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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 01:01 Uhr

Vorwurf der Manipulation : Gilgenast gerät unter Druck

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein ausgeschiedener Bewerber um ein Spitzenamt im Rendsburger Rathaus spricht von „Vetternwirtschaft“. Der Polizist wirft dem Bürgermeister versuchte Manipulation im Einstellungsverfahren vor.

Pierre Gilgenast gerät in einer hausinternen Personalsache immer stärker unter Druck. Ein ausgeschiedener Bewerber um einen Spitzenposten im Rendsburger Rathaus wirft dem Bürgermeister versuchte Manipulation von Prüfungsergebnissen und „Vetternwirtschaft“ vor. Der Verwaltungschef habe einen ihm wohlgelittenen Kandidaten in das Amt heben wollen, obwohl dieser fachlich schlechter als er selbst für den Posten geeignet sei, behauptet Markus Knapp (48), ein Polizeioberrat aus Oranienburg bei Berlin. Gilgenast wehrt sich gegen die aus seiner Sicht „abwegigen“ Beschuldigungen und versichert, das Bewerbungsverfahren sei rechtlich einwandfrei verlaufen.

Gerungen wird um die Leitung des Ressorts Bürgerdienste. Die Stelle muss neu besetzt werden, da Fachbereichsleiter Herbert Schauer Ende Februar in Pension geht. Das laufende Auswahlverfahren hatte die Stadt nach rechtlicher Prüfung kürzlich gestoppt. Als Grund gab die Verwaltung formelle Mängel an. Offenbar hatten einige Bewerber veraltete Arbeitszeugnisse eingereicht. Dieser Fehler wurde im Rathaus erst spät bemerkt. Ein neues Bewerbungsverfahren soll demnächst gestartet werden.

Die Stadt hatte die Kandidaten am 5. Oktober durch externe Personalspezialisten prüfen lassen (Assessment-Center, kurz: AC). Kriterien waren unter anderem Belastbarkeit, Auftreten, Gesprächsführung, Mitarbeiterführung sowie wirtschaftliches Denken und Handeln. Knapp schnitt in sieben von acht Eigenschaften besser ab als Bernd Brommann, Büroleitender Beamter im Fockbeker Rathaus. Der 52-Jährige hat sich ebenfalls auf die frei werdende Stelle beworben. Brommann war auch gestern im Dienst nicht zu erreichen.

Knapp wirft Gilgenast außerdem vor, er habe versucht, seine Testergebnisse vom 5. Oktober nachträglich verschlechtern zu lassen. Auch dies bestreitet Gilgenast. „Ich habe nie gesagt, da muss irgendwas korrigiert werden.“

Widerstand spürt der Verwaltungschef auch aus dem eigenen Haus. Die Beauftragte für Schwerbehindertenangelegenheiten der Stadt favorisiert den Bewerber aus Brandenburg. Knapp ist seit einem Unfall schwerbehindert. Die Beauftragte Veronika Cornils legte Einspruch gegen die geplante Stellenbesetzung mit Brommann ein. Sie verstoße gegen das Prinzip der Bestenauslese. In seiner Bewerbung habe Knapp deutlich gemacht, dass er als Leiter des größten Berliner Polizeiabschnitts erhebliche Personalverantwortung getragen habe. Mitunter sei er für bis zu 600 Mitarbeiter zuständig gewesen, etwa bei Einsätzen gegen die Rockerkriminalität. Wer Krisenerfahrungen von solcher Brisanz jahrelang ausgesetzt gewesen sei, „muss höchsten Führungsansprüchen genügen. Herr Brommann kann derartige hohe Qualifikationen nicht nachweisen“, heißt es in dem Schreiben der Beauftragten an Gilgenast, das der Landeszeitung vorliegt. „Aufgrund des eindeutigen Sachverhalts bitte ich Sie eindringlich, Ihre Entscheidung nochmals zu überdenken und Markus Knapp als den besten Bewerber anzuerkennen.“

Gilgenast beteuerte, man habe ein sauberes Verfahren durchgeführt, „in dem alle Kandidaten sich vorgestellt haben“. Dass ein unterlegener Bewerber „eine eigene Wahrnehmung von den Vorgängen hat“, sei nicht untypisch. Das AC-Verfahren sei lediglich ein Hilfskriterium, um einen Eindruck von einer Person zu bekommen, jedoch nicht „das Maß der Entscheidung“. Ein Vorwurf sei ihm nur zu machen, wenn er das laufende Verfahren nicht gestoppt hätte. Das habe er jetzt getan. „Ich sehe der neuen Ausschreibung mit Freude entgegen.“ Markus Knapp weniger, er wird daran nicht teilnehmen. „Nach dem, was jetzt passiert ist, hätte ich in einem zweiten Verfahren keine Chance. Ich bin verbrannt.“ Rechtliche Schritte gegen Gilgenast behält er sich vor.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 18:55 Uhr

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