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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 05:05 Uhr

Handel perfekt : Hertie-Haus in Rendsburg verkauft: Das sind die Pläne

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Komplex soll ab Frühjahr 2017 umgebaut werden: Ins Erdgeschoss kommt ein Supermarkt, darüber eine Seniorenzentrum.

Rendsburg | Der Zeitpunkt hätte symbolischer nicht sein können. Laut Bürgermeister Pierre Gilgenast war es „kurz vor zwölf“, als am Montag in der Kanzlei eines Flensburger Notars die Rendsburger Hertie-Immobilie den Eigentümer wechselte. Drei Firmen wollen den Komplex im Herzen der Altstadt umbauen und wiederbeleben: die Flensburger Baufirma Höft, die ebenfalls in der Fördestadt beheimatete Planungs- und Beteiligungsgesellschaft Schaffer und der Diplom-Pflegewirt Matthias Martensen, der gemeinsam mit seiner Frau in Drage und St. Peter-Ording Seniorenanlagen betreibt.

Seit sechs Jahren und acht Monaten stand das Hertie-Haus leer. Der marode Kompelx machte Rendsburgs Innenstadt zu schaffen. Lust zum Bummeln kam hier nicht auf.

Das Konzept der Käufer

Bürgermeister Pierre Gilgenast mit den künftigen Hertie-Eigentümern Matthias Martensen (links), Werner Schaffer (Mitte), John Schaffer (zweiter von rechts) und Hermann Höft (rechts).
Bürgermeister Pierre Gilgenast mit den künftigen Hertie-Eigentümern Matthias Martensen (links), Werner Schaffer (Mitte), John Schaffer (zweiter von rechts) und Hermann Höft (rechts). Foto: Frank Höfer
 

Das Konzept der Hertie-Käufer setzt im Wesentlichen auf einen klassischen Supermarkt mit Lebensmittelsortiment im Erdgeschoss und einer Senioreneinrichtung mit 80 Plätzen im ersten und zweiten Obergeschoss. Kleinere Geschäfte im Erdgeschoss dürften noch dazukommen. Von den dort vorhandenen 1700 Quadratmetern könnten sich beispielsweise auch kleinere Geschäfte wie Bäcker oder Imbissbetreiber einen Teil sichern. Jeder Laden soll einen eigenen Eingang erhalten. Zur Höhe der Investition gibt es nur Schätzungen. Bauunternehmer Hermann Höft nahm vorsichtig die Zahl „zehn Millionen Euro“ in den Mund. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Käufer und Verkäufer vereinbarten Stillschweigen.

Zwischen zwei und drei Monate wird es dauern, bis das Eigentum an der seit fast sieben Jahren leerstehenden Immobilie auf die Käufer übergegangen ist. Das hängt offenbar mit der komplizierten Struktur auf Verkäuferseite zusammen. Das Hertie-Haus gehörte einer in Holland ansässigen Immobiliengesellschaft, die sich in der Insolvenz befindet. Hauptgläubiger ist die Deutsche Bank London. Verwaltet wurde das Haus bisher von der Firma CR Investment Management Berlin. Jetzt muss noch der Insolvenzverwalter dem Verkauf zustimmen. Dabei handelt es sich nach Angaben der Käufer um eine Formalie.

Eröffnung im Sommer 2018

<p>Seit 2009 steht es leer – am Montag ist das ehemalige Hertie-Kaufhaus (rot umrandet) in der Rendsburger Altstadt verkauft worden.</p>

Seit 2009 steht es leer – am Montag ist das ehemalige Hertie-Kaufhaus (rot umrandet) in der Rendsburger Altstadt verkauft worden.

Foto: Luftbildservice Bernot
 

Alles andere würde ihren ambitionierten Zeitplan gefährden. Denn Architekt Werner Schaffer will die Planungs- und Genehmigungsphase bis Ende des Jahres abschließen, damit Bauunternehmer Höft im Frühjahr 2017 seine Arbeiter anrücken lassen kann. Innerhalb von 15 Monaten soll der Hertie-Klotz in eine ansehnliche moderne Immobilie umgewandelt werden. Die Eröffnung ist für den Sommer 2018 geplant.

Dieser Bauzeitenplan lässt sich nur halten, weil die Käufer das Gebäude nicht komplett abreißen werden, sondern auf bestehenden Strukturen aufbauen wollen. Denn das Stahlbetonskelett des Hertie-Gebäudes ist laut Architekt Schaffer in einem guten Zustand. Das erspare eine teure neue Gründung, die zudem voller Gefahren gewesen wäre. Denn das Hertie-Haus hat zwei Untergeschosse. „Wenn wir die herausreißen würden, würde ein gewaltiger Krater in der Innenstadt entstehen“, so Schaffer. Die Gefahr sei groß, dass benachbarte Gebäude dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Bunkermentalität soll verschwinden

Mit Ausnahme der Rohbaustruktur wird alles andere neu gemacht: Technik, Dach und die komplette Fassade. Die Bunkermentalität des jetzigen Baus soll der Vergangenheit angehören. Die Arkaden an der zum Alten Rathaus zugewandten Seite werden abgerissen, so dass der Durchgang in Richtung Marienkirche um mehrere Meter breiter wird. Die Arkaden zum Altstädter Markt sollen erhalten bleiben, allerdings als offene Konstruktion.

Der dritte Mann im Bunde ist der Seniorenanlagen-Betreiber Matthias Martensen. Er bezeichnet den Standort am Altstädter Markt als ideal, „weil unsere Bewohner einen eingeschränkten Bewegungsradius haben.“ Mitten in der Innenstadt könne man alle Geschäfte und Ärzte erreichen. In der Senioreneinrichtung im ersten und zweiten Obergeschoss werde es ausschließlich Einzelzimmer mit Bad geben. Das Dach der Arkaden werde als Freiluftterrasse für die Senioren hergerichtet.

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erstellt am 03.Mai.2016 | 06:44 Uhr

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