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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 05:21 Uhr

Oldenbüttel : Jetzt streikt die moderne Technik

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gieselauschleuse voraussichtlich bis 17. August außer Betrieb. Steuerungselement musste neu bestellt werden. Notschleusungen per Hand.

„Hier brennt die Luft“, sagt Wolfgang Jens. Eigentlich schwer vorstellbar, denn die Gieselauschleuse ist geschlossen. Genauer gesagt: mal wieder kaputt. Doch eben das führt dazu, dass das Telefon in dem Schleusenwärterhäuschen ständig klingelt und Menschen aus dem ganzen Land bei dem Schleusenaufseher Näheres wissen wollen. Darum schaltet er oftmals den Anrufbeantworter an. „Der Verbindungsweg zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Eider kann nicht genutzt werden“, erfahren die Anrufer auf diesem Wege. Aber das bedeutet nicht, dass Jens eine ruhige Kugel schieben kann, denn jetzt muss er ein Mal am Tag mühevoll per Hand schleusen.

„Nein, es hat nichts mit der alten Technik zu tun“, erklärt Pressesprecher Thomas Fischer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Brunsbüttel. „Dieses Mal ist ein modernes Teil ausgefallen.“ Etwas Elektronisches, ein sogenannter FU-Schalter, sei kaputt, ergänzt der Schleusenaufseher. „Ohne den geht es nicht“ – genauso, wie ein Auto ohne Motor nicht fahren könne.

Am vergangenen Freitag hatte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Brunsbüttel gemeldet, dass die Schleuse bis voraussichtlich Dienstag, 9. August, geschlossen werden muss. Da lag die Vermutung nahe, dass es ein Teil der alten Technik oder Anlage ist, das Probleme bereitet. Schließlich ist bekannt, dass das Bauwerk einige Schäden aufweist. Daher soll es zur Wintersaison auch wieder für Reparaturarbeiten geschlossen werden. Nun streikt also die moderne Technik – genau jene, die das Schleusentor in Bewegung setzt. Ein neuer Schalter sei bestellt, weiß Pressesprecher Fischer, und der müsse dann noch programmiert werden. Daher kam am Montag die nächste Hiobsbotschaft für die Sportbootfahrer: Die Schleuse muss voraussichtlich bis Mittwoch, 17. August, geschlossen bleiben.

Wer also eine Eiderkreuzfahrt bei der Adler Reederei gebucht hat, muss seine Reise verschieben. Grundsätzlich würden sie die Strecke zwischen Rendsburg und Tönning nach wie vor befahren, erklärt Pressesprecherin Juliane Peter. „Die Fahrt ist sehr beliebt. Wir haben nicht vor, sie einzustellen.“ Funktioniert die Schleuse wieder, macht sich die „Adler Princess“ also auf die bei Gruppen- und Individualreisenden begehrte Tour. Und die Sportbootkapitäne? „Niemand muss seine Tage in der Eider fristen“, beruhigt Thomas Fischer vom WSA. „Wir wollen ja kundenfreundlich sein“, grinst Jens. Sogenannte Notschleusungen sorgen dafür, das jene Skipper, die vor bekannt werden der Schließung in Richtung Westen gefahren waren, auch wieder zurück können. Am Montag und auch gestern um 14.30 Uhr griff Wolfgang Jens zum Bohrer. Die Maschine wird in einem kleinen Raum auf eine Art Kurbel gesetzt, muss dann von zwei Mann gehalten werden und öffnet das tonnenschwere Tor ganz langsam Zentimeter für Zentimeter. Montag entließ er auf diese Weise acht Fahrzeuge „in die Freiheit“.

Allerdings brauchen Skipper wie Schleusenaufseher reichlich Geduld. „Die Schleusung dauert fast drei Stunden“, so Jens. Zum Vergleich: Normalerweise nimmt ein Schleusungsgang 25 Minuten in Anspruch. Aber auf diese Weise ist an der idyllischen Kanalstelle ein Mal am Tag was los: Das mühevolle Aufkurbeln des Schleusentores mit der Bohrmaschine ziehe jedes Mal auch jede Menge Schaulustige an, weiß Wolfgang Jens.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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