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Landeszeitung

23. März 2017 | 01:26 Uhr

Sehestedt : Eine ganz besondere Freundschaft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bewohner Sehestedts kamen vor vierzig Jahren englischen Fallschirmspringern zu Hilfe. Eine Ausstellung im Dorfmuseum erinnert an das Unglück.

„Es war wie im Krieg.“ Hermann Kuhlmann erinnert sich noch genau an den 11. September vor vierzig Jahren. Damals starben sechs britische Fallschirmspringer im Nord-Ostsee-Kanal. Sie waren während des Nato-Manövers „Bold Guard“ zwischen Sehestedt und Bovenau abgesprungen. Es war Nacht. „Wir dachten, unter uns sei eine Autobahn, aber es war der beleuchtete Kanal“, blickt Jim Carey auf die fatale Fehleinschätzung zurück, die sechs seiner damaligen Kameraden das Leben kostete.

Hermann Kuhlmann war damals als Soldat der Bundeswehr an der Hilfsaktion für die Fallschirmjäger beteiligt, Carey war einer der Fallschirmspringer. Jetzt kamen beide zu der Eröffnung der Sonderausstellung „Aus Unglück wurde Freundschaft“, die zum 40. Jahrestag der Tragödie im Dorfmuseum in Sehestedt gezeigt wird.

Am 11. September 1974, kurz nach 21 Uhr, sprangen 500 britische Fallschirmjäger beim Nato-Manöver „Bold Guard“ über Sehestedt ab. Für sechs Männer endete der Einsatz tödlich. Sie ertranken im Nord-Ostsee-Kanal, weil sie zu früh aus den Flugzeugen abgesetzt wurden. Hermann Kuhlmann war als Pionier an der Rettungsaktion für die Fallschirmjäger beteiligt. „Dunkle Nacht, Suchscheinwerfer, Hubschrauber, die nach den Soldaten suchten – es war das Chaos“, beschreibt er die Ereignisse am Kanal. Und er weiß: „Jeder Fallschirmspringer trug 80 Kilogramm Ausrüstung mit sich. Wer ins Wasser fiel, ging sofort unter.“ Wenn er an die Unglücksnacht zurückdenke, bekomme er noch heute eine Gänsehaut, sagt der 59-jährige Sehestedter.

In Sehestedt war die Anteilnahme besonders groß, weil viele das Geschehen unmittelbar miterlebt hatten. Ein Jahr nach dem Unglück wurde auf der Südseite des Dorfes, das vom Nord-Ostsee-Kanal durchschnitten wird, ein Denkmal errichtet: Ein großer Feldstein umgeben von sechs Eichen zur Erinnerung an die überwiegend schottischen Opfer des „15. Scottish Volunteer Parachute Battalion“. In den folgenden Jahren kamen immer wieder kleine Abordnungen, um Kränze niederzulegen und ihrer Kameraden zu gedenken. „Erst 1994, zum zwanzigsten Jahrestag, gab es eine große Gedenkveranstaltung. Erste freundschaftliche Kontakte zwischen Schotten und Sehestedtern wurden geknüpft“, erklärte Susanne Fedders, Vorsitzende des Fördervereins Dorfmuseum, bei der Ausstellungseröffnung.

Bürgermeisterin Rita Koop und Ortwin Fedders haben sich zusammen mit Major Robert „Bobby“ Moore und Piper Brian Donnachie besonders für die Intensivierung dieser Kontakte eingesetzt. Gegenseitige Besuche, privat oder zu offiziellen Anlässen, wurden häufiger. Schottische Teams kamen zu Fußballturnieren oder nahmen an „Highland Games“ in Sehestedt teil, persönliche Freundschaften wuchsen.

„Es ist uns wichtig, diese besondere Beziehung zu pflegen“, betonte Susanne Fedders. Die schottischen Familien seien dankbar, in Sehestedt einen Ort des Erinnerns und der Information zu haben, aber auch Menschen, die dafür Verständnis haben und Freunde geworden sind.

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