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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 06:46 Uhr

Giganten und Zwerge „unter Dampf“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Technikfreunde Haßmoor zeigten beim zweiten Festival 25 Maschinen und Fahrzeuge aus zwei Jahrhunderten / Miniatur-Exponate kamen gut an

Kleine Gemeinde „unter Dampf“: Historische Arbeitsmaschinen und Fahrzeuge haben den Hof Scheede in Haßmoor am Wochenende um mehr als 100 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Die „Technikfreunde Haßmoor“ veranstalteten dort ihr zweites Dampf-Festival. Zahlreiche Besucher bestaunten die Exponate – von 300 PS starken Giganten bis hin zu kleinen Modell-Dampfmaschinen.

Hans-Jürgen Ehlers, der auch das jährliche Tractorpulling in Haßmoor veranstaltet, hatte 25 dampfgetriebene Fahrzeuge und Arbeitsgeräte wie Blocksägen und Dreschmaschinen nach Haßmoor geholt. Aus dem bayerischen Landshut war ein Dampfpfluggespann angereist, mit dem gezeigt wurde, wie vor 100 Jahren große landwirtschaftliche Flächen bearbeitet wurden. Sieben Meter lang, 30 Tonnen schwer, 300 PS stark war jede der beiden Zugmaschinen, die mit Stahlseilen einen Pflug über den Acker zogen. Das Dampfpfluggespann wurde 1928 bei der Firma Heuke in Gatersleben bei Magdeburg hergestellt und kostete damals 115  000 Reichsmark. Landwirte mussten damals 9200 Zentner Weizen verkaufen, um sich das damalige Wunder der Technik leisten zu können. Bedeutend kleiner als der Pflug-Gigant war der Modelldampftraktor von Dietmar Berndt aus Kaarst bei Düsseldorf. Mit seinem 14 Jahre alten Nachbau im Maßstab 1:3 dampfte er mit zwei Pferdestärken über das Veranstaltungsgelände und nahm Kinder auf dem Anhänger zu kleinen Spazierfahrten mit.

Heinrich Clausen vom „Dampfclub Schleswig-Flensburg“ beantworte unterdessen die Fragen des Besuchers Kai Rautenberg aus Krempe zu der Zettelmeyer-Dampfwalze aus dem Baujahr 1942. „Die hat eine Zwei-Zylinder-Verbundmaschine auf einer Kurbel“, machte Clausen die Besonderheit deutlich. 25 Kilogramm Kohle verbraucht die Walze in der Stunde, 400 Liter Wasser an einem Acht-Stunden-Tag. 1988 haben die Technikfreunde die Dampfwalze wieder zum Leben erweckt. „Ich bin grundsätzlich an alter Technik interessiert“, erklärte Rautenberg. Deshalb sei er auch schon im Freilichtmuseum in Molfsee gewesen, aber dort werde die alte Technik nur ausgestellt. „Es ist viel schöner, wenn sich wie hier in Haßmoor die Maschinen auch bewegen und in Aktion sind.“ In Sichtweite des Dampfpfluggespanns zog Werner Unruh möglichst gerade Furchen in den Acker. Sein Pflug wurde allerdings nicht durch Dampfkraft angetrieben, sondern von den beiden Haflingern „Rayce“ und „Little Boy“ gezogen. Der Zimmerermeister aus Börm nahm an einer Vorführung im Pferdegespannpflügen teil, die im Rahmen des Dampffestivals ausgetragen wurde.

Der Kraftfahrzeugmechaniker Bernd Pausmer von den „Technikfreunden Haßmoor“ zeigte seine historische Dreschmaschine im Einsatz. Henning Czacatte aus Hamburg „fütterte“ die fast 70 Jahre alte Maschine, die von einem Traktor angetrieben wurde, mit Roggengarben. „Wir wollen alte Landmaschinen erhalten und vorführen“, nannte Pausmer als Ziel der Technikfreunde. Bei Oldtimertreffen in Westensee und Bokel hat er das Dreschen schon vorgeführt. „Die Besucher bekommen etwas zu sehen und die Veranstalter freuen sich“, stellte Pausmer fest.

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