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Landeszeitung

31. August 2016 | 23:43 Uhr

Nach Insolvenz 2012 : IBG-Massivhaus-Pleite: Mammut-Prozess startet in Kiel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Auf diesen Prozess warten hunderte Bauherren in Deutschland: Zwei Ex-Geschäftsführer des Pleite gegangenen Fertighaus-Anbieters IBG sind wegen des Verdachts auf gewerbsmäßige Untreue angeklagt.

Rendsburg | Es geht um Millionen, um Existenzen, um Arbeitsplätze und um mögliche Wirtschaftskriminalität: Die Insolvenz des Büdelsdorfer Massivhaus-Anbieters IBG vor dreieinhalb Jahren erregte in ganz Deutschland Aufsehen. Denn die geschädigten Bauherren, mehrere hundert, von denen die meisten viel Geld verloren haben, kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Ab dem kommenden Mittwoch schauen sie gebannt nach Kiel: Vor der 34. Großen Strafkammer des Landgerichts müssen sich Marc P. (39) und Wolfgang O. (57), die ehemaligen Geschäftsführer des Unternehmens, sowie ein Steuerberater (45) aus Nordrhein-Westfalen verantworten. Dem Trio wird gewerbs- und bandenmäßige Untreue vorgeworfen.

Die Pleite des Massivhaus-Anbieters IBG Haus in der Büdelsdorfer Hollerstraße hat nur Verlierer hinterlassen. Erstaunlich ist, dass es bis zur Insolvenz im Jahr 2012 so lange gedauert hat. Schon immer hatten Branchenkenner darauf hingewiesen, dass man zu den aufgerufenen Preisen nicht wirklich seriös bauen könne.

Der Verdacht gegen die drei Männer wiegt schwer. Die bei Gericht verbundenen Anklagen gehen von einem Vermögensschaden in Millionenhöhe aus. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die ehemaligen Geschäftsführer Geld mit einem Winkelzug in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Im Kern ging es dabei um die Vermittlung von Versicherungen zu stark überhöhten Preisen. Zu diesem Zweck soll eine eigene Gesellschaft außerhalb der IBG-Gruppe gegründet worden sein. Diese wurde vermutlich dazu genutzt, Summen von IBG abzuzweigen – auf die Konten der Unternehmenschefs. Der Steuerberater steht im Verdacht, den beiden Geschäftsführern dabei geholfen zu haben.

Und so funktionierte der Trick konkret: Früher soll IBG die Bauherren direkt an eine große Versicherung gemeldet haben. Diese schickte die Rechnung an das Büdelsdorfer Unternehmen. Später jedoch – und darauf baut der Untreueverdacht auf – sollen die Ex-Geschäftsführer besagte Gesellschaft zwischengeschaltet haben. Und die Vermittlungsleistung, die die Firma der IBG in Rechnung stellte, war offenbar überteuert. Nicht 300, sondern 1300 Euro wurden beispielsweise fällig. Die Differenz wurde abgezweigt. Dass die Chefs bei dieser Finte ihre Hand im Spiel haben könnten, soll zudem verschleiert worden sein.

Die 1994 gegründete Baufirma zählte zu den führenden Anbietern schlüsselfertiger Massivhäuser in Deutschland. Doch spätestens ab 2011 häuften sich die Klagen und Probleme. Im Jahr darauf führten sie in die Insolvenz. Und riefen die Ermittler auf den Plan: Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder rückten am 14. November 2012 in vier Bundesländern zu einer Razzia aus. Auslöser waren Strafanzeigen von Häuslebauern und Handwerkern, die bei der Staatsanwaltschaft Kiel eingegangen waren. Bundesweit blieben 670 Bauherren auf unfertigen IBG-Häusern sitzen. Familien, die sich ihren Traum vom preisgünstigen Eigenheim erfüllen wollten, schauten wütend und ohnmächtig nach Büdelsdorf, wo die Unternehmensführung abgetaucht war. Viele mussten sich eine andere Baufirma suchen, um ihr Eigenheim doch noch fertig zu stellen, und die Mehrkosten aus eigener Tasche zahlen. Handwerkern und Lieferanten schuldete die IBG Massivhaus GmbH zwölf Millionen Euro. Zum Zeitpunkt der Pleite beschäftigte das Unternehmen mit Stammsitz an der Hollerstraße 155 Mitarbeiter, davon 85 in Büdelsdorf. Die Verbindlichkeiten der IBG-Gruppe, die aus elf Gesellschaften bestand, wurden auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.

Vor der Kieler Wirtschaftsstrafkammer sind 18 Verhandlungstage bis Ende Juni angesetzt. Auftakt ist am Mittwoch, 9. März, um 9.30 Uhr in Saal 126.

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erstellt am 03.Mär.2016 | 06:00 Uhr

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