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Landeszeitung

07. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Im Stadtpark fliegen die Fäuste

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Öffentliches Training vor dem Hohen Arsenal soll neugierig auf Selbstverteidigung machen / Sporthallen sind in den Ferien geschlossen

Einige Spaziergänger im Stadtpark reiben sich am Montagabend verwundert die Augen. 20 Menschen, die im Kreis stehen und in die Luft schlagen und treten. „Rechte Faust, linke Faust, jetzt das Knie. Und nochmal  .  .  .“, ruft der Mann in der weißen Jacke, um den sie sich versammelt haben. Es ist Ju-Jitsu-Trainer Benjamin Harbs.

Mit dem öffentlichen Training des Vereins Yakushima Rendsburg verfolgt der 28-Jährige mehrere Ziele. Da gibt es zum einen den pragmatischen Grund. Während der Ferien sind die Sporthallen geschlossen. Wären sie nicht im Park aktiv, gäbe es gar kein Training. Zum anderen will Harbs seinen Sport ins rechte Licht rücken. „Kampfsport und Selbstverteidigung gelten oft als unheimlich brutal.“ Für viele Interessierte sei deshalb der erste Schritt, an der Trainingshalle anzuklopfen und zu fragen, ob man mitmachen darf, schon zu groß. Niedrigschwelliger geht es im Park zu. „Die Leute sehen, dass wir hier einfach viel Spaß haben.“ So geht es auch den drei Jugendlichen, die am Rand stehen und zugucken. Co-Trainer Heiko Wendt erkennt ihre Neugierde, lädt sie zum mitmachen ein. Sofort sind sie integriert. Die Öffentlichkeit der Veranstaltung sorgt aber auch für den Fremdschäm-Moment des Abends. Ein anderer Jugendliche sagt, er „will gegen den stärksten von euch kämpfen“. Wendt bringt ihn mit beinahe sanfter Gewalt und einem „pädagogischen“ Schulterwurf zurück auf den Boden der Realität. Der junge Mann bedankt sich und zieht mit hochrotem Kopf ab.

Viele der Teilnehmer trainieren im Park zum ersten Mal Ju-Jitsu. So wie Dirk Lablack. Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern ist ihm der Fitness- und Gesundheitsaspekt des Sports wichtiger, als Kämpfen zu lernen. „Ich habe eigentlich nie das Gefühl, mich verteidigen zu müssen“, sagt er. Ihn reizt es, etwas für seine Beweglichkeit zu tun und die komplexen Abläufe zu lernen. „Aber das wird ein jahrelanger Prozess“, schwant es ihm. Bei seinem ersten Training beschäftigen ihn ganz andere Probleme. Vor allem die Nähe macht ihm zu schaffen. „Am Anfang muss man sich überwinden, jemand Fremdes anzufassen“, sagt er. „Das geht ja bis in die Intimsphäre.“ Außerdem ist man es als friedliebender Mensch nicht gewohnt, nach anderen zu schlagen und zu treten. Oder ihnen auf andere Art, mal mehr, mal weniger, weh zu tun. Auch wenn das natürlich nie das Ziel ist – und erst recht nicht beim Training. „Es geht um Selbstverteidigung, wir machen keinen Wettkampfsport“, sagt Maik Hinrichs. Und da sei im Prinzip alles erlaubt, was sonst zu Recht verpönt ist. Schließlich ist es das Wesen jeder Selbstverteidigung, dass es einen anderen gibt, der angefangen hat. Auch wenn der vielleicht nicht immer vorher weiß, worauf er sich da eingelassen hat.  

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erstellt am 26.Jul.2016 | 11:49 Uhr

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