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Landeszeitung

29. September 2016 | 17:17 Uhr

Alte Pläne neu aufgelegt : Hausboote tauchen aus Versenkung auf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Auftrag aus Politik: Verwaltung soll Kontakt zu ausgebooteten Investoren aufnehmen.

Hausboote sind auf dem Wasser oder in der Werft. Selten tauchen sie aus der Versenkung auf. Im Bauausschuss ist das jetzt passiert. Die 2012 vom damaligen Bürgermeister Andreas Breitner gekippten Pläne, die Obereider als Dauer-Ankerplatz für schwimmende Bauten zu nutzen, werden auf Wunsch der Politik wieder hervorgeholt. Die Rendsburger Verwaltung wurde per Beschluss gebeten zu prüfen, ob bei den damals ausgebooteten Investoren noch Interesse besteht, das Projekt weiterzuführen.

Auslöser war eine unscheinbare Grafik. Das Gremium sollte über ein Papier beschließen, in dem Rendsburg und die zwölf umliegenden Kommunen einander über den Bedarf an wohnbaulichen Flächen in den kommenden zehn Jahren unterrichten. Die Daten werden im „Flächenentwicklungsplan 2016 bis 2025“ veröffentlicht. Herausgeber ist die Entwicklungsagentur für den Lebens- und Wirtschaftsraum Rendsburg (GEP). Auf Seite 19 des Berichts wird eine Karte von Büdelsdorf gezeigt. Ganz unten befindet sich das ACO-Werk und ein längliches Areal („Spülfeld“). Diese Fläche ist für 70 mögliche Wohneinheiten vorgesehen, bis 2020 soll sie entwickelt werden. Die Mitglieder des Ausschusses ordneten das Areal ACO zu – und erinnerten sich sofort daran, dass eben jene Unternehmensgruppe aus Furcht vor Lärmschutzklagen vor vier Jahren massive Bedenken gegen Wohnungen an und auf der Obereider angemeldet hatte. Letztlich scheiterte das in Rendsburg geschmiedete Projekt „Obereider-Hausboote“ am Widerstand aus Büdelsdorf.

Und jetzt plant das andere Ufer etwa selbst Wohnungen in Wassernähe? Einige Politiker hatten Mühe zu verbergen, dass sie innerlich auf der Zinne waren. Andreas Vollstedt (SSW) plädierte dafür, die alten Pläne wieder „zu aktivieren und proaktiv zu vermarkten“. So dachte auch Olaf Paulisch (CDU). Es könne sich lohnen, „auch wenn vielleicht nur zwei Leute Hausboote haben wollen“. Ute Landt (SPD) fand die Idee ebenfalls „anregend“ und stimmte zu.

Am Tag nach der Sitzung wurden Hintergründe zur „Spülfläche“ bekannt. „Es hat sich herausgestellt, dass die im GEP-Entwicklungsplan dargestellte Fläche nicht ACO, sondern der Stadt Büdelsdorf gehört“, teilte Bauamtsleiter Frank Thomsen gestern auf Anfrage mit. „Konkrete Planungen gibt es dort noch nicht.“ Torben Sievers, sein Pendant im Büdelsdorfer Rathaus, bestätigte die Angaben. Man stelle für den gesamten Bereich rund um ACO einen B-Plan auf. „In welche Richtung das geht, wird das Verfahren zeigen“, sagte der Baufachbereichsleiter. Man stehe noch ganz am Anfang, alles sei „komplett offen“.

Die Hausboot-Idee war nicht das einzige totgeglaubte Thema am Dienstag. Beraten wurde auch über die Stadtbahn. Anlass war eine Überprüfung der stadteigenen Trasse nach Seemühlen-Nord im April durch die Eisenbahnaufsichtsbehörde, einer Art „Tüv“ auf Schienen. Ergebnis: Eine dauerhafte Sperrung des Gleises ist wegen der fehlenden Betriebssicherheit nicht zulässig. Der Stadt bleiben nun drei Möglichkeiten, die sich zwischen Abwracken und Aufrüsten bewegen. Variante 1: Rendsburg entscheidet sich für den Rückbau der 5,5-Kilometer-Strecke. 800  000 Euro würde das kosten. Knapp ein Drittel davon entfiele auf eine erst vor zwei Jahren ohne Wissen der Stadt erneuerte Weiche unweit des Gymnasiums Kronwerk. Für das Teil verlangt die DB Netz AG einen Restwert in genannter Höhe, sollte die Strecke endgültig stillgelegt und die Weiche dadurch überflüssig werden. Variante 2: Rendsburg möbelt das Gleis auf eigene Kosten auf, ohne Stadtbahn, zum Beispiel um Anreize für die Wirtschaft an der Strecke zu bieten. Kostenpunkt: eine halbe Million Euro. Dritte Spielart ist, dass die Regionalbahnlinie 75 entgegen der jüngsten Verlautbarung aus Kiel doch noch bis Seemühlen-Nord verlängert wird. Bund und Land würden dann, bis auf einen geringen Eigenanteil der Stadt, alles bezahlen. Das Gremium stimmte mehrheitlich für diesen Weg. Die Verwaltung darf dem Verkehrsminister nun offiziell das Interesse signalisieren.

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