zur Navigation springen

Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Nord-Ostsee-Kanal : Fähre entgeht Katastrophe nur knapp

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

184 Meter langer Chemie-Tanker kommt vom Kurs ab und rammt beinahe die „Stolpmünde“ in Höhe Landwehr.

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist es gestern beinahe zu einem Zusammenstoß zwischen einem Tanker und der Fähre Landwehr in der Gemeinde Quarnbek gekommen. Damit ist nur knapp eine Katastrophe verhindert worden, denn das große Schiff verfehlte das Pendel-Fahrzeug „Stolpmünde“ um wenige Meter. Dennoch gab es einen Verletzten.

Die Kanalfähre lag noch am Anleger an der Nordseite des Kanals, als ihr Schiffsführer gegen 11 Uhr bemerkte, dass der in Richtung Kiel fahrende Tanker „CPO England“ auf Kollisionskurs ging. Sicherheitshalber wies er alle bereits an Bord gegangenen Passagiere an, die „Stolpmünde“ wieder zu verlassen. Als die Fahrgäste von Bord gingen, stürzte ein 77-jähriger Mann und zog sich dabei leichte Verletzungen zu. Der Tanker rauschte laut Mitteilung der Polizei wenige Meter an der Fähre vorbei und geriet in die Böschung. Der 77-Jährige wurde in eine Kieler Klinik gebracht. Weitere Menschen kamen nicht zu Schaden. Durch den Wellenschlag wurden sowohl das Fährschiff als auch der Anleger beschädigt. Die „Stolpmünde“ blieb jedoch einsatzbereit.

Bei der „CPO England“ handelt es sich um einen Chemie-Tanker, der unter britischer Flagge fährt. Was er geladen hatte, blieb gestern unklar. Das 184 Meter lange und knapp 28 Meter breite Seeschiff setzte seine Fahrt zunächst bis zur Schleuse Holtenau fort. „Dort wurde das Schiff von Beamten des Wasserschutzpolizeireviers gestoppt. Die Weiterfahrt wurde untersagt“, teilte die Polizei mit. Die „CPO England“ befand sich gestern bis Redaktionsschluss auf der Holtenauer Reede. Dort muss es so lange bleiben, bis eine Sicherheitsleistung bezahlt wird, hieß es aus Polizeikreisen. Wie es dazu kommen konnte, dass der Tanker offenbar von seinem Kurs auf dem Kanal abgekommen war, konnte sich gestern niemand erklären. „Die Ermittlungen zur Ursache dauern an“, so Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Bis zu deren Abschluss will sich auch Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau nicht äußern. Klar ist, dass es zum Zeitpunkt der Beinahe-Havarie neblig war. Auch ein Lotse war an Bord. Der Ältermann der Lotsenbrüderschaft Nord-Ostsee-Kanal II, Stefan Borowski, hielt sich gestern ebenfalls mit Aussagen zur Ursache zurück. Er wies darauf hin, dass die Schiffe, die den Kanal passieren, an den Fährstellen üblicherweise ihre Fahrt aus Sicherheitsgründen reduzieren.

Matthias Visser betonte die Geistesgegenwart des Schiffsführers der „Stolpmünde“. Dass er das 29 Meter lange und zehn Meter breite Fährschiff sofort habe räumen lassen, sei sehr geistesgegenwärtig gewesen. „Der Schiffsführer hat seine Aufgabe gut gemacht. Er hat sehr umsichtig gehandelt“, sagte Visser zur Landeszeitung.

Die Schäden am Schiff sind ihm zufolge gering. „Lediglich ein Blech ist leicht verbogen.“ Das sei darauf zurückzuführen, dass der Tanker einen Sog verursacht hat, als er so nah an der Fähre vorbeifuhr. Dadurch habe sich der Wasserstand geändert und die „Stolpmünde“ habe sich am Anleger-Dalben gerieben. Die Höhe des Sachschadens konnte er gestern noch nicht beziffern. „Der ist unerheblich“, sagte Visser.

Mit dem schweren Unglück unter der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke im Januar ist der gestrige Vorfall nicht zu vergleichen. Damals stießen ein Frachter und die Schwebefähre so stark zusammen, dass ein Passagier schwer verletzt wurde und nur noch Schrott übrig blieb. Der Unfall ist noch immer nicht aufgeklärt.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Okt.2016 | 16:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen