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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 09:59 Uhr

Süderstapel : Gesperrte Eider-Schleuse verhagelt Seglern die Saison

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wegen des maroden Gieselau-Bauwerks bleibt Wassersportlern der direkte Weg zur Ostsee verwehrt.

Süderstapel | Die kaputte Gieselau-Schleuse Oldenbüttel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal erhitzt die Gemüter: Gert Reich aus Süderstapel ist sauer. Nicht nur ein wenig, er ist stinksauer. Und wer den emeritierten Professor der Universität Oldenburg kennt, weiß auch warum. Noch hat er niemanden getroffen, der seinen Ärger nicht versteht. Dabei liegt der Grund für seinen Zorn etwa 50 Kilometer entfernt am Nord-Ostsee-Kanal. Es handelt sich um die in den Jahren 1936 bis 1937 gebaute Gieselau-Schleuse. Die Sperrung dieses Bauwerks verdirbt Reich die ganze Saison. Er ist nämlich leidenschaftlicher Segler und kann nun nicht wie geplant eine längere Sommertour unternehmen.

Die Gieselau-Schleuse Oldenbüttel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal ist ein wichtiges Durchfahrtstor für Segler. Sie ist seit Monaten wegen baulicher Mängel gesperrt. 

Mit seiner elf Meter langen Ketsch „Amalthea“ wollte Reich eigentlich von Süderstapel aus auf Ostsee-Törn gehen, doch das geht wegen der Schleusensperrung nicht. Den alternativen Weg über die Eidermündung und die Nordsee in den Nord-Ostsee-Kanal scheut er, denn erstens kostet es zwei Tage extra Zeit – und bei starken westlichen Winden im Verkehrstrennungsgebiet Elbmündung segeln zu müssen, reizt den ehemaligen Hochschullehrer auch nicht.

Dabei hat er Nordsee-Erfahrung, denn lange hat er in Elsfleth in Niedersachsen gewohnt. Dort ärgerte er sich immer über den langen Weg über Bremerhaven bis Cuxhaven. Das war auch ein Grund für den Umzug nach Süderstapel, den er gemeinsam mit seiner Frau vor drei Jahren vollzog. „Hier liegt der Yachthafen quasi vor der Tür. An nur einem Tag bin ich in meinem Lieblingsrevier, der Ostsee, das ist ja nun leider vorbei“, sagt Reich.

Seit Anfang November vergangenen Jahres ist die Gieselau-Schleuse gesperrt. Unter anderem sind Schäden an den Schleusentoren, am Beton und an den Spundwänden festgestellt worden. Im November sollte eine Fachfirma die Schäden untersuchen und das Ergebnis im Februar/März dieses Jahres vorlegen. Seinerzeit sagte Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel: „Ich habe großes Verständnis für die Sorgen der Wassersportler, der Tourismusverbände und vor allem für die Liegeplatzvermieter, aber für die Untersuchungen fehlen die Fachingenieure, die nahezu alle für die Brunsbütteler Schleuse abgezogen worden sind.“

Der Amtssprecher stellte außerdem fest, dass die Priorität der Gieselau-Schleuse nicht ganz oben liege. Die durchschnittlichen Einnahmen liegen im Jahr bei rund 11.000 Euro, die Ausgaben im vergangenen Jahr bei rund 500.000 Euro. Jährlich wird die Schleuse von etwa 1600 Sportbooten und 40 Ausflugsschiffen genutzt. Zur aktuellen Sperrung sagte Fischer gestern auf Anfrage: „Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden, vielleicht in Form von Sonderschleusungen.“ Denn schließlich falle das Bauwerk nicht zusammen. Fischer unterstreicht, dass allen Beteiligten die Problematik bekannt sei. Man suche intensiv nach Lösungen.

Die erhofft sich auch Dieter Blohm aus Norderstapel, der dort zwei große Hallen als Winterlager für Sportboote betreibt. Etwa 80 Prozent seiner Kunden lassen ihre Segelboote in Süderstapel zu Wasser, um dann an die Ostsee zu verholen. „Einige lassen ihre Schiffe bereits mit Tiefladern über Land an die Ostsee transportieren. Diese Kunden werden mit Sicherheit nicht wiederkommen, auch wenn sie unseren Service schätzen. Ich befürchte, dass im nächsten Winter eine Halle komplett leer stehen wird“, sagt Blohm. Das dürfte, so betont er, möglicherweise auch Arbeitsplätze kosten, denn neben der Einlagerung betreibt er auch einen Bootsservice.

Sollte noch eine Lösung gefunden werden, dann wird es für die Segler aus dem Eiderbereich – Pahlen, Süderstapel, Friedrichstadt und Lexfähre – eine sehr teure Saison. Denn neben den Liegegebühren in ihren Heimathäfen am Fluss müssten dann auch die Kosten für den Liegeplatz an der Ostsee zusätzlich gezahlt werden. „Und Segler sind nicht alles Millionäre“, meint Gert Reich.

Auch die Tourismusorganisationen der Region, die Ämter und viele Kommunen haben bereits gegen die Schließung der Gieselau-Schleuse protestiert. „Und wenn wir Wassersportler wirklich ausgesperrt bleiben, dann wird es wohl eine große Demonstration geben“, sagen Blohm und Reich übereinstimmend. Übrigens, das für Ende März angekündigte Gutachten liegt noch nicht vor, Fischer kann aber auch keinen Termin nennen.

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erstellt am 20.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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