zur Navigation springen

Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 03:11 Uhr

Osterrönfeld : In dreieinhalb Minuten über den Kanal

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dauerhafte Ersatzfähre hat ihren Dienst aufgenommen. Bürgermeister Sienknecht: Fähre könnte auch näher an der alten Trasse fahren.

Um 7 Uhr gestern morgen hat die MS „Falckenstein“ ihren Dienst als dauerhafter Ersatz für die Schwebefähre aufgenommen. Nicht nach Fahrplan, sondern nach Bedarf. Was das im Einzelfall bedeuten kann, erlebt eine junge Mutter, die mit ihrem Sohn von Rendsburg nach Osterrönfeld will. Denn eigentlich ist die Fähre schon in Richtung Kanalmitte unterwegs, aber für die beiden kehrt Kapitän Andrej Rube (41) kurzerhand zurück ans Ufer. Die charmante Ausnahme ist aber auch nur möglich, weil gegen 8.15 Uhr die morgendliche Rush-Hour bereits abgeklungen ist und beiderseits des Kanals kaum jemand auf die „Falckenstein“ wartet. Kurze vorher ist der Andrang noch groß gewesen, wollten vor allem Schülern übersetzen.

So wie Noah und Alix aus Osterrönfeld, die die sechste Klasse des Helene-Lange-Gymnasiums besuchen und auf ihrem Heimweg die Fähre benutzen. Ihr Urteil fällt durchwachsen aus. „Der Tunnel ist besser, weil man da nicht erst warten muss, bevor man los kann“, sagt Noah. Auch Alix ist enttäuscht: Die Anlegestelle am Kanal-Café sei für ihn einfach ungünstig gelegen. „Das bringt mir hier nicht viel.“

„Natürlich fänden wir es besser, wenn die alte Trasse wieder bedient würde“, sagt auch Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht, der es sich nicht nehmen lässt, auf der Schiffsbrücke mitzufahren. „Aber das hier ist auch eine gute Alternative.“ Dennoch werde man alle Optimierungsmöglichkeiten weiter prüfen. Dazu gehöre auch, zu überlegen, ob der Anleger östlich des Schwerhafens für den Pendelverkehr nicht besser geeignet sei. Damit würde der Fährverkehr wieder mehr in Richtung Hochbrücke und alter Schwebefähre rücken. Dagegen spricht, dass auf Rendsburger Seite die Sicherheitszone am Kreishafen verändert werden müsste.

Kapitän Rube fährt sein Fährschiff normalerweise auf der Kieler Förde. „Das ist schon etwas anderes hier“, sagt er. „Die Förde ist offen, da haben wir mehr Platz und die Fahrten zwischen den Anlegern dauern bis zu 15 Minuten.“ An seinem neuen Arbeitsort braucht er von Ufer zu Ufer handgestoppte drei Minuten und 35 Sekunden. Ungefähr so lang, wie ein Mensch mit mittlerer Fitness braucht, um einmal zu Fuß den Tunnel zu durchqueren. Wenn man die Fähre verpasst hat und auf die nächste wartet, dauert es dagegen bis zu zehn Minuten, bis man wieder einsteigen kann. Denn die Fähre kann nicht immer ablegen. Der Kanalverkehr hat Vorrang. Als sich eine Schiffskolonne aus Richtung Kiel nähert, ist Rube gezwungen, eine Pause einzulegen. Wenn er nicht losgefahren ist, bevor sich ein Schiff auf eine halbe Meile (rund 900 Meter) genähert hat, bleibt er am Ufer. „Wenn die anderen mit Kanalgeschwindigkeit fahren (acht Knoten), warte ich lieber. Das ist mir zu viel Risiko.“ Nach Osten ist die Hochbrücke sein Entfernungsmesser, in Richtung Westen ist es der Kanaltunnel. Ob dort Schiffe angekommen sind, sieht er auf seiner elektronischen Seekarte. „Wir wollen den anderen keinen Stress machen.“ Dann peilt er das letzte Schiff der Kolonne an. Das ist zwar schon unter der Brücke, fährt aber nur 2,3 Knoten. „Das schaffen wir“, sagt Rube, „wir haben 2000 PS.“

In Rendsburg will Tanja Krause (27) aussteigen. Die Büdelsdorferin kommt mit Tochter Leniya (1) im Fahrradanhänger von der Krabbelgruppe in Osterrönfeld. „Für Kinder ist Fähre fahren doch viel toller als der Tunnel“, sagt sie. „Allerdings wusste ich nicht, dass es hier nur so eine schmale Rampe gibt.“ Für Fahrrad und Anhänger gibt es gemeinsam kein durchkommen. Sie schraubt das Gespann auseinander, zwei Mann aus der Besatzung der „Falckenstein“ helfen ihr beim Übersetzen. Dann geht es für sie weiter nach Büdelsdorf – und für die Crew der Fähre nach Osterrönfeld.  

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Jul.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen