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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Gegen Taubenkot : Falken sollen Hochbrücke vor Korrosion bewahren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Naturschutz mit besonderem Nebeneffekt: Nistkästen für Greifvögel. Tauben bereiten Probleme.

Rendsburg | Grau und gigantisch ragen die Stahlstreben in den Himmel. Man muss schon sehr genau hinsehen, um mit bloßem Auge die grauen Kästen unterhalb des Schienenkörpers in rund 40 Metern Höhe zu erkennen. Hier sollen künftig Turm- und Wanderfalken ihren Nachwuchs aufziehen. „Jährlich neun bis zehn Bruten bei Turmfalken“ hat Friedhelm Heuck in den vergangenen Jahren registriert. Der Brückeninspekteur hat sie schon hautnah erlebt. Nun haben Jürgen Theede und die Firma „Spielweltland“ aus Osterrönfeld insgesamt 14 Brutkästen gestiftet. Wenn sich neben Turm- auch Wanderfalkenpaare in der Brückenkonstruktion wohl fühlen, ist das „biologischer Korrusionsschutz zum Nulltarif“, freut sich Heuck.

Denn: Insbesondere in der Nähe des Kreishafens halten sich viele Tauben an der Brücke auf. Mit Hilfe der Falken könnten diese vergrämt werden, hofft der Brückenkontrolleur. Das würde weniger Taubenkot bedeuten, der aggressiv ist und die Farbe angreift. Auch die Dohlen-Nester, die die Falken sonst besetzen – denn sie bauen keine eigenen – sind nicht ganz optimal. Unter ihnen sammeln sich Kot und Kondenswasser, die ebenfalls den Stahl in Mitleidenschaft ziehen. Das kann bei den Nistkästen nicht passieren.

Jürgen Theede mit einem der selbstgebauten Wanderfalken-Brutkästen.
Jürgen Theede mit einem der selbstgebauten Wanderfalken-Brutkästen. Foto: Sopha (2)
 

Friedhelm Heuck ist ein Falkenfreund – das verbindet ihn mit Jürgen Theede und mit Uwe Robitzky von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz. Die Männer kooperieren nicht zum ersten Mal miteinander. So hat Theede schon einmal kleine Turmfalken aufgepäppelt und ausgewildert. Jetzt hat er zusammen mit seinen Enkelkindern die Nistkästen gebaut – insgesamt neun für Turm- und fünf für Wanderfalken, die zum Teil auch an anderen Brücken der Region installiert werden sollen. „Sie müssen lange durch einen Wald gehen, um Vergleichbares zu sehen“, sagt Robitzky in Bezug auf die Natur in der Umgebung der technischen Brückenbauwerke. Fehlende Bäume und Angst vor den Menschen habe die Greifvögel in immer höhere Höhen getrieben.

1966 wurde die letzte Wanderfalkenbrut in Schleswig-Holstein registriert. Erst ab 1995 gelang die Wiederbesiedlung, weiß der Experte. Die Tiere haben einen Hang zu hohen Bauwerken und sind die größten heimischen Falken. Außerdem sind sie hervorragende Jäger und ernähren sich fast ausschließlich von Vögeln. Während die kleinen Turmfalken Insekten und Mäusen verspeisen, könnten die größeren Greife durchaus Tauben zu ihrer Beute zählen.

Friedhelm Heuck mit einem jungen Turmfalken aus der Brücken-Brut.
Friedhelm Heuck mit einem jungen Turmfalken aus der Brücken-Brut. Foto: Privat
 

Wer einen Wanderfalken beobachten möchte, muss allerdings Glück haben, weiß Uwe Robitzky. Sie sitzen lange unbeweglich und kaum erkennbar, bis sie sich dann in rasanter Geschwindigkeit auf ihre Beute stürzen und nach einem kurzen Augenblick wieder verschwunden sind. Einen wilden Turmfalken hatte Brückenkontrolleur Heuck allerdings schon auf der Hand. Vielleicht war es der Dank dafür, dass bei den Sanierungsarbeiten die Verkleidung eines Brückenstützkopfes derart um einen Horst herum gebaut worden war, so dass das ein Brutpaar seine drei Jungen weiter aufziehen konnte. „Selbst vom Sandstrahlen ließen sie sich dann nicht stören“, erinnert sich der Brückenkontrolleur. Als dann die Jungen flügge wurden, saß eines von ihnen am Container unter der Brücke. „Durch die ständige Präsenz von Menschen in der Nähe seines Horstes war es zutraulich geworden“, so Heuck. Es nahm für kurze Zeit auf seiner Hand Platz. „Das war wie ein Dankeschön.“

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erstellt am 14.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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