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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 08:49 Uhr

Friedhof Klint bietet auch letzte Ruhe für Muslime

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bislang gibt es nur wenige Beerdigungen auf dem einzigen islamischen Gräberfeld im Kreisgebiet

Der Friedhof Klint ist der größte und bekannteste der Stadt. Der vermutlich kleinste, auf jeden Fall aber am wenigsten bekannte, liegt direkt daneben. Es ist der muslimische Friedhof, vom Hauptfriedhof Klint nur durch eine Straße und einen Zaun getrennt. „Seit 1999 gibt es ihn“, sagt Thomas Schlott (57), der als Verwalter des städtischen Friedhofes auch für die muslimische Parzelle verantwortlich ist. 29 Menschen wurden seitdem hier beerdigt. Menschen aus der Türkei, aus Pakistan, Tunesien, Aserbaidschan und Marokko. 29 Beerdigungen, das ist nicht viel, gemessen an der Zahl der Menschen mit muslimischen Glauben in Rendsburg und Umgebung. „In den meisten Jahren sind es höchstens ein oder zwei Beerdigungen“, sagt Schlott.

Ziya Korkmaz (58) vom Islamzentrum Rendsburg organisiert die Beisetzungen. Seit 43 Jahren lebt er in Rendsburg. Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, zu bestätigen, ob der Mensch, der beerdigt werden soll, auch wirklich Muslim war. „Rendsburg ist ein kleiner Ort, wir kennen uns untereinander“, sagt Korkmaz. Aber der muslimische Friedhof ist der einzige im Kreisgebiet und sogar darüber hinaus. Und etwas vergleichbares zum christlichen „Taufregister“ gibt es im Islam nicht.

Die erste Beerdigung fand im Juni 2000 statt, ein arabischer Tunesier ließ sich hier bestatten. Am Rande des Friedhofes liegen auch die Gräber einer pakistanischen Großmutter und ihrer beiden Enkeltöchter. „Das ist das Leben – das ist das Schicksal“, sagt Korkmaz. Wenn das Schicksal eine Entscheidung getroffen hat, kann der Mensch nur noch mit den Schultern zucken.

Die letzte Beerdigung fand im Juni vergangenen Jahres statt. Ein junger Aserbaidschaner war in Schleswig bei einem Unfall gestorben. Weil die Stadt an der Schlei keinen eigenen muslimischen Friedhof hat, hat er seine letzte Ruhe in Rendsburg gefunden. Der muslimische Friedhof hier war einer der ersten in Schleswig-Holstein. Auf den Gräbern vermischen sich die Kulturen ein wenig. In einige Grabsteine sind Koranverse gemeißelt. Auf mehreren Gräbern haben Freunde der Verstorbenen kleine Keramik-Engel mit der Aufschrift „Ich vermisse Dich“ abgelegt. „Der Islam erlaubt das eigentlich nicht“, sagt Korkmaz. Die Besitzer des Grabes seien benachrichtigt worden, aber sie kümmerten sich nicht um das Aufstellverbot. „Wir akzeptieren natürlich die christlichen Bräuche“, sagt Korkmaz, aber jede Religion habe halt ihre eigenen Traditionen. Und Lichtgestalten kommen nun mal im Islam nicht vor.

Bestattet wird nach deutschem Gesetz, aber islamischer Tradition. Dazu gehört, dass die Verstorbenen in einem Sarg zum Friedhof gebracht werden, aber nur in einem Tuch eingewickelt beerdigt werden. Passanten könnten vielleicht erahnen, dass sich in dem Tuch ein menschlicher Körper befindet, sagt Schlott. „Aber das ganze hat nichts anstößiges, es geht sehr würdevoll zu.“ In der Gruft liegt der Leichnam so, dass er über seine rechte Schulter nach Osten in Richtung Mekka blickt. „Das ist unsere heilige Stadt, zu der wir beten“, sagt Korkmaz.

Auffällig ist, dass viele Kinder auf dem Friedhof beerdigt sind. Das liegt daran, dass im Islam auch Totgeburten beerdigt werden. Die Zuwanderer der dritten oder vierten Generation wollen die Gräber ihrer Angehörigen in ihrer Nähe haben. „Die meisten Menschen aus der ersten Generation lassen sich noch in ihrer Heimat beerdigen“, sagt er. Aber auch bei älteren Muslimen findet ein Umdenken statt. „Viele sagen, was soll ich denn in der alten Heimat, meine Verwandten und Freunde sind alle hier“, sagt Korkmaz. In zehn Jahren könne der Friedhof, der für 160 Gräber ausgelegt ist, deshalb vielleicht zu klein sein. Eine Erweiterungsfläche des städtischen Friedhofs liegt daneben. „Es werden mehr Beerdigungen werden. Hunderprozentig“, so Korkmaz.

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erstellt am 16.Aug.2016 | 19:11 Uhr

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