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Landeszeitung

06. Dezember 2016 | 15:14 Uhr

Glimpflicher Ausgang zerstörerischer Streifzüge

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vier Angeklagte mussten sich wegen Sachbeschädigung verantworten / Bakenfuß auf Schiff geworfen

Sachbeschädigung in 29 Fällen: So lautete gestern Vormittag zunächst der Vorwurf, dem sich vier Angeklagte vor dem Rendsburger Amtsgericht stellen mussten. Die drei Männer, heute im Alter zwischen 20 und 24 Jahren, und eine mittlerweile 37-jährige Frau hätten zwischen dem 31. Oktober und dem 8. November 2014 eine „Spur der Verwüstung“ rund um Hanerau-Hademarschen hinterlassen, stellte Staatsanwältin Katrin Stegemann-Siebert fest. Sie brauchte ebenso starke Nerven wie Richter Jörg Napirata, denn drei der vier Angeklagten nahmen das Verfahren offenkundig nicht allzu ernst.

„Wo soll ich mich hinsetzen?“, fragte beispielsweise der 24-Jährige, nachdem er in Jogginghose und Kapuzenpullover gekleidet den Gerichtssaal betrat. Napirata verwies ihn und seine 37-jährige Lebensgefährtin auf die Stühle am Zeugentisch frontal gegenüber der Richterbank. Die 20- und 22-jährigen Mittäter saßen links von ihnen am Tisch der Beklagten. Letzterer war als einziger in Begleitung eines Anwalts gekommen.

Nachdem Staatsanwältin Stegemann-Siebert die Anklage verlesen hatte, gaben alle vier mutmaßlichen Täter an, sich zu den Anschuldigungen äußern zu wollen. Besonders auskunftsfreudig zeigte sich dabei der Jüngste im Bunde. Der 20-Jährige gestand immer wieder ein, aus „Dummheit“ gehandelt zu haben. So etwa auch, als das Quartett am 1. November vor zwei Jahren einen sogenannten Bakenfuß von der Grünentaler Brücke warf. Die 25 Kilogramm schwere Kunststoffplatte, die üblicherweise auf Baustellen genutzt wird, schlug auf einem unter der Brücke durchfahrenden Containerschiff ein. Verletzt wurde dabei niemand. „Es hat keiner von uns darüber nachgedacht, dass jemand hätte sterben können, wenn er das Teil auf den Kopf bekommen hätte“, gestand der 20-Jährige. „Dann haben Sie aber fast zwei Wochen lang das Denken komplett eingestellt“, erwiderte daraufhin Stegemann-Siebert. Es sei gelegentlich auch Alkohol im Spiel gewesen, gab der Angeklagte anschließend zu. Eine halbe Flasche Korn sei für ihn aber „Kinderkram“.

Abgesehen von dem Angriff auf das Containerschiff fuhren die drei jungen Männer – gelegentlich in Begleitung der Frau – durch verschiedene Orte rund um Hanerau-Hademarschen, um dort Häuser, Autos und Traktoren mit Steinen zu bewerfen. In einigen Fällen nutzten sie auch eine Softairwaffe, um Schaden anzurichten. Unter anderem in Offenbüttel, Thaden, Bendorf, Osterrade, Gokels, Todenbüttel und Stafstedt trieben sie ihr Unwesen. Oft ging es bei den Taten um persönliche Racheaktionen aus verschiedenen Gründen. So sei es auch um ausstehende Gehaltszahlungen gegangen. „Da war ich garstig“, gestand der 20-Jährige, der mehrere Male zugab, „so manche Scheiße mitgemacht“ zu haben.

Die 37-Jährige hingegen beteuerte, im Auto geschlafen zu haben, wenn sie überhaupt auf den zerstörerischen Streifzügen dabei war. „Ich habe vier Kinder und kann nicht jeden Abend auf Achse“, gab sie zu bedenken. „Und wenn sie mit war, hat sie meistens eh nur nach McDonalds gegeiert“, ergänzte ihr Freund, was die Frau bestätigte.

Letztendlich wird es für den 22-Jährigen eine gesonderte Verhandlung geben, um seine Mutter als entlastende Zeugin hören zu können. Die Angeklagte und ihr Lebensgefährte erhielten Bewährungsstrafen von sechs Monaten beziehungsweise einem Jahr, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit und 500 Euro Geldstrafe. Der 20-Jährige wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt (ein Jahr Bewährung) und muss 100 Sozialstunden ableisten. Dies sei eine glimpfliche Strafe, so Napirata, der hoffte, dass alle es nun „gecheckt“ haben.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 13:58 Uhr

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