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Landeszeitung

26. März 2017 | 07:34 Uhr

Prozess : Einbruchs-Prozess nach wilder Verfolgungsfahrt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Fluchtversuch nach einem Einbruch endete auf einem Acker neben der Autobahn 7. Die mutmaßlichen Täter stehen vor Gericht.

Zwei 27 und 30 Jahre alte Chilenen müssen sich seit gestern vor dem Schöffengericht in Neumünster verantworten. Die beiden sollen mit einem weiteren Mann am 16. Oktober vergangenen Jahres in ein Einfamilienhaus in Schacht-Audorf eingebrochen sein und drei Armbanduhren erbeutet haben. Auf ihrer anschließenden Flucht wurden sie auf der Autobahn   7 von mehreren Polizeiwagen verfolgt. Einer der Angeklagten konnte wenig später auf einem Acker bei Bönningstedt (Kreis Pinneberg) festgenommen werden.

Der Verhandlungsauftakt gestaltete sich zunächst schwierig, weil die beiden Männer, die in Untersuchungshaft sitzen, kein Deutsch verstehen. Eine Dolmetscherin musste übersetzen. Laut Anklage sollen die Angeklagten bereits im Oktober in mehrere Häuser in verschiedenen Städten in Dänemark eingebrochen sein. Am 16. Oktober sollen sie dann zu dritt mit dem Auto nach Deutschland gefahren sein, um einen Freund in Kiel zu besuchen. Während dieser Tour sollen sie den Einbruch in Schacht-Audorf begangen haben.

Der 27-jährige Angeklagte gab vor Gericht an, dass die Männer fehlendes Kühlwasser für ihr Auto besorgen wollten und daher bei einem beliebigen Einfamilienhaus Halt gemacht hätten. Auf ihr Klingeln hätte jedoch niemand reagiert. Auf die Frage des Richters, warum sie gerade dieses Haus auswählten, sagte der 27-Jährige: „Das war einfach der naheliegendste Ort in der Nähe der Autobahn.“ Der dritte Mann, der sich in einem Extra-Verfahren verantworten muss, soll daraufhin angeregt haben, das Wasser zu stehlen und eine Scheibe des Hauses eingeschlagen haben. Als die Männer von einer Nachbarin beobachtet wurden, ergriffen sie die Flucht und fuhren davon. Der 27-jährige Fahrer ließ sich laut Anklage auch nicht von einem quergestellten Einsatzwagen abhalten. Vor Gericht gab er an, das Auto hätte Probleme mit den Bremsen gehabt. Bei einem weiteren Versuch, das Trio auf der A  7 zu stoppen, berührten sich Flucht- und Streifenwagen. An dem Polizeifahrzeug entstand ein Schaden von rund 8000 Euro. Der Angeklagte verlor bei der Kollision die Kontrolle über seinen Wagen und landete auf einem Acker bei Bönningstedt. Er konnte kurz darauf von der Polizei festgenommen werden. Dabei soll er eine Polizistin getreten und am Knie verletzt haben.

Der zweite Angeklagte, der an dem Haus in Schacht-Audorf geklingelt haben soll, gab zunächst an, ein Einbruch sei nicht geplant gewesen. Außerdem hätte er unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden, die sein Erinnerungsvermögen getrübt hätten. Später widerrief der 30-Jährige seine Version allerdings und bestätigte eine Stellungnahme seines Verteidigers, in der es hieß: „Wir haben alle drei besprochen, dass in das Haus eingebrochen wird und dass dort Sachen gestohlen werden.“ Seine Aufgabe sei es gewesen, zu klingeln und anschließend an der Straße Schmiere zu stehen.

Der Verteidiger entschuldigte sich vor Gericht im Namen seines Mandanten für dessen vorherige Version. Es sei für ihn eine sehr schwierige Situation, allen Seiten gerecht zu werden. Zudem hätte er Angst, dass seiner Frau und seinen Töchtern etwas angetan wird. Ob bei dem Einbruch etwas gestohlen wurde, könne er nicht mit Sicherheit sagen, gab der 30-Jährige an. Der Prozess soll am 24. März und am 7. April fortgesetzt werden.


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erstellt am 07.Mär.2017 | 10:09 Uhr

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