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Landeszeitung

07. Dezember 2016 | 19:27 Uhr

Hoffnung für Hademarscher Kirche

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gutachten bestätigt Fehler von Architekt und Bauunternehmen / Auf beide kommen jetzt möglicherweise Sanierungskosten zu

Die Kirchengemeinde Hademarschen kann in ihrem Prozess um die Übernahme der Sanierungskosten für die St.-Severin-Kirche den womöglich entscheidenden Durchbruch vermelden. In einem neuerlichen Expertengutachten wurde festgestellt, dass die Schäden im Mauerwerk des Gotteshauses „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht entstanden“ wären, wenn 2005 beim Wiederaufbau der richtige Mörtel in die bis zu 700 Jahre alten Feldsteinmauern injiziert worden wäre. Ein Urteilsspruch des Landgerichts Kiel wird Anfang 2017 erwartet.
Ein aus Sicherheitsgründen zugemauertes Kirchenportal wie in Hanerau-Hademarschen gibt es in ganz Deutschland kein zweites Mal.

Die langandauernde Leidensgeschichte für Bauwerk und Kirchgänger begann mit einer Feuersbrunst: Am 27. Dezember 2003 brannte die in ihren Ursprüngen bis ins 12. Jahrhundert zurückreichende St.-Severin-Kirche bis auf ihre Grundmauern nieder. Denkmalschutz und kirchliches Bauamt waren sich einig, dass diese Grundmauern beim Neubau unbedingt erhalten bleiben sollten. „Vor allem die 550 bis 600 Jahre alte Nordmauer ist wegen ihrer verschalten Mauerweise etwas ganz Besonderes“, erklärt Pastorin Diana Krückmann, „von solchen Kirchenmauern gibt es in ganz Norddeutschland nur drei Stück.“ Als die Geistliche im Februar 2012 ihren Dienst in Hanerau-Hademarschen antrat, war in puncto St.-Severin-Kirche schon einiges passiert. Nach einem Architektenwettbewerb war 2005 mit dem Wiederaufbau begonnen worden. Um die abgebrannten Mauern wieder tragfähig zu machen, wurde ihnen ein Spezialmörtel injiziert. Aufgrund einer vorherigen Produktbezeichnungsänderung von Seiten des Mörtel-Herstellers orderte die vom Architekten beauftragte Baufirma jedoch nicht den richtigen Verpressmörtel.

Vom 24. bis 26. August 2007 wurde die Wiedereinweihung der St.-Severin-Kirche drei Tage lang gefeiert – schon 2008 bildeten sich erste Risse im Mauerwerk. Was wiederum die Kirchengemeinde Hademarschen veranlasste, im April 2011 ein Beweissicherungsverfahren einzuleiten. Die Risse nahmen so bedenkliche Ausmaße an, dass nach Ordnungsverfügungen durch das Bauamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde am 9. September 2013 das Kirchenportal zugemauert wurde. Seitdem finden keine Gottesdienste mehr in der Kirche statt. Im September 2014 wurde das Beweissicherungsverfahren abgeschlossen. Die Kirchengemeinde war sich sicher: Der falsche Mörtel, der im Mauerwerk wie ein Hefeteig wirkt und das Mauerwerk sprengt, ist schuld an dem Desaster. Weshalb sie den Architekten und den Bauunternehmer verklagte.

Der Zivilprozess beim Landgericht Kiel begann im November 2014. Die Kirchengemeinde forderte von den Beklagten die volle Übernahme der Kosten für die nötige Sanierung des Gotteshauses. Vor einem halben Jahr war man in der Kirchengemeinde schon „frohen Mutes“ (Krückmann) hinsichtlich eines positiven Urteilsspruchs – stattdessen setzte es den nächsten Tiefschlag. Die Kirchengemeinde musste 10  000 Euro für ein neuerliches Gutachten berappen, das klären sollte, ob die gleichen Mauerwerksschäden bei der Verwendung des richtigen Mörtels auch aufgetreten wären. Wenn man alle Ausgaben für Gutachten und Bauwerkssicherung summiere, komme man mittlerweile auf rund 100  000 Euro, bilanziert Diana Krückmann.

Seit Dienstag liegt nun das Gutachten vor – und es bestätigt den Verdacht der Hademarscher. „Die Schäden in der Verfugung des Feldsteinmauerwerks der St.-Severin-Kirche in Hademarschen wären mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht entstanden, wenn der Tubag HSV-p Verpressmörtel für gipshaltiges Mauerwerk verwendet worden wäre“, steht in dem Dokument. Ein Urteilsspruch wird zu Beginn des neuen Jahres erwartet.

„Wir können nun wieder Hoffnung schöpfen, dass doch noch alles gut ausgeht“, sagt Elke Carstens vom Kirchenvorstand, „die ganze Kirchengemeinde wartet darauf, dass die Kirche in Hademarschen wieder eröffnet wird.“

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