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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 11:10 Uhr

In 660 Stunden fit für Deutschland

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Modellversuch: Neuer Intensivkurs von Volkshochschule und Nordkolleg soll hochqualifizierte Flüchtlinge schneller auf den Arbeitsmarkt bringen

Hochqualifizierte Flüchtlinge sollen schneller integriert werden. Ein Modellprojekt von Volkshochschule und Nordkolleg, bei dem 25 Akademiker innerhalb von fünf Monaten auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereitet werden, soll 185  000 Euro kosten. Stadt und Kreis beteiligen sich mit mit 120  000 Euro am Kurs, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge steuert rund 65  000 Euro dazu bei. „Gerade unter den syrischen Flüchtlingen gibt es viele Akademiker, die sich in den normalen Integrationskursen oft unterfordert fühlen“, sagt Rainer Nordmann. Statt 20 Wochenstunden sollen sie 40 Stunden Unterricht erhalten, sagt der Leiter der für die Integrationskurse zuständigen Volkshochschule. „Das strengt die Teilnehmer zwar mehr an, aber sie wollen auch dieses Futter.“

600 Stunden Deutschunterricht, dazu 60 Stunden über Kultur, Soziales und das politische System in Deutschland sollen die Menschen fit für die Abschlussprüfung mit dem Titel „Leben in Deutschland“ machen. Dazu sollen Sprachtandems mit ehrenamtlichen Helfern gebildet werden, außerdem übernehmen Mitarbeiter des Nordkollegs Patenschaften für die Flüchtlinge, die auch im Gebäude wohnen sollen. Im Haus sollen dann auch Begegnungen zwischen den Neubürgern und den Besuchern des Nordkollegs – immerhin 22  000 im Jahr – gefördert werden. „Wir wollen die Teilnehmer des Integrationskurses so weit wie möglich stören, damit sie nicht unter sich bleiben, sondern in Kontakt mit Deutschen kommen“, sagt Guido Froese. Der Geschäftsführer des Nordkollegs setzt auf einen ganzheitlichen Lernansatz. „Die Musik ist eine universelle Sprache, und auch Literatur und Film helfen uns bei der kulturellen Integration“, sagt er. Umgewöhnen müssen sich die Flüchtlinge auch bei der Vermittlung des Lernstoffes. Rainer Nordmann: „Die meisten von ihnen sind noch Frontalunterricht gewöhnt.“ Der wird in Deutschland aber seit mindestens 20 Jahren nicht mehr praktiziert. Zum Lernen erhalten die Neubürger außerdem einen Tablet-Computer, auf dem die App „Deutsch als Fremdsprache“ installiert ist. Am Ende des Kurses werden dann vor allem zwei Fragen ausgewertet: Kann man dieFlüchtlinge durch den Intensivkurs wirklich besser integrieren? Und wie groß ist ihr Bildungsvorsprung danach eigentlich? Davon hängt ab, ob der Kurs nach dem Pilotversuch in Serie geht.

Noch ist unklar, wer an dem Projekt teilnimmt. „Wir kennen die Menschen noch nicht, die zu uns kommen“, sagt Rainer Nordmann. „Wir suchen sie nämlich gerade noch.“ Beschränkt ist das Angebot allerdings auf Flüchtlinge mit sogenannter guter Bleibeperspektive, also hauptsächlich Syrer, Iraner, Iraker und Eriträer. „Dass ausgerechnet Afghanen deshalb von der Fördermaßnahme ausgeschlossen sind, halte ich für äußerst problematisch“, sagt er. Sie stellen mit 7000 bis 8000 Menschen die größte Flüchtlingsgruppe in Schleswig-Holstein, weite Teile ihrer Heimat gelten aber als sicheres Herkunftsland. Ob sie auch an dem Turbo-Integrationskurs teilnehmen können, wird wohl im Einzelfall entschieden werden. Bewerbungen von Flüchtlingen nimmt die VHS Rendsburg (04331/ 208  80) noch bis Mitte August entgegen. Der Kurs beginnt am 29. August und dauert bis Ende Januar 2017.  

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erstellt am 18.Jul.2016 | 11:12 Uhr

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