zur Navigation springen

Landeszeitung

28. September 2016 | 07:08 Uhr

Dreiste Diebe : Falsche Dachdecker machen Beute in Rendsburg-Süd

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der vermeintliche Schaden am Hausdach war nur ein Ablenkungsmanöver – Trickdiebe entwenden Schmuck im Beisein der Besitzerin.

Rendsburg | Ihre Tür steht immer offen. Das ist Irmtraud Hansens* Motto. So auch am vergangenen Freitag. Die Rendsburgerin, Jahrgang 1942, bereitete gerade das Mittagessen zu, als es an der Tür klingelte. Irmtraud Hansen öffnete und stand zwei jungen Männern gegenüber. „Sie erzählten, dass sie sich gerade mit einer Dachdeckerfirma selbstständig gemacht hatten“, erzählt die im Neuwerker Tor (Rendsburg-Süd) lebende Frau. „Ich weiß ja selbst, wie schwierig das am Anfang ist, da wollte ich sie nicht gleich abwimmeln.“ Erst später begriff Irmtraud Hansen, dass sie auf Trickdiebe hereingefallen war.

Die beiden Herren beanstandeten den Bewuchs am Dach und deuteten auf den Giebel. Da stimme was nicht, merkten sie an. „Ich kenne alle meine Handwerker persönlich. Nur einen Dachdecker hatte ich noch nicht im Bekanntenkreis“, schildert Hansen ihre Überlegung, den beiden Herren eine Chance zu geben. Gemeinsam ging sie mit den Männern ins Haus und folgte einem der beiden auf den Dachboden. „Da haben wir dann sogar noch Späße gemacht. Ein sehr netter, junger Mann war das“, so die Rendsburgerin. Stutzig wurde sie nur kurz, als der Mann auf dem Dachboden nicht nur das Dach, sondern auch den dort aufgestellten Wandschrank genauestens inspizierte. „Da habe ich in dem Moment aber nicht weiter drüber nachgedacht“, so die Rendsburgerin.

Der zweite Mann war die ganze Zeit über allein in der Stube. Nach einer ausführlichen Inspektion versprachen die Männer, am Montag wiederzukommen, um sich der Sache anzunehmen. Erst am späten Nachmittag bemerkte die Rendsburgerin, dass ein Großteil ihres Schmucks verschwunden war. Zu dem abgesprochenen Termin am gestrigen Montag erschienen die Männer nicht. Irmtraud Hansen erstattete Anzeige und meldete sich bei der Landeszeitung. Sie möchte, dass andere vor den falschen Handwerkern gewarnt werden.

Am meisten ärgert sie sich jetzt über ihre eigene Dummheit. Ändern wird sie ihr Verhalten in Zukunft jedoch nicht. „Mich wirft so schnell nichts um. Ich verliere doch nicht wegen so zwei Vollidioten mein Vertrauen in Menschen.“

Doch längst nicht alle Opfer reagieren so robust. Die falschen Dachdecker sind nicht zum ersten Mal in Rendsburg unterwegs. Im Februar 2015 berichtete die LZ über einen Fall aus der Königsberger Straße in Mastbrook. Damals wies ein Experte der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ darauf hin, dass die Geschädigten nicht selten auf Jahre oder für den Rest ihres Lebens einen seelischen Schaden davontragen. In den Minuten der Tat trauten sie bei einem sehr bestimmten Auftreten der Täter oftmals nicht, „Nein“ zu sagen. Und auch danach haben sie Hemmungen, mit anderen über ihr Pech zu reden.

* Name geändert

>Hinweise zu weiteren Fällen an die Polizei: Tel. 2080. Der „Weiße Ring“ ist unter Tel. 868  949 zu erreichen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Sep.2016 | 09:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert