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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Geld gespart – aber das Rathaus weiß nicht, wie viel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Umstellung auf kaufmännische Buchführung treibt seltsame Blüten

Die gute Nachricht verknüpfte Kämmerer Herwig Schröder im Finanzausschuss mit einer schlechten – zunächst die gute: Das Haushaltsjahr 2015 ist für die Stadt Rendsburg besser gelaufen als erwartet. Die schlechte Nachricht: Wie sich das in barer Münze auszahlt, lässt sich derzeit nicht sagen. Ursache für diese Datenpanne sind die im vergangenen Jahr begonnenen Vorarbeiten für die Umstellung von der kameralistischen auf die kaufmännische Buchführung. Das bisher von der Kämmerei genutzte Programm OK.FIS sollte durch eine Doppik-fähige Software ersetzt werden. Doch das Anfang 2015 beschaffte neue Programm (110  000 Euro für Kauf und Wartung) hat sich aus Rathaus-Sicht als untauglich erwiesen. Alle damit erfassten Daten müssen jetzt ein zweites Mal eingegeben werden – und zwar wieder mit dem alten OK.FIS.

Dieses Durcheinander hat dazu geführt, dass die Verwaltung die Jahresabschlussrechnung erstmalig nicht fristgerecht bis zum 31. März fertig stellen konnte. Dies soll jedoch in diesen Tagen nachgeholt werden. Für die Verwaltung bedeutet das einen Kraftakt. Denn die Dateneingabe geschieht überwiegend mit eigenen Mitarbeitern. Im Gegenzug muss die Hilfe einer Fremdfirma in geringerem Maße in Anspruch genommen werden als kalkuliert. Ursprünglich war von Extrakosten in Höhe von bis zu 100  000 Euro ausgegangen worden. Man werde diese Summe nicht ausschöpfen, so Schröder.

Dafür fallen Mehrkosten an anderer Stelle an. Da das alte Programm OK.FIS nur die kameralistische Haushaltsführung beherrscht, ist es für die Doppik nicht geeignet. Erst ein Software-Zusatzmodul macht daraus OK-FIS Doppik. Die Verwaltung möchte dieses Modul anschaffen, hat sich aber offiziell noch nicht festgelegt. Die Kosten lägen bei 50  000 Euro. Es würde sich um ein sogenanntes „Inhouse-Geschäft“ handeln, bei dem ein zeitaufwändiges Vergabeverfahren nicht nötig wäre. Denn OK.FIS wird von der Firma Dataport vertrieben. Träger ist der IT-Verbund Schleswig-Holstein, dem die Stadt Rendsburg als Mitglied angehört.

Die Software-Probleme und der damit verbundene Zeitverlust bringen das Rathaus in einen Konflikt mit einer Rats-Entscheidung. Denn das höchste Gremium der Stadt beschloss am 12. Dezember 2013, die Doppik zum 1. Januar 2017 einzuführen. Dieser Termin lässt sich laut Kämmerer Schröder nicht halten. Er schlägt als neuen Einführungstermin den 1. Januar 2018 vor. Eine entsprechende Beschlussvorlage soll für die nächsten Sitzungen des Finanzausschusses, des Senats und der Ratsversammlung „zeitnah vorbereitet werden“. Das Rathaus will sich bei dem neuen Termin offenbar ein Hintertürchen offenhalten. Im Sachstandsbericht zur Doppik heißt es wörtlich: „Die Verschiebung um ein Jahr stellt ein ambitioniertes Vorhaben dar.“

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