zur Navigation springen

Landeszeitung

23. Februar 2017 | 19:41 Uhr

"Ich gebe die Hoffnung nicht auf"

vom

Miriam Heirich sitzt im Rollstuhl - trotz guter Ausbildung ist die junge Frau arbeitslos

Friedrichsholm | Eine Herz-Schmerzgeschichte für die Zeitung solle es nicht werden, beteuert Miriam Heirich aus Friedrichsholm. Sie wird am 29. Juli 30 Jahre jung. "Ich bin vergnügt und guter Dinge, und mich schmeißt nichts um". Und dabei spricht aus diesen Worten deutlich mit, dass Miriam Heirich ein lebensbejahender Mensch ist, der es jedoch nicht gerade leicht im Leben hat.

Seit sie sich erinnern kann, sitzt Miriam Heirich, die in Duisburg geboren wurde, im Rollstuhl. Seit ihrer zeitlich zu frühen Geburt leide sie am Tetraspasmus, einer Fehlsteuerung der Streck- und Beugemuskulatur an allen vier Gliedmaßen, erklärt Miriam. Als sie zehn Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern und den drei Schwestern nach Friedrichsholm, wo die Eltern eine Heilpraktikerpraxis und eine Betreuungsstelle für geistig behinderte Jugendliche einrichteten. "Früher als Kind bin ich mit Krücken gelaufen, dann konnte ich nie so schnell mit den anderen Kindern mithalten", erinnert sie sich. Dann gab es einen bunten, kindgerechten Rollstuhl, der sie beweglicher machte. Zäh zog sie durch, was sie sich vorgenommen hatte. Ihr Berufsziel: Die Forschung über das weite Feld der Sozialpädagogik mit seinen Facetten und die praktische Arbeit mit Behinderten und deren Integration. Miriam nahm viele Hürden auf dem Weg dorthin: Vom Besuch und dem Fachabitur in der Freien Waldorfschule Rendsburg, einem praktischen Teil beim Werkstättenverband des Kreises Rendsburg-Eckernförde mit der Absicht, ein sozialpädagogisches Studium anzupacken. Ein Härtefallantrag wurde abgelehnt mit dem lapidaren Bescheid, "Nicht behindert genug". Und endlich: Die Zusage für ein Studium an der Fachhochschule Kiel mit dem Abschluss als "Staatlich anerkannte Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin" im Jahr 2009 und im nächsten Jahr die Diplomarbeit mit Auszeichnung.

"Ich war glücklich, alle Voraussetzungen für meinen Traumjob geschafft zu haben", erzählte sie. Dann ging es ans Bewerben. "Es gab Super-Bewerbungsgespräche, und lauter überschwängliche Reaktionen , aber leider keine Zusagen. Ich kann doch nicht schon mit 29 Jahren in Rente gehen", habe sie bei einer ihrer Einstellungsgespräche mit negativem Ergebnis wütend gesagt. Der Gipfel aber, was ihr geboten wurde, sei der niederträchtige Schnack, dass ihre Qualifikation zwar super wäre, aber "Wir wollen die Goldmedaille, Sie aber haben nur die Silbermedaille", gewesen. "Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich gebe die Hoffnung nicht auf. Irgendwann wird auch für mich ein Job, der zu mir passt, frei sein", betont Miriam Heirich.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Jul.2013 | 03:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen