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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 19:23 Uhr

Kündigungswelle in Rendsburg : Firma T. H. Sievers Stadtverkehr entlässt alle Mitarbeiter

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

65 Beschäftigte sollen zum Jahresende gehen. Die Konzession für den Busbetrieb läuft aus. Mit dem Kreis gibt es Streit über Ausschreibungsregeln.

Rendsburg | Kahlschlag bei einem Rendsburger Traditionsunternehmen: Die Firma T. H. Sievers Stadtverkehr wird allen 65 Beschäftigten zum Jahresende kündigen. Darüber informierten die Geschäftsführer Hans Peter Horn und Andreas Horn den Betriebsrat. Anlass ist ein Streit mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde über das Ausschreibungsverfahren zum Rendsburger Stadtverkehr. Ende des Jahres läuft die Konzession von T. H. Sievers aus.

Auch künftig sollen die Rendsburger weiterhin Busfahren können. Wahrscheinlich ist jedoch, dass dafür ein anderes Unternehmen verantwortlich wird. Viele der entlassenen Busfahrer müssten sich dann nach einem neuen Job umsehen.

Zwar hat sich die Firma darum beworben, auch ab dem 1. Januar 2017 den Buslinienverkehr in der Region betreiben zu dürfen. Sollte jedoch ein Konkurrent den Zuschlag erhalten, würde Sievers ein Großteil der Einnahmen wegbrechen. „Wir haben uns große Mühe mit unserem Angebot gegeben und alles durchgerechnet. Aber ob wir eine Chance auf den Gewinn der Ausschreibung haben, kann ich nicht sagen“, sagte Geschäftsführer Hans Peter Horn.

Der Knackpunkt, der jetzt zur Kündigung aller Mitarbeiter führt, ist jedoch ein anderer. So hat der Kreis Rendsburg-Eckernförde nach Darstellung von Horn schrittweise die Ausschreibungsmodalitäten so verändert, dass sie für T. H. Sievers ein erhebliches Risiko darstellen könnten. Denn die vom Regional-Entwicklungsausschuss empfohlene Lösung, wonach alle Sievers-Beschäftigten von einem potenziellen neuen Stadtverkehr-Betreiber zu gleichen Konditionen übernommen werden müssten, ist vom Tisch. In der am 8. Januar 2016 vom Kreis veröffentlichten Ausschreibung hieß es, dass die Beschäftigten lediglich Anrecht auf ein „ein verbindliches Angebot“ hätten.

Nach Horns Angaben muss dieses Angebot nicht zwangsläufig auf den Raum Rendsburg zugeschnitten sein, theoretisch wäre ein Einsatz der Beschäftigten in Kiel oder sogar in einem anderen Bundesland möglich. Wer es nicht annehmen würde, bliebe bei Sievers, auch wenn die Firma ihn mangels Konzession nicht mehr beschäftigen könnte. Zudem reduzierte der Kreis die Zahl der zu übernehmenden Arbeitnehmer von 65 auf letztlich 35, dabei handelt es sich ausschließlich um Busfahrer. „Alle Mitarbeiter der Verwaltung und unserer Werkstatt, aber auch mehrere Busfahrer würden demnach auf jeden Fall arbeitslos werden“, so Hans Peter Horn.

Weder die konkreten Hintergründe der Reduzierung noch die von Seiten des Kreises getroffene Personalauswahl seien bisher erläutert worden. „Ob hierbei auch soziale Kriterien in hinreichendem Maße berücksichtigt wurden, ist uns nicht bekannt.“ Aufgrund der Art der Ausschreibung und der damit möglicherweise verbundenen Betriebseinstellung zum Ende des Jahres sei man gezwungen gewesen, ein Massenentlassungsverfahren einzuleiten.

Dr. Martin Kruse, Fachbereichsleiter für Regionalentwicklung, wollte sich zu der Entscheidung der Firma T. H. Sievers nicht äußern. Er erklärte: „Wir haben alles getan, was rechtlich machbar ist.“ Im Ausschreibungsverfahren sei die Rüge erhoben worden, dass eine Personalzuordnung vorgenommen werden müsse: „Dabei kam heraus, dass 35 Mitarbeiter für den Stadtverkehr Rendsburg erforderlich sind.“ Der Ausschreibungssieger stehe Ende Mai fest.

Sollte T. H. Sievers die Ausschreibung für sich entscheiden, könnten die 65 Mitarbeiter aufatmen. Hans Peter Horn machte deutlich, dass dann die Kündigungen hinfällig seien.

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erstellt am 25.Apr.2016 | 16:10 Uhr

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