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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 09:51 Uhr

Ersatzteile nach Wunsch : Ein Hightech-Labor für jedermann

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal richtet Werkstatt mit 3D-Druckern ein. Einmal in der Woche steht es der Allgemeinheit offen.

Wer schon immer einmal seine eigenen Produkte mit einem 3D-Drucker fertigen wollte, hat ab sofort die Gelegenheit dazu: Das Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal (BBZ am NOK) in Rendsburg hat eine Hightech-Werkstatt eingerichtet und öffnet sie an einem Tag in der Woche für die Allgemeinheit. Damit folgt die Schule einem Trend der Spitzentechnologie, der das Zeug hat, Konsum und Produktion auf der ganzen Welt zu verändern.

Der fensterlose, ehemalige Physikraum mit der Nummer 127 im Erdgeschoss des Berufsbildungszentrums an der Herrenstraße 30-32 ist unscheinbar, hat es aber in sich: Die Schule hat dort eine Reihe von Geräten und Maschinen installiert, die zusammen ein Fabrikationslabor bilden – ein „FabLab“ (siehe Info-Kasten). Herzstück sind drei 3D-Drucker, mit denen sich „Bauteile aus Kunststoff fertigen lassen, die nicht gedreht oder gefräst werden müssen“, erklärt Christian Maaßen, Lehrer für Metalltechnik und Wirtschaftspolitik. Im Innern eines solchen Geräts wird heißer Kunststoff mittels einer Düse präzise in Schichten von 0,1 Millimeter Dicke aufgebracht, sodass nach und nach ein Produkt entsteht. Gesteuert werden die Miniatur-Fertigungsroboter von Computern auf Grundlage digitaler Konstruktionszeichnungen der gewünschten Produkte. Klingt kompliziert, ist es aber laut Maaßen nicht: „Das ist modernes Basteln. Unter unserer Anleitung ist jeder innerhalb von 90 Minuten in der Lage, ein einfaches Bauteil zu konstruieren.“ Schwer zu beschaffende Ersatzteile lassen sich so mühelos „ausdrucken“, etwa eine abhanden gekommene Batterieklappe der TV-Fernbedienung im heimischen Wohnzimmer oder eine gebrochene Arretier-Vorrichtung an einem Gartenstuhl. „Viele Hersteller bieten inzwischen Dateien zur Nachbildung einzelner Teile ihrer Produkte im Internet an“, erklärt Maaßen. Auf diese Weise änderten sich allmählich Prozesse zur Lagerhaltung großer Unternehmen, schließlich müssen weniger Ersatzteile vorgehalten werden. Architekten können schnell Modelle ihrer Gebäude-Entwürfe herstellen, ohne lange mit Styropor hantieren zu müssen, nennt Maaßen ein weiteres Beispiel. Die Flugzeug- und Medizintechnik-Industrie wende das 3D-Druck-Verfahren für individuelle und hochkomplexe Teile bereits an – auch in größerem Format, erklärt der Lehrer.

In erster Linie ist das rund 15  000 Euro teure Labor für den Unterricht der angehenden Industriemechaniker und Bauzeichner eingerichtet worden, erklärt Wolfgang Biel, stellvertretender BBZ-Schulleiter. „Aber wir wollen damit auch junge Leute von den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen erreichen, um sie für Technik zu begeistern.“ Auch ein Kursus in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Rendsburger Ring ist in Planung. Wer das Labor nutzen möchte, muss außer den Materialkosten nichts bezahlen. Zu erreichen sind die Betreuer per E-Mail unter der Adresse fablab@bbz-nok.de.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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