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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Kein Geld für Stadtbahn : Für Rendsburg ist der Zug abgefahren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Reaktivierung der Trasse nach Seemühlen-Nord ist vom Tisch. Der Bund steckt landesweit 500 Millionen in besseren Schienenverkehr, lässt das Gleis in den Rendsburger Westen aber aus.

Seit 2010 wurde über eine Stadtbahn zwischen dem Bahnhof und Seemühlen-Nord diskutiert – jetzt sind die Würfel gefallen: 500 Millionen Euro zusätzlich stellt der Bund bis 2031 an sogenannten Regionalisierungsmitteln bereit. Mit dem Geld sollen landesweit Gleiswege wiederbelebt bzw. verstärkt und der ÖPNV insgesamt vorangebracht werden (wir berichteten). Auf einer von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) am Freitag präsentierten Prioritätenliste kommt Rendsburg jedoch nicht vor. Die Stadt sei „nicht enthalten, weil frühzeitig zu erkennen war, dass über die Bahn in der Region keine Einigkeit bestand“, sagte Ministeriumssprecher Harald Haase. Mit anderen Worten: In Sachen Stadtbahn ist für Rendsburg der Zug abgefahren.

Die halbe Milliarde Euro wird an verschiedene Vorhaben im Norden verteilt. Eine Restchance bleibt, dass am Ende des 15-Jahre-Zeitraums Geld übrig bleibt, um das Gleis nach Seemühlen-Nord wieder ins Streckennetz einzubinden. Doch die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null, heißt es hinter vorgehaltener Hand in Kiel. Zu groß sind die Begehrlichkeiten andernorts, wo sich, anders als in Rendsburg, sogar Pendler-Initiativen gebildet haben, um die Investitionen vehement herbeizuführen.

Zu denen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, gehört Ratsherr Klaus Schaffner. Er sei nach anfänglicher Enttäuschung wieder guter Dinge, „weil so viel Geld da ist“, sagte der Grünen-Fraktionschef. „Die Rendsburger Politik muss sich endlich positionieren.“ Außerdem müsse sie ausreichend informiert werden – eine Kritik an die Verwaltung, von der Schaffner bereits im jüngsten Senat Auskunft verlangte. Er habe gehört, so der Grüne, dass das Gleis nach Seemühlen-Nord gar nicht mehr in der Lage sei, Güterzüge zu tragen und gesperrt werden musste.

Bauamtsleiter Frank Thomsen teilte dazu mit, dass ein regelmäßiger Güterzugbetrieb aufgrund der grundsätzlich sehr hohen Achslasten nur durch umfangreiche Erneuerungsarbeiten am Gleis ermöglicht werden könnte. „Für dieses Jahr sind nach aktueller Sachlage keine Sonderfahrten zum Rendsburger Herbst möglich, da dafür bis zum Endpunkt vor der Büsumer Straße aufwändige Unterhaltungsarbeiten notwendig gewesen wären.“ Bei Güterzügen müsse man im Einzelfall entscheiden, ob das Gleis geöffnet werden könne. Zu der neuen Prioritätenliste des Landes meinte Thomsen, dass die Verlängerung der Regionalbahn bis Seemühlen für die Stadt noch nicht vom Tisch sei. „Die Entscheidung muss vom Land erst noch abschließend getroffen werden. Hierzu liegt noch nichts Definitives vor.“

Anders die SPD: Für seine Fraktion sei die Stadtbahn angesichts der ausbleibenden Förderung „vom Tisch“, so Vorsitzender René Sartorius. „Wir haben viele Dinge in Rendsburg, die wichtiger sind, zum Beispiel die Feuerwache oder den Obereiderhafen.“ Thomas Krabbes, Chef des CDU-Lagers, verlangte eine Grundsatzentscheidung, „ob wir das Gleis überhaupt noch wollen“. Schließlich habe man bereits Geld in die Trasse gesteckt. CDU, SPD und Modernes Rendsburg hatten sich 2014 mehrheitlich gegen einen Bürgerentscheid ausgesprochen. Einen Beschluss könne man selbst treffen, hieß es. Zu einer Abstimmung kam es trotzdem nicht. Stets wurde auf die noch nicht feststehende Förderung durch den Bund verwiesen.

Die Gesamtkosten für das Wiederbeleben der Verbindung nach Seemühlen werden auf vier bis fünf Millionen Euro geschätzt. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 185  000 Euro für den Bau der Haltestationen. Um sie planen zu können, wird eine vierstellige Summe im laufenden Haushalt vorgehalten.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 07:15 Uhr

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