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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 04:19 Uhr

Lohersand : Golf-Spaß auch mit Handicap

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Arbeitsgemeinschaft der Werkstätten Rendsburg/Fockbek trainiert alle zwei Wochen auf dem Platz Lohersand. Trainer lobt die Fortschritte.

„Dabei sein ist alles“, dieser olympische Gedanke wird auch auf dem Golfplatz Lohersand gelebt. Zumindest dann, wenn die Golf-Arbeitsgemeinschaft (AG) der Werkstätten Rendsburg/Fockbek ihr zweiwöchentliches Training absolviert.

Die Idee zu dem Projekt hatte Petra Bönnighausen. In den Werkstätten ist die 53-Jährige tätig als Fachkraft für Berufsförderung, im Privatleben spielt sie schon seit 20 Jahren Golf. Vor drei Jahren startete die AG, die vom Deutschen Golf-Verband finanziert wird. „Wir haben in den Gruppen herumgefragt, wer Lust hat mitzumachen, und hatten schnell zehn Teilnehmer zusammen“, so Bönnighausen. Wenn die Gruppe alle zwei Wochen immer donnerstags Richtung Lohersand aufbricht, ist sie zusammen mit einem Kollegen die Begleitung. Den Unterricht gibt es von Golfpro Marc Weiser. „Golf ist eine Sportart, in der man auch mal kleine Rückschritte wegstecken muss. Insgesamt sind bei den AG-Teilnehmern aber enorme Fortschritte zu sehen“, lobt der Lehrer. Seiner Meinung nach ist Golf die schwierigste Sportart der Welt: „Sie ist koordinativ sehr anspruchsvoll. Am schwersten ist es, die Bälle lang und kontrolliert zu schlagen und über etwa viereinhalb Stunden die Konzentration zu halten.“ So lange dauert es in etwa, wenn man alle 18 Löcher des Platzes spielen möchte. Das machen die AG-Teilnehmer, die zwischen 22 und 58 Jahre alt sind, nicht. Sie trainieren zweieinhalb Stunden und beginnen stets auf den Übungsanlagen. Auf Kurzspielanlage und Putting Green werden die kurzen Schläge geübt, auf der Driving Range die langen. „Danach gehen wir auf den Platz. Das macht nämlich am meisten Spaß. Dort gibt es Wasserhindernisse oder welche aus Sand, die sogenannten Bunker, lange und kurze Löcher“, erklärt Weiser. Ihm sei es wichtig, alle Bereiche des Golfspiels abzudecken. „Ich stelle der Gruppe verschiedene Aufgaben, versuche aber, nicht zu technisch zu werden. Die Teilnehmer sollen ja ihren Spaß haben. Würden wir stundenlang das Putten üben, wäre das sehr langweilig.“ Deshalb lässt der Pro die AG, deren Teilnehmer geistig behindert sind, hin und wieder kleine Wettkämpfe spielen oder koordinative Übungen ausprobieren, zum Beispiel einarmig schlagen.

„Es ist das erste Mal, dass ich so ein Projekt begleite. Ich bin begeistert, wie schnell viele eine gute koordinative Bewegung entwickelt haben“, sagt der Fachmann. Ihm geht es bei dem Unterricht aber nicht nur um das Spiel, sondern auch darum, Sportsgeist zu vermitteln. „Das heißt, dass man ruhig ist, wenn jemand schlägt, dass man fair ist und Rücksicht nimmt. Und wenn jemand einen guten Schlag hinlegt, dann darf man das auch gern honorieren.“

André Feilscher ist erst später der AG beigetreten. Seit etwa eineinhalb Jahren schwingt er den Schläger. „Mir macht alles Spaß daran“, sagt der 29-Jährige. „Sich immer wieder selbst herauszufordern, besser werden zu wollen, das ist toll.“ Gern hätte er schon als Kind mit dem Sport begonnen. „Ich nehme mal an, dann wäre ich noch besser als jetzt“, vermutet Feilscher, der in der Druckerei der Werkstätten arbeitet. Für ihn steht aber fest: „Ich will auf jeden Fall dabei bleiben.“ Seinem Teamkollegen Mustafa Schmidt bereitet es besonders viel Freude, wenn er einen guten Schlag geschafft hat. „Die Erfolgserlebnisse sind schön“, berichtet der 51- Jährige.

Während viele auf Golfplätzen eine strikte Kleiderordnung vermuten, sind die Hobby-Golfer und ihre Begleiter „in zivil“ unterwegs. „Einige von uns kommen auch in Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhen. So, wie wir in den Werkstätten eben arbeiten“, berichtet Petra Bönnighausen. Und Pro Marc Weiser ergänzt: „Golfen wird immer offener, lockerer und auch günstiger.“ Er schätzt an dem Sport, dass man ihn allein spielen kann, er für jede Altersgruppe geeignet ist und die Spieler auch zeitlich flexibel sind. Die Golf-AG aus den Werkstätten Rendsburg/Fockbek jedoch wird weiterhin alle zwei Wochen am Donnerstag gemeinsam auf dem Golfplatz Lohersand an der Technik feilen und Spaß am Spiel haben.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 16:55 Uhr

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