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Landeszeitung

07. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Baubeginn verzögert sich : Innenministerium am Pranger

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schleppende Bearbeitung eines Förderantrages verzögert Bau der Mehrzweckhalle Mastbrook. Senat äußert scharfe Kritik an Kieler Behörde.

Wenn ein Sozialdemokrat die Arbeit eines Genossen öffentlich anprangert, hat das schon eine besondere Qualität. Bürgermeister Pierre Gilgenast hat genau das am Mittwoch im Senat getan. Adressat seiner scharfen Kritik war das von seinem Parteifreund Stefan Studt geführte Innenministerium. „Was wir mit diesem Ministerium erleben, ist unerträglich“, sagte Gilgenast. Anlass seiner Empörung: Seit Wochen wartet die Stadt auf einen Förderbescheid, um das Projekt Mehrzweckhalle Mastbrook verwirklichen zu können. Doch wann der Bescheid eintrifft, ist völlig offen. Wegen der schleppenden Bearbeitung des Förderantrages sieht sich die Stadt nun gezwungen, den für Oktober vorgesehenen Abriss der alten Halle auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Nach dieser Nachricht war die Stimmung im Senat auf dem Tiefpunkt. Parteiübergreifend wurde kein gutes Haar an der Arbeit des Innenministeriums gelassen, zumal die Stadt offenbar viel unternommen hatte, um den jetzt eingetretenen Stillstand zu vermeiden. Wie Gilgenast auf LZ-Anfrage sagte, habe die Stadtverwaltung im Vorfeld intensiv mit dem Ministerium diskutiert, um einen reibungslosen Ablauf der Förderantragsprüfung zu gewährleisten. „Alles ist vorgeprüft worden, damit am Ende beschleunigt gehandelt werden kann“, so Gilgenast.

Doch wie sich jetzt herausstellt, hat das nichts genützt. Der im April von der Stadt eingereichte Antrag wird noch immer geprüft. Mehr noch: In den vergangenen Wochen wollte das Ministerium Aspekte beleuchtet wissen, die im Vorprüfungsverfahren keinerlei Rolle gespielt haben. Unter anderem, so Gilgenast, gehe es bei diesen neu aufgetauchten Fragen um Aspekte wie Wirtschaftlichkeit und Eigentumsverhältnisse. Für geradezu „grotesk“ hält es der Bürgermeister, dass die Stadt auf Veranlassung der Kieler Beamten jetzt nachweisen müsse, dass sie tatsächlich Eigentümerin des zu bebauenden Grundstücks sei. Gilgenast: „Seit 66 Jahren befindet sich auf diesem städtischen Grundstück eine städtische Schule.“

Wie massiv die Verärgerung der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik über das von Studt geführte Ministerium ist, lässt sich auch daran ablesen, dass man in Rendsburg kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, obwohl man von einer wohlwollenden Entscheidung des Landes abhängig ist. Denn die auf Gesamtkosten von 6,5 Millionen Euro kalkulierte Mehrzweckhalle kann die Stadt Rendsburg nur bauen, wenn das Land 3,3 Millionen Euro dazugibt. Im Senat sagte Vorsitzender Helge Hinz (Soziales Rendsburg): „Was hier abgeht, geht auf keine Kuhhaut“. Lothar Möhding (SPD) ergänzte mit Verweis auf Kiel: „Das System versagt total.“ Dazu Gilgenast: „Wenn es ein System hätte, gäbe es wenigstens Stellschrauben, an denen man drehen könnte.“ Und Fritjof Wilken (Modernes Rendsburg) sagte zur Arbeitsweise des Ministeriums: „Die Kinder von Mastbrook sind die Opfer.“

Die Enttäuschung im Stadtteil über den vorerst nicht stattfindenden Abriss der alten Turnhalle ist groß. Detlef Vogel, Leiter der Schule Mastbrook, formulierte es diplomatisch: „Mein Kollegium ist irritiert.“ Die Schule hat vor Beginn des Schuljahres große Anstrengungen unternommen, um trotz des angekündigten Turnhallenabrisses dennoch Sportunterricht sicherstellen zu können. Mit Bussen werden die Kinder zum Sportunterricht zur Schule Rotenhof gefahren. Damit nicht zu viel Unterrichtszeit mit Busfahrten verschwendet wird, findet Sportunterricht vorerst nur in Doppelstunden statt. „Wir haben im Stundenplan alle anderen Unterrichtsfächer um den Sport herumgebaut“, sagte Vogel. Die Mühe haben sich der Rektor und seine Kollegen vorerst vergebens gemacht.

Das Ministerium reagierte auf die Kritik aus Rendsburg gestern nicht. Eine um 13.28 Uhr per E-Mail geschickte Anfrage der Landeszeitung blieb unbeantwortet. Bürgermeister Pierre Gilgenast erging es nicht besser. „Ich habe versucht, telefonisch mit dem Ministerium Kontakt aufzunehmen. Ich habe niemanden erreicht.“

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erstellt am 09.Sep.2016 | 09:50 Uhr

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