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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 03:07 Uhr

Prozess in Kiel : Feuer in Hanerau-Hademarschen: Sohn soll Resthof angezündet haben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Anklage vor Gericht: Ein 22-Jähriger aus Hanerau-Hademarschen hat ein Feuer gelegt, obwohl sein Vater und ein weiterer Mann im Haus schliefen.

Kiel | Der Großbrand auf einem Resthof in Hanerau-Hademarschen vor einem halben Jahr hat jetzt ein strafrechtliches Nachspiel. Der Sohn des Besitzers ist vor dem Landgericht Kiel angeklagt, das Anwesen in der Straße „Im Eck“ nachts angezündet zu haben. Dabei soll ihm bewusst gewesen sein, dass sein Vater und ein weiterer Bewohner in dem Gebäude schliefen.

Der Angeklagte (22) gestand die Tat am ersten Verhandlungstag am Montag vor der ersten Strafkammer nicht. Sein Anwalt kündigte jedoch an, dass er Aussagen dazu machen werde. Für den Prozess sind noch zwei weitere Tage angesetzt. Bislang wurde lediglich die Anklage verlesen. Am nächsten Verhandlungstag soll zunächst ein Psychologe vernommen werden, der ein Gutachten über den Angeklagten erstellt hat. Der 22-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

Er soll in der Nacht auf den 6. Mai um kurz vor zwei Uhr in einem an das Wohnhaus angebauten Schuppen auf dem Hof einen Strohballen angezündet haben. Dann soll er in seine rund 800 Meter entfernte Wohnung geflüchtet sein. Es entstand ein gewaltiges Feuer, das ein Nachbar bemerkte und die Rettungskräfte rief. Rund 100 Kameraden der Feuerwehren aus Hanerau-Hademarschen, Steenfeld, Gokels und Bendorf-Oersdorf waren im Einsatz. Zudem wurde die Drehleiter der Itzehoer Wehr angefordert. Der 56-jährige Vater des Angeklagten konnte sich damals selbst retten. Noch während der Löscharbeiten kehrte sein Sohn zurück und gab der Feuerwehr den Hinweis, dass ein weiterer Mann im Gebäude schläft. Der 60-Jährige wurde daraufhin über den Balkon aus seiner Einliegerwohnung geholt. Er wurde mit einer Rauchvergiftung ins Heider Krankenhaus gebracht.

Die Wehrleute hatten damals keine Chance, das Gebäude zu retten, denn im Schuppen lagerte ein großer Brennholzvorrat. Der Hof stand bereits lichterloh in Flammen, als die Kameraden eintrafen. Der Sachschaden wurde damals auf 100.000 Euro geschätzt. Ein Nachbarhaus blieb vor dem Feuer verschont. Der Angeklagte muss sich nun wegen besonders schwerer Brandstiftung und Körperverletzung verantworten. Laut Staatsanwaltschaft kommt er um den Vorwurf der versuchten Tötung herum, weil er die Rettungskräfte informierte, dass sich der 60-Jährige noch im Haus befand.

Hintergrund der Tat soll Frust gewesen sein. Der junge Mann soll hoch verschuldet sein. Zudem ist er arbeitslos. Auch mit seiner damaligen Freundin sei es immer wieder zu Streitigkeiten gekommen. Dabei soll es um das gemeinsame Kind gegangen sein. Welchen Zusammenhang die Ermittler jedoch mit der Brandstiftung am Haus seines Vaters sehen, wurde am Montag nicht näher erläutert.

Der 22-Jährige habe so genau gewusst, dass eine weitere Person im Haus war, weil beide noch kurz zuvor gemeinsam unterwegs waren, hieß es in der Anklage. Der junge Mann habe den 60-Jährigen nur eineinhalb Stunden vor dem Brand nach einem Kneipenbesuch zu Hause abgesetzt. Bei dem Angeklagten sei noch in der Nacht fast ein Promille Alkohol im Blut nachgewiesen worden.

Ein Tötungsvorsatz sei zwar nicht nachzuweisen, doch es sei nur Zufall gewesen, dass der Bewohner der Einliegerwohnung bei dem Brand nicht umgekommen ist, so die Staatsanwaltschaft. Der Prozess wird am Dienstag, 15. November, um 9.30 Uhr im Landgericht Kiel fortgesetzt.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 16:45 Uhr

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