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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 07:17 Uhr

Kino : Film-Dreierpack erinnert an die Ära des Tunnelbaus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Kommunale Kino zeigt am Sonntag drei Raritäten aus dem Rendsburg der 50er und 60er Jahre. Highlight ist ein Film über den Bau des Rendsburger Kanaltunnels.

Sie ist eine filmische Seltenheit. Ein Relikt aus einer Zeit, als bewegte Bilder noch keine Massenware waren. Die Dokumentation „Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal“ der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Kiel entstand 1961. Gezeigt wird der Bau des Straßentunnels unter dem Kanal von den ersten Arbeiten bis zur Einweihung. Aus Anlass der Eröffnung des Bauwerks vor 55 Jahren und der vorübergehenden Freigabe beider Röhren nach mehr als fünfjähriger Sanierung holt das Kommunale Kino Rendsburg den Schatz auf Zelluloid aus dem Landesfilmarchiv in Schleswig hervor. Gezeigt wird das 46 Minuten lange Werk am Sonntag, 6. November, um 11 Uhr in der Schauburg.

Der Hauptbeitrag wird flankiert von einem sechsminütigen Vorfilm über die Rendsburger Kleinbahn von Horst Lehne (1956) und einer Kino-Wochenschau von 1962 (14 Minuten). Sie zeigt unter anderem Aufnahmen vom Kanal, der Hochbrücke, Schwebefähre, Drehbrücke und ebenfalls vom Straßentunnel.

Den Zeitpunkt der Matinee hat Harald Jockenhövel vom Verein Kommunales Kino Rendsburg „mit einem gewissen Augenzwinkern“ gewählt. Vier freie Spuren unter dem Kanal gab es schließlich seit 2011 nicht mehr. Das muss auf Leinwand gefeiert werden. Am besten mit einem Blick zurück in eine Vergangenheit, als große Bauvorhaben noch ohne mehrjährige Verzögerung und vielfache Kostenexplosion möglich waren. Die von der Kieler Nordmark-Film produzierte Dokumentation ragt schon deshalb aus der Masse anderer Aufnahmen aus der Ära des Tunnelbaus heraus, weil sie farbig ist. Der Zuschauer blickt fasziniert auf eine Baustelle, in der gigantische Mengen Erde, Wasser, Stahl, Beton und anderes Material mit vergleichsweise überschaubaren technischen Mitteln bewegt wurden. Ganze Wohnhäuser wurden aufgebockt und verschoben, um Platz für die neue Querung zu machen. Der Betonkörper des Tunnelmittelstücks wurde im Trockenbau-Verfahren hergestellt und später punktgenau abgesenkt. „Eine Welturaufführung ohne Generalprobe“ – kommentiert der Sprecher nicht ohne Pathos aus dem Off. Fanfarenklänge und Streicher, die an Edgar Wallace erinnern, liefern den Soundtrack zu diesem technischen Meisterwerk, das nach weniger als vier Jahren vollendet war.

Zurück bleibt ein von der laufenden Endlos-Erneuerung gezeichneter Zuschauer. Dieses Mal grinsend. Früher war manches wirklich besser!

>Kommunales Kino im Schauburg-Filmtheater, Eintritt fünf Euro, ermäßigt vier Euro. Karten unter Tel. 2  37  77.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 10:57 Uhr

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