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Landeszeitung

07. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Schwierige Zusammenarbeit : Ein privater Jobvermittler klagt an

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Geschäftsführer der Personalberatung Rendsburg wirft der Arbeitsagentur vor, die Zusammenarbeit zu verweigern. Arbeitslosenquote sinkt.

Die Zahl der Arbeitslosen im Land ist im Jahresvergleich erneut gesunken. Die Zahlen sind gut. Womöglich könnten sie aber noch besser sein. Das legen zumindest die Vorwürfe nahe, die Michael Sinn von der Personalberatung Rendsburg erhebt. Er hält der Agentur für Arbeit vor, bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden nicht ausreichend vernetzt zu sein und die Zusammenarbeit mit den privaten Beratern zu verweigern.

Das Unternehmen vermittelt seit 2010 Arbeitnehmer ausschließlich in langfristige Beschäftigungsverhältnisse und kassiert dafür Prämien. „Die Agentur für Arbeit negiert uns nicht nur, sie torpediert uns auch“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben uns oft um eine bessere Zusammenarbeit in Rendsburg bemüht, aber es besteht kein Interesse. Die haben Angst, dass sie sich selbst wegrationalisieren.“

Viele Arbeitslose wüssten nichts von den Möglichkeiten, die eine private Vermittlung bietet, so Sinn. „Sie werden von den Sachbearbeitern auf den Ämtern auch nicht aufgeklärt.“ Dabei habe jeder Bezieher von Arbeitslosengeld (ALG) I nach sechs Wochen Anspruch auf einen Vermittlungsgutschein. Auch Bezieher von Hartz IV können einen Gutschein erhalten, dies liegt aber im Ermessen des Sachbearbeiters. Im Erfolgsfall erhält der Jobvermittler 2000 Euro in zwei Raten: Nach sechs Wochen werden 1000 Euro fällig. Weitere 1000 Euro werden gezahlt, wenn der Vermittelte nach sechs Monaten noch in Arbeit ist.

Seit wenigen Jahren dürfen private Vermittler nur nach einem bundeseinheitlichen Qualitätsstandard arbeiten. Die Agentur in der Alten Kieler Landstraße hat mit 150 bis 200 Klienten im Jahr zu tun. „Etwa 80 Prozent vermitteln wir erfolgreich“, gibt Sinn an. „Im Schnitt benötigen wir dafür zwei bis drei Wochen.“

Eine von ihnen war Andrea Meissner-Himmerich. Die gelernte Konditorin arbeitete 16 Jahre in einem Einkaufszentrum am Rande von Kiel. Dann verlor die Frau aus dem östlichen Kreisgebiet nach langer Krankheit ihren Job. Durch eine Umschulung in den kaufmännischen Bereich fand sie zurück in die Berufswelt. Sechs Wochen dauerte es, bis ihr die Personalberatung das Angebot eines Kieler Im- und Exporthandels für Antipasti vorlegte. Dort leitet die 41-Jährige nun das Qualitätsmanagement. Stundenweise hilft sie zudem bei der Personalberatung in Rendsburg als Assistentin aus.

Von der Agentur für Arbeit ist Andrea Meissner-Himmerich enttäuscht. „Die haben mir nur Stellenangebote geschickt, die nicht zu meinen Qualifikationen passten.“ Michael Sinn pflichtet ihr bei: „Wir sind schnell, weil wir das Ohr am Volk und an den Betrieben haben. Die Agentur für Arbeit verwaltet Arbeitslosigkeit nur.“

Ein Sprecher der Agentur für Arbeit in Neumünster bestritt, dass Sachbearbeiter nicht über die Vermittlungsgutscheine aufklärten. „Es wird in den Beratungsgesprächen über alle möglichen Hilfen gesprochen“, sagt Thomas Böhmer. Aus Wettbewerbsgründen dürfe man keine Empfehlung für ein bestimmtes Unternehmen abgeben. Der Vermittlungsgutschein werde eingesetzt, weil dadurch mit einer schnelleren Integration in den Arbeitsmarkt zu rechnen sei. Zahlen, wie viele Gutscheine pro Jahr ausgegeben und eingelöst werden, konnte die Agentur gestern nicht liefern.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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