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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 13:13 Uhr

Keine Chance den Betrügern : „Jeder kann zum Opfer werden“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Weißer Ring, Polizei und Sparkasse Mittelholstein warnen vor den Tricks und Machenschaften skrupelloser Telefon-Trickbetrüger.

Der Betrugsversuch beginnt oftmals mit der Frage: „Rate mal, wer hier dran ist.“ Doch Vorsicht! Wenn man sich am Telefon auf dieses Spiel einlässt und dem unbekannten Anrufer wahllos die Namen von Verwandten nennt, kann die Kontrolle über das Gespräch schnell verloren gehen und am Ende ein Schaden von mehreren zehntausend Euro entstehen. Trickbetrüger beherrschen die Kunst der Manipulation, setzen ihre Opfer unter Druck, zwingen sie mit psychologischen Feingespür dazu, ihr Erspartes herauszugeben. „Jeder kann zum Opfer werden“, sagt Uwe Rath, Leiter des Weißen Ringes im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Opferschutzorganisation hat jetzt eine neue Kampagne gestartet, um den Betrügern das Leben schwerer zu machen. Gemeinsam mit der Polizei und der Sparkasse Mittelholstein will Rath die Bürger durch Aufklärung vor den Machenschaften der Verbrecher schützen.

Die bekannteste Masche der Täter ist der Enkeltrick. Der Mann am Telefon gibt vor, ein Enkel des Angerufenen zu sein und sich in einer Notsituation zu befinden. Er benötige dringend Geld – sei es, um einer Haftstrafe zu entgehen oder eine dringende medizinische Behandlung in Anspruch nehmen zu können. Damit wird eine Handlungsspirale in Gang gesetzt. Ist das Opfer erstmal mürbe geredet, schickt der Anrufer einen Mittäter vor, um die Beute abzuholen. Nach der Übergabe gibt es so gut wie keine Chance mehr, das Geld zurückzuerhalten. Der Abholer reicht es an einen Komplizen weiter, der es umgehend bei einem Geldinstitut einzahlt. Dafür erhält er einen Datencode, den er telefonisch an einen weiteren Mittelmann übermittelt. Damit hat dieser von fast jedem Ort der Welt aus Zugriff auf die eingezahlte Summe und kann sie weiterverteilen.

Kriminalbeamter Andreas Dahmer kennt die Vorgehensweise der Täter gut, fast jeden Tag hat er mit Fällen dieser Art zu tun. „Das sind international operierende Banden, die sehr arbeitsteilig vorgehen.“ Diese sind psychologisch geschult und können sich am Telefon in kürzester Zeit auf ihr Opfer einstellen. Zudem haben sie einen Informationsvorsprung. Die benötigten Daten stehlen oder kaufen sie. Die Informationen über die Anzurufenden stammen beispielsweise von den Organisatoren etwaiger Preisausschreiben: Wer gewinnen will, muss auf einem Coupon nicht nur seine Adresse, sondern oft auch das Alter angeben. Damit lässt sich die Zielgruppe schnell herausarbeiten. Vor allem ältere und vereinsamte Menschen geraten ins Visier der Banden.

Der Anruf erfolgt fast immer aus dem Ausland, wo die Zugriffsmöglichkeiten der Polizei erschwert sind. Dennoch können die Täter suggerieren, dass sie sich im Inland befinden: Auf dem Telefondisplay des Opfers wird eine deutsche Rufnummer angezeigt, selbst wenn der Anruf aus Polen oder Belgien erfolgt. Das funktioniert mit Hilfe spezialisierter Dienstleister, die gegen eine Gebühr jede gewünschte Ziffernkombination auf das Display zaubern.

Ist das Opfer dazu bereit, das Geld herauszugeben, gibt es nur noch zwei Institutionen, die die Pläne der Verbrecher durchkreuzen können: die Polizei, die eventuell von misstrauisch gewordenen Verwandten informiert wird, und die Bank selbst. Bei der Sparkasse Mittelholstein werden Kunden routinemäßig darauf angesprochen, wenn sie eine ungewöhnlich hohe Summe in bar ausgezahlt haben möchten. Denn das fällt auf. Die meisten Transaktionen geschehen auf dem Überweisungsweg. Größere Mengen Bargeld wechseln nur selten den Besitzer, allein in der Hauptfiliale in Rendsburg sind das pro Monat nur fünf bis zehn Vorgänge. Mitarbeiter Tobias Saß: „Wir erkundigen uns bei den Kunden nicht aus Neugier, sondern aus Verantwortungsgefühl.“ Doch die Frage, wofür man das Geld benötigt, kommt nicht immer gut an. Eine Mitarbeiterin wurde unlängst von einer alten Dame zurechtgewiesen. Es gehe sie nichts an, wofür sie das Bargeld benötige, fuhr sie die Bankkauffrau an. 20  000 Euro hob die Kundin ab, weitere 2000 Euro am Geldautomaten. Sie übergab das Geld einem Trickbetrüger.

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