Uhr stoppten Polizisten den Verkehr auf der B  77. Auch in der alten Weströhre durfte sich zum Zeitpunkt des Brandversuchs, so die offizielle Bezeichnung, keine unbefugte Person aufhalten. Nur das Team einer Fachfirma aus Leipzig, die für den Versuchsaufbau zuständig war, verblieb bei den Feuerschalen. Gegen 13.05 Uhr setzte ein Mitarbeiter den Brennstoff mit einem drei Meter langen Zündstab in Flammen. Schwarzer Rauch stieg auf.

Draußen vor dem nördlichen Tunnelausgang stand zu diesem Zeitpunkt WSA-Bauleiter Frithjof Garrn. „Jetzt ist der Unfall passiert“, sagte er um 13.07 Uhr. Es war der Moment, als die acht Ventilatoren an der Decke der Oströhre herunterfuhren. Plötzlich wurde es still in einem Bereich, an dem man sonst sein eigenes Wort kaum versteht, weil der Motorenlärm an den hohen Wänden der Zufahrten reflektiert wird. Mit dem Ausschalten der Lüfter sollte die Situation direkt nach einem Unfall simuliert werden. Geht im Tunnel ein Auto in Flammen auf, so die Annahme, kommt der Verkehr zum Erliegen – und mit ihm der Luftstrom.

Dann schlägt die Stunde der modernen Brandschutztechnik. Ein spezielles Kabel an der Decke reagiert auf Hitze. Die Anlage merkt, dass es unten brennt und löst Alarm aus. Keine zwei Minuten nach Anzünden des Feuers fuhren die Ventilatoren wieder hoch. Sie pusteten den giftigen Rauch aus dem Tunnel. Mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde näherte sich eine schwarze Wand dem nördlichen Tunnelausgang. Um 13.11 Uhr fing die Wolke an, in den Himmel über Rendsburg zu steigen. Ein Teil der Fahne schwappte in den Bereich der benachbarten Röhre. Nach Süden fahrende Fahrzeuge hätten einen Teil des Rauchs vermutlich mit in den Tunnel gezogen. „Es war genau richtig, dass wir den Tunnel komplett gesperrt haben, so ärgerlich das auch ist“, sagte Garrn.

Als die Luft in der Oströhre rein war, gab der Versuchsleiter den gesamten Tunnel wieder frei. Über Funk wurden die Polizisten an den Sperrposten informiert. Um 13.22 Uhr durften die ersten Fahrzeuge unter dem Kanal hindurch. Hunderte Autofahrer hatten bei gleißender Mittagssonne auf der Bundesstraße ausharren müssen.

Feuertaufe bestanden, doch wann genau auch die Oströhre freigegeben werden kann, steht noch nicht fest. Zwei Wochen lang wird der Brandversuch im Detail ausgewertet. Danach stehen noch andere abschließende Arbeiten und Verhandlungen mit den Baufirmen an. Immerhin: Vier Jahre nach Start der Grunderneuerung soll die Oströhre noch in diesem Sommer wieder freigegeben werden.

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erstellt am 31.Mai.2016 | 06:30 Uhr

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