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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 05:32 Uhr

Große Angst vor strahlendem Müll

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Pläne zur Lagerung von Bauschutt der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Schönwohlder Deponie

In Schönwohld verbreitet sich Angst vor atomarer Strahlung: Hunderte besorgte Einwohner haben sich am Donnerstagabend im Saal des Landgasthofs „Griesenbötel“ in dem Ortsteil der Gemeinde Achterwehr versammelt. Sie wollten sich während einer Veranstaltung über die bisherigen Aktivitäten der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Schönwohld“ informieren. Hintergrund sind die Pläne des Landes, in der Zukunft Abbruchmaterial aus zwei stillgelegten Kernkraftwerken auf der Schönwohlder Deponie einzulagern.

Erst seit wenigen Wochen ist der Öffentlichkeit bekannt, dass das schleswig-holsteinische Umweltministerium plant, schwach radioaktive Abfälle, die beim Rückbau der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel anfallen, auf sieben Hausmülldeponien im Land zu verteilen. Eine der infrage kommenden Deponien ist die Anlage in Schönwohld, die seit 1965 von der Stadt Kiel betrieben wird. Im Eilverfahren werden zurzeit offizielle Informationsveranstaltungen des Ministeriums in den betroffenen Gemeinden abgehalten.

Dass Umweltminister Robert Habeck die von diesem Müll ausgehende Strahlung als „zu vernachlässigend“ ansieht, stößt auf den Widerstand der Bürgerinitiative. „Jede zusätzliche Strahlung führt zu einer zusätzlichen Gefährdung. Es gibt keine ungefährliche radioaktive Strahlung“, heißt es in einem Flugblatt der Aktivisten. Diese Gefahr betreffe nicht nur die Einwohner aus Schönwohld, sondern auch aus Achterwehr sowie aus den umliegenden Orten Russee, Melsdorf, Hassee und Mettenhof, sagte Matthias Radant, neben Medi Kuhlemann Sprecher der Bürgerinitiative.

Es seien viele Fragen offen, so Radant. „Ist die Verteilung des radioaktiven Abfalls auf Hausmülldeponien überhaupt Stand der Technik? Wie passt dieses Entsorgungskonzept zum Minimierungsgebot der Strahlenschutzverordnung? Wieso gilt der Abfall mit einer Belastung von zehn Mikrosievert als unbelastet?“ Während der Versammlung erhielt die Bürgerinitiative Unterstützung durch Karsten Hinrichsen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund). Der langjährige Aktivist gegen Atomkraft aus Brokdorf forderte, dass der Kraftwerksbetreiber Vattenfall sich um geeignete Deponien kümmern müsse. End- und Zwischenlager seien dem deutschen Ableger des schwedischen Energieunternehmens aber „zu schade“ für diesen Zweck. Es sei wichtig, die Bevölkerung zu schützen, nicht darum, Vattenfall eine möglichst preisgünstige Entsorgung zu ermöglichen, kritisierte Karsten Hinrichsen die Pläne des Umweltministeriums in Kiel.

Auf der Schönwohlder Deponie lagert die Stadt Kiel nicht brennbare Abfälle auf rund 19 Hektar Fläche ein. Dazu gehören Materialien wie etwa Bauschutt, Glaswolle und Asbest. Der größte Teil der Einlagerungsfläche ist bereits seit 1996 geschlossen und inzwischen rekultiviert worden. Nur ein kleiner Teil wird noch für die Anlieferung genutzt. Die Verwaltung der Stadt Kiel spricht davon, dass auf der Erweiterungsfläche noch Platz für rund 450  000 Kubikmeter Material ist. Die Sorge, dass diese Kapazität für Bauschutt der Anlagen Krümmel und Brunsbüttel genutzt wird, könnte sich schnell als unbegründet erweisen. Denn in der Betriebsordnung der Deponie Schönwohld steht, dass Abfälle von der Annahme ausgeschlossen sind, die „radioaktiv sind“ und „aus Kernkraftwerken und ähnlichen Anlagen stammen, auch wenn eine Freimessung erfolgt ist“. Die kann nur auf Beschluss der Kieler Ratsversammlung geändert werden, und die hat sich noch nicht einmal mit dem Thema befasst. Sie hätte vermutlich auch kein Interesse daran, die Abfälle annehmen zu lassen. Denn bei dem Material aus den Kernkraftwerken soll es sich um Stoffe handeln, die sich mit einfachen Mitteln verdichten lassen. Für solche Substanzen werden nur geringe Preise verlangt, insofern wäre der wirtschaftliche Anreiz gering, heißt es aus Kreisen der Stadt.

Die Bürgerinitiative, die jetzt ein eingetragener Verein ist, will mit einer Fahrraddemo auf ihre Ziele aufmerksam machen. Am Sonntag, 17. Juli, startet um 11 Uhr die Protestaktion „Pedale gegen Atommüll“. Die Fahrt geht vom Deponieweg an der Rendsburger Landstraße in Schönwohld über Achterwehr, Flemhude, Gut Quarnbek und Melsdorf zurück nach Schönwohld. Der Verein ist im Internet unter www.bi-kamis.info zu finden.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 10:54 Uhr

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