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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 02:54 Uhr

Verein schlägt alarm : Hilferuf an die Lokalpolitik

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Personalstellen auf der Kippe, Geld für Neuausrichtung auf Eis: Der Förderverein der Museen im Kulturzentrum appelliert an die Ratsversammlung, die Sammlungen im Kulturzentrum nicht ausbluten zu lassen.

Es ist ein Hilferuf an die Lokalpolitik: Der Förderverein der Museen im Kulturzentrum sorgt sich um die Existenz der Sammlungen an der Arsenalstraße. In einem gestern verbreiteten offenen Brief an die Rendsburger Ratsversammlung warnt das Bündnis aus 119 Mitgliedern vor personellen und finanziellen Kürzungen im Bereich der Museen. Der zur Beratung vorliegende Haushaltsentwurf 2017 für die Stadt Rendsburg weise einschneidende Veränderungen auf.

„Diese kulturelle Einrichtung lebt – und sie lebt besonders durch das Engagement der dort arbeitenden Menschen“, heißt es in dem vom Vorsitzenden Burkhard Tesche unterzeichneten Appell des Vereins. Weitere personelle Einschnitte führten zu einer Gefährdung der Einrichtung und würden bei tatsächlicher Umsetzung „den Museumsbetrieb in seinen Grundfesten treffen“.

Vier von sechs Personalstellen wurden von der Verwaltung im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr mit einem „KW“-Vermerk versehen – sie „könnten wegfallen“. Nach Angaben von Dr. Martin Westphal, Leiter der Museen im Kulturzentrum, handelt es sich um drei Kassenkräfte, die im Stellenplan als Sachbearbeiterinnen verbucht sind, und um einen wissenschaftlichen Volontär. Nach Auskunft aus dem Rathaus wird geprüft, ob es baulich möglich ist, die bisher getrennten Eingänge der Museen und der Stadtbücherei zu einem Entree zusammenzufassen und dadurch Personal zu sparen.

Ein Wegfall der Stellen wäre „fatal“, so Westphal. Er verweist auf sein im Juni vorgestelltes Konzept für eine Neugestaltung der Dauerausstellung im Historischen Museum. Westphal rechnet in dem Ideenpapier mit Kosten von 345  000 Euro für Planung und Umbauten. Der Nordflügel soll sich dem Thema „Lebensader Nord-Ostsee-Kanal“ widmen, der Westflügel der „Rendsburger Garnisonsgeschichte“. Geplant ist, die Summe auf drei Jahre zu verteilen. Vor der Sommerpause hatte das Rathaus noch eine erste Rate von 54  000 Euro im kommenden Jahr für die Modernisierung vorgesehen. Im jüngsten Haushaltsentwurf kommt sie nicht vor.

Westphal hält eine Neuausrichtung für unvermeidlich. „Wir arbeiten in einer veralteten Darstellungsform“, sagt er. „Überall wird neu aufgestellt, nur wir verharren auf dem Stand von 1991.“

Der Förderverein sieht in den Museen „einen wesentlichen Beitragsspender zum kulturellen Leben unserer Stadt“. Diesen Beitrag leisteten sie durch Führungen für Flüchtlinge, museumspädagogische Angebote für Kinder, Sonderausstellungen zu stadthistorischen Themen und Schauen mit zeitgenössischer Kunst aus der Region.

Ein Zurückweisen des Antrags zur Neuausrichtung führe zur Aberkennung des befristeten Museums-Gütesiegels, zu einem weiteren Rückgang der Besucherzahlen und letztlich zum Imageschaden für Rendsburg. Die Entscheidung der Ratsversammlung habe weitreichende Folgen für die Stadt als Kulturstandort. Das Stadtparlament tagt am 20. Dezember und wird über die Modernisierung voraussichtlich das Machtwort sprechen. „Kultur ist der Gegensatz zur Wirtschaft“, mahnte der Vereinsvorsitzende Tesche im offenen Brief. „Um einer Stadt ihre Seele zu geben, wird beides gebraucht.“

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erstellt am 10.Nov.2016 | 19:12 Uhr

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