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Landeszeitung

07. Dezember 2016 | 23:17 Uhr

Schlossplatz : Fledermäuse verzögern den Abriss

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Thormann- und Stintzinghaus: Mit dreijähriger Verspätung sollen im Herbst die Bagger anrücken. Baubeginn frühestens im Frühjahr 2017.

Die geplante Neubebauung am Schloßplatz beschäftigt die Rendsburger seit vier Jahren. Die Pläne schlugen hohe Wellen, viele Bürger wünschten sich den Erhalt der Häuser, sogar der Bauausschuss der Stadt schaltete sich ein. Die für den Abriss vorgesehenen Bauten Thormann- und Stintzinghaus, inzwischen zu Schandflecken verkommen, gammeln heute noch vor sich hin. Im Herbst soll jetzt laut Investor Michael Demandt der Abriss geschehen. Im kommenden Frühjahr könnte der Neubau beginnen.

Die Gebäude gehören der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Die hat sie in Erbpacht an die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie (NGD) vergeben. Die NGD wollte die Gebäude nicht sanieren und hat sie an den Bauunternehmer Michael Demandt unterverpachtet. Demandt will dort einen neuen Gebäudekomplex mit einer Wohngruppe für Demenzkranke sowie mehreren Seniorenwohnungen bauen. Betreiber ist der Pflegebetrieb LebensNah.

Über den Grund für die Verzögerung gibt es verschiedene Aussagen. Ein paar Quadratmeter Fläche in Besitz der Stadt hätten in den Erbpachtvertrag eingefügt werden müssen, sagt Henrik Meyer, Geschäftsführer der NGD. Die abschließende Bearbeitung durch den Notar stehe kurz bevor. „Es gab ein paar Dinge im Bereich der Verwaltung, die nicht so glücklich gelaufen sind“, sagt er, ohne konkreter werden zu wollen. „Wir gehen davon aus, dass jetzt alles relativ schnell auf den Weg kommt.“

Die Schelte will Frank Thomsen vom Bauamt der Stadt nicht akzeptieren. „Dass der Flächentausch jetzt ursächlich für die Verzögerung gewesen sein soll, ist mir neu“, sagt er. Dabei soll es sich um ein zwölf Quadratmeter großes Stück zwischen Thormannhaus und Denkerstraße gehandelt haben. Ohne diesen Tausch hätte eine Ecke im Neubau gefehlt, eine Einbuchtung wäre entstanden. „Das kann auch keiner wollen“, sagt Thomsen. Vertraglich sei alles abgewickelt, auch die Baugenehmigung sei längst erteilt. Der Bauunternehmer Michael Demandt hat eine andere Erklärung. Die NGD als Erbbaupächter des gesamten Geländes hat an Demandt das Untererbbaurecht für die Fläche der Häuser 10 und 11 vergeben. Der verwaltungsrechtliche Akt, diese Fläche nun aus dem Gesamtpaket herauszutrennen, sei extrem langwierig gewesen, da es mit einer Grundschuld versehen sei. Inzwischen sei alles geregelt. Theoretisch könnte man also sofort loslegen, wenn nicht inzwischen ein anderes Problem Einzug gehalten hätte. Da nicht auszuschließen sei, dass sich inzwischen geschützte Fledermäuse den Dachstuhl der Ruine zu eigen gemacht hätten, müssen die Häuser vorerst weiter vor sich hin verfallen. Denn bevor abgerissen werden darf, muss sichergestellt sein, das der potenzielle Nachwuchs der Fledermäuse flügge geworden ist. „Wir dürfen erst im September, Oktober abreißen“, sagt Demandt.

Im Juli 2013 beteiligten sich insgesamt 1711 Bürger an der Abstimmung über die Gestaltung der Neubauten, die auch von der Landeszeitung mitgetragen wurde. Siegerentwurf wurde schließlich ein Backsteinbau. Dann sollte eigentlich alles ganz schnell gehen, es kam aber immer wieder zu Verzögerungen. Eine Chronologie der bislang nicht eingetretenen Ereignisse: Im Jahr 2012 hieß es, dass der Abriss im Frühjahr 2013 erfolgen soll. Die Ereignisse nahmen den Rendsburger Lauf der Dinge. So hieß es ein Jahr später lapidar, die Planung habe sich verzögert. Der Bauantrag sollte dann im Oktober 2014 eingereicht werden – verbunden mit der Hoffnung, ab dem Frühjahr 2015 bauen zu können. Fortgeschritten ist seitdem einzig der Verfall der Gebäude.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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