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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 07:19 Uhr

Rathaus-Affäre : „Es gibt keine Kumpanei“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Pierre Gilgenast weist den Vorwurf illegaler Absprachen bei der Besetzung eines Spitzenamtes zurück. Ein ausgeschiedener Bewerber kündigte unterdessen Strafanzeige gegen den Bürgermeister an.

Pierre Gilgenast geht in die Offensive. Der Bürgermeister trat entschieden Behauptungen entgegen, bei der geplatzten Neubesetzung eines Spitzenpostens im Rathaus habe es illegale Absprachen oder Anweisungen gegeben. „Nur sachliche Gründe haben zum Abbruch des Auswahlverfahrens geführt“, sagte er gestern in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch. „Es gibt keine Kumpanei. Das ist weder meine Art noch die Art und Weise, wie man Personalentscheidungen trifft. Am Ende entscheiden die Leistungsnachweise.“

Es geht um die Stelle des Fachbereichsleiters Bürgerdienste. Sie muss zum 1. März neu besetzt werden. Das erste Auswahlverfahren hatte die Stadt wegen rechtlicher Mängel gestoppt. Dem für das Personal der Stadt verantwortlichen Fachbereichsleiter Herwig Schröder wird vorgehalten, die Bewerbung eines Gilgenast-nahen Kandidaten (Bernd Brommann) zugelassen zu haben, obwohl er über Formfehler in dessen Bewerbungsunterlagen informiert gewesen sein soll. Brommanns Mitbewerber (Markus Knapp) hingegen kam nicht zum Zuge, obwohl er bei einem Persönlichkeitstest (Assessment-Center, AC) besser abgeschnitten hat als der Favorit der Verwaltung, Brommann. Jetzt wirft Knapp Gilgenast und Schröder vorsätzliches Handeln vor. Beide hätten sich bewusst eine juristische Hintertür für den Ausstieg aus dem Verfahren offen halten wollen.

Gilgenast bestreitet auch das. „Es gibt keine Absprachen und keine Strategie dahinter.“ Er habe sich nach dem AC für Brommann entschieden. Der Test sei ein „gefühltes Kennenlernen“, aber nicht das Maß der Entscheidung. Dem Kandidaten Knapp habe er telefonisch abgesagt. Anfang November sei einer kurzfristig beauftragten Kieler Anwaltskanzlei aufgefallen, dass in den Bewerbungsunterlagen beider Anwärter ein Mangel enthalten war. Sowohl Knapp als auch Brommann hatten veraltete Arbeitszeugnisse vorgelegt.

In der Hauptverwaltung blieb dieser Fehler nach Gilgenasts Darstellung zunächst unentdeckt. Ihm selbst sei er nicht aufgefallen, so der Verwaltungschef, weil ihm der Inhalt der Bewerbungen nur als Abschrift in Tabellenform vorgelegt worden sei. Das Datum der Beurteilungen sei in dieser Aufstellung nicht vermerkt worden.

Markus Knapp kündigte unterdessen an, er werde Strafanzeige gegen Gilgenast und Schröder erstatten. Beiden wirft er versuchte Urkundenfälschung und Vorteilsgewährung im Amt vor. Knapp: „Mit kriminellen Mitteln wurde versucht, mich aus dem Rennen zu werfen.“ Gleichzeitig teilte der Polizeibeamte aus Brandenburg überraschend mit, er wolle doch an einem zweiten Auswahlverfahren teilnehmen. „Ich habe viel Unterstützung und Zuspruch in Form von Mails und Anrufen erfahren, nicht nur von Mitarbeitern aus dem Rathaus, auch von Bürgern“, begründete Knapp sein Umdenken.

Noch am Dienstag hatte er gesagt, eine zweite Bewerbungsrunde komme für ihn nicht in Frage, da er als Kandidat „verbrannt“ sei. Jetzt ist er entschlossen: „Die Rendsburger haben ein Recht darauf zu erfahren, dass der höchste Repräsentant der Exekutive, ein Jurist, das Recht selbst mit Füßen tritt.“

Neben der strafrechtlichen Klage will Knapp Einspruch gegen den Abbruch des ersten Auswahlverfahrens einlegen. Der Polizist zieht vor das Verwaltungsgericht in Schleswig. „Es geht mir nicht darum, mich einzuklagen. Ich will nur die Umstände klären, die zu einem nicht sachgerechten Abbruch des ersten Verfahrens geführt haben.“

Schröder wurde von Gilgenast aufgefordert, sich ihm gegenüber zu erklären. Der Kämmerer war in einer strittigen Grundstückssache im Bereich Tanneck bereits einmal ins Visier der Ermittler geraten. Die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Zu Schröder sagte Gilgenast nur einen Satz: „Ich habe meinen leitenden Beamten um eine Stellungnahme gebeten.“

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erstellt am 18.Nov.2016 | 06:10 Uhr

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